Monatelanges Ringen um deutsche „Geiseln“ in der Türkei
Ankara (APA/AFP) - Istanbul (AFP) - Nach dem gescheiterten Putsch gehen die türkischen Behörden mit großer Härte gegen vermeintliche Staatsf...
Ankara (APA/AFP) - Istanbul (AFP) - Nach dem gescheiterten Putsch gehen die türkischen Behörden mit großer Härte gegen vermeintliche Staatsfeinde vor. Auch mehrere deutsche Staatsbürger kamen in Haft - etwa die Journalisten Deniz Yücel und Mesale Tolu sowie der Menschenrechtler Peter Steudtner. Seit Monaten ringen Deutschland und die Türkei um diese Fälle.
14. Februar: Der „Welt“-Korrespondent Deniz Yücel stellt sich der Polizei in Istanbul, nachdem er über die Presse von einem Haftbefehl gegen sich erfahren hatte.
28. Februar: Ein Gericht nimmt Yücel wegen Terrorverdachts in Untersuchungshaft. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nennt die Entscheidung „bitter und enttäuschend“.
3. März: Erdogan bezeichnet Yücel als „deutschen Agenten“ und Repräsentanten der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK). Berlin nennt die Vorwürfe „abwegig“.
22. März: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ruft Erdogan zur Freilassung Yücels auf und fordert ein Ende seiner Nazi-Vorwürfe an die Bundesregierung.
4. April: Nach wochenlangem Drängen kann der deutsche Generalkonsul Georg Birgelen erstmals Yücel im Istanbuler Gefängnis Silivri besuchen.
12. April: Yücel, der seit Monaten in Einzelhaft sitzt, heiratet im Gefängnis seine langjährige Freundin Dilek Mayatürk. Als Ehefrau kann sie ihn in Haft besuchen.
30. April: Die Übersetzerin und Journalistin Mesale Tolu wird in ihrer Istanbuler Wohnung im Zuge einer Razzia festgenommen. Ihr Mann wurde bereits zuvor inhaftiert.
2. Juni: Tolu, die mit ihrem zweijährigen Sohn im Istanbuler Frauengefängnis Bakirköy einsitzt, erhält erstmals Besuch vom deutschen Konsulat.
5. Juli: Der deutsche Menschenrechtler Peter Steudtner wird bei einem Workshop türkischer Menschenrechtsorganisationen mit neun weiteren Aktivisten festgenommen.
20. Juli: Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) kündigt eine „Neuausrichtung“ der deutschen Türkei-Politik an. Das Auswärtige Amt verschärft die Reisehinweise.
6. August: Die Staatsanwaltschaft fordert 15 Jahre Haft für Tolu wegen „Terrorpropaganda“ und „Mitgliedschaft in einer Terrororganisation“. Gemeint ist die linksextreme MLKP.
17. August: Gabriel sagt, Yücel sei nur weiter in der Türkei in Gefangenschaft, weil Erdogan ihn als „Geisel“ halte.
1. September: Nach der Festnahme von zwei weiteren Deutschen in Antalya spricht sich Merkel dafür aus, die Gespräche über die Ausweitung der EU-Zollunion mit der Türkei auszusetzen.
3. September: Im TV-Duell mit dem SPD-Kanzlerkandidaten Martin Schulz kündigt Merkel an, sich für den Abbruch der EU-Beitrittsgespräche mit der Türkei einzusetzen.
8. Oktober: Die Staatsanwaltschaft fordert bis zu 15 Jahre Haft für Steudtner und die anderen angeklagten Menschenrechtler. Gabriel nennt die Haftforderung „unverständlich“.
11. Oktober: Tolu kommt in Istanbul mit 17 anderen Angeklagten vor Gericht. Der Richter entscheidet, die deutsche Journalistin in Haft zu behalten.
20. Oktober: Auf dem EU-Gipfel beschließen die EU-Staaten wegen der Politik Ankaras, die Auszahlung der Vorbeitrittshilfen für die Türkei zu reduzieren.
25. Oktober: In Istanbul beginnt der Prozess gegen Steudtner und zehn weitere Menschenrechtler. Alle Angeklagten werden überraschend freigelassen.
26. Oktober: Der „Spiegel“ berichtet, Ex-Kanzler Schröder habe sich bei Erdogan für Steudtner und die anderen Inhaftierten eingesetzt. Steudtner kehrt nach Berlin zurück.
3. November: Die Bundesregierung gibt die Entlassung eines deutschen Bürgers aus türkischer Untersuchungshaft bekannt. Einen Namen nennt sie nicht.
30. November: Kanzlerin Merkel und der türkische Präsident Erdogan telefonieren und beraten über Wege zur Verbesserung der Beziehungen.
3. Dezember: Die türkischen Behörden lockern die Haftbedingungen für Yücel. Er sitzt nach Angaben der „Welt“ nicht mehr in Untersuchungshaft.
18. Dezember: Die Staatsanwaltschaft beantragt die Freilassung der deutschen Journalistin Tolu. Sie darf das Land nicht verlassen, der Prozess gegen sie soll im April 2018 fortgesetzt werden.