Die Jahresend-Bilanz zu Frankreichs Präsident Emmanuel Macron

Paris (APA/AFP) - Gut sieben Monate ist Emmanuel Macron im Amt, am Donnerstag feiert der jüngste französische Staatschef seit Napoleon Bonap...

Paris (APA/AFP) - Gut sieben Monate ist Emmanuel Macron im Amt, am Donnerstag feiert der jüngste französische Staatschef seit Napoleon Bonaparte seinen 40. Geburtstag. In Umfragen legt er zwar zu, doch knapp die Hälfte der Bürger ist weiter nicht überzeugt von seinem Kurs:

Gute Reformen, schlechte Reformen

Die deutsche Regierung und die EU-Kommission schätzen Macrons Reformeifer. Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel etwa lobte die Europarede des Präsidenten vom September als „guten Impuls“ - auch wenn sein Vorschlag für einen Eurostaaten-Etat bei Teilen der Union und bei der FDP Zähneknirschen auslöste.

Positiv gesehen wird in Berlin und Brüssel vor allem Macrons Aufruf gegen EU-Verdrossenheit durch den Brexit sowie seine Zusage, das französische Budgetdefizit erstmals seit zehn Jahren wieder unter die Drei-Prozent-Grenze zu drücken. Ob seine Sparmaßnahmen dafür ausreichen, wird in Kürze feststehen.

In Frankreich verursachen die Reformen vor allem bei Gewerkschaften und linker Opposition Bauchschmerzen. Die umstrittene Arbeitsmarktnovelle, die den Kündigungsschutz und die 35-Stunden-Woche lockert, hat Macron mit Verordnungen durchgedrückt. Die weitgehende Abschaffung der Vermögenssteuer hat ihm den Ruf eingebracht, ein „Präsident der Reichen“ zu sein. Ein zweites Reformpaket ist für 2018 in der Pipeline: eine Neuordnung von Arbeitslosenversicherung und Ausbildung.

Roter Teppich und fester Händedruck

Viel Zuspruch hat Macron sein souveränes Auftreten auf internationalem Parkett eingebracht. So beeindruckte er US-Präsident Donald Trump mit einem exklusiven Diner auf dem Eiffelturm und den russischen Präsidenten Wladimir Putin mit einem Empfang auf Schloss Versailles.

Legendär sind sein ausgiebiger Händedruck mit Trump beim NATO-Gipfel im Mai und sein Spruch „Make our Planet Great Again“. Beim Pariser Klimagipfel am 12. Dezember rief er zur Rettung des Planeten auf und will nun jährlich ein solches Treffen in der französischen Hauptstadt abhalten.

Sobald die neue deutsche Regierung steht, will sich Macron zusammen mit Kanzlerin Merkel an die EU-Reform machen. Für 22. Jänner ist zunächst eine gemeinsame Feierstunde zu 55 Jahren Elysee-Vertrag geplant, bei der Macron die deutsch-französische Freundschaft neu begründen will.

Zwischen „Sonnenkönig“ und „Jupiter“

Macrons Partei „La Republique en Marche“ wurde zuletzt von dem Austritt von rund hundert ehemaligen Mitstreitern erschüttert. Sie warfen ihrem früheren Idol ein Auftreten nach Art eines absolutistischen Herrschers vor. Bereits nach seiner Siegesrede am Wahlabend vor dem Pariser Louvre im Mai unterstellte die Opposition Macron „Allüren eines Sonnenkönigs“. Er selbst sprach ganz unbescheiden von einer „jupitergleichen Präsidentschaft“.

Auch mit abfälligen Äußerungen über Reformgegner („Faulenzer“) und arbeitslose Demonstranten („richten Chaos an“) machte sich Macron nur wenige Freunde.

Trotzdem ist er in Umfragen seit Wochen im Aufwind: Inzwischen unterstützt demnach jeder zweite Franzose Macrons Kurs, das sind gut zehn Prozent mehr als noch im November. Er selbst kommentiert das auf Twitter mit den Worten: „Ich tue, was ich versprochen habe.“