Katalonien-Wahl - Barcelona vor der Wintersonnenwende

Barcelona (APA) - Sonnenschein und mäßig kühle Temperaturen - die Menschen im Zentrum Barcelonas scheinen mehr mit Weihnachtsvorbereitungen ...

Barcelona (APA) - Sonnenschein und mäßig kühle Temperaturen - die Menschen im Zentrum Barcelonas scheinen mehr mit Weihnachtsvorbereitungen beschäftigt zu sein als mit der brennenden Frage, wem sie bei den historischen Regionalwahlen am Donnerstag ihre Stimme geben werden. Die Parteien, die für oder gegen die Unabhängigkeit Kataloniens kämpfen, versuchen aber bis zuletzt, die Wähler zu mobilisieren.

Die Placa Catalunya, die in den vergangenen Monaten Schauplatz zahlreicher Kundgebungen war, ist weitgehend abgesperrt und mit Bauten für die Weihnachtsfeierlichkeiten geschmückt. Barcelonas Bürgermeisterin Ada Colau wollte 2015 durchsetzen, diesen Feiern einen laizistischen Charakter zu verleihen und sie als „Fest der Wintersonnenwende“ durchzusetzen. Heute scheint diese Bezeichnung nicht mehr im offiziellen Festtagskalender auf.

In diesem Jahr ist der Tag der astronomischen Wintersonnenwende, der 21. Dezember, allerdings ein besonderes Datum. Die Wähler Kataloniens sollen entscheiden, ob sie den Parteien, die Unabhängigkeit wollen, oder denen, die für den Verbleib bei Spanien eintreten, eine Mehrheit verschaffen. Umfragen sagen ein äußerst knappes Rennen voraus und eine Wahlbeteiligung von rund 80 Prozent. Am Dienstag, quasi im Endspurt des Wahlkampfs, riefen die katalanischen Politiker nochmals eindringlich zur Stimmabgabe auf, allerdings unter spärlicher Publikumsbeteiligung.

Die Parteien, die auf die relativ meisten Stimmen hoffen können, sind die Republikanische Linke Kataloniens (ERC) und die neue liberale Partei Ciutadans (Bürger). Da führende ERC-Politiker, darunter der Parteichef und abgesetzte katalanische Vizepräsident Oriol Junqueras, auf Anordnung der Madrider Justiz in U-Haft sitzen, haben ihre Anhänger zu Solidaritätskundgebungen außerhalb Barcelonas aufgerufen - in San Vicenc dels Horts, wo Junqueras Bürgermeister war, und beim Gefängnis Estremera bei Madrid, in dem der ERC-Chef sitzt.

Auf dem Universitätsplatz in Barcelona haben hingegen die Ciutadans ihr oranges Wahlkampfzelt errichtet. Darauf abgebildet ist das Parteilogo: ein Herz, dreigeteilt, in den Farben der katalanischen, spanischen und der EU-Fahne. Um 11.00 Uhr trifft der Star der Unabhängigkeitsgegner ein: Ciutadans-Spitzenkandidatin Ines Arrimadas. Sie ist sofort von zahlreichen Reportern und Kameraleuten umringt, in dem kleinen Wahlkampfzelt bekräftigt sie ihre Botschaft: „Gebt eure Stimme ab, wenn ihr weiter Katalanen und Europäer sein wollt, es gibt mehr was uns vereint als uns trennt.“

Ebenso wie bei den Ciutadans ist das Publikumsinteresse bei der Kundgebung der Parteigänger des nach Belgien geflüchteten abgesetzten katalanischen Regierungschefs Carles Puigdemont recht bescheiden. Ein paar Dutzend Kandidaten des separatistischen Wahlbündnisses Junts per Catalunya (Gemeinsam für Katalonien) haben sich vor dem Rathaus versammelt. Am Revers tragen sie gelbe Bänder, in Erinnerung an die „politischen Gefangenen“. Ein Mann, gehüllt in eine spanische Flagge, brüllt unterdessen mindestens 20 Mal: „Lasst sie uns nicht betrügen, Katalonien ist Spanien!“ Er wird nicht weiter beachtet.

Auf die Frage der APA, ob er trotz der Differenzen zwischen Junts per Catalunya und anderen separatistischen Parteien wie der ERC ein Zusammengehen für eine Koalitionsregierung für möglich hält, meint der Kandidat Jordi Llopart: „Wir hoffen, dass wir mit den Parteien, die für die Unabhängigkeit sind, darüber reden können.“ Bei der anschließenden Kundgebung auf der Placa del Rei (Königsplatz) lautet das Motto: „Puigdemont ist unser Präsident.“ Die Kandidaten betonen, dass sie für Frieden, Demokratie und Freiheit eintreten, gegen die „Tyrannei“ und für „höchstes Verantwortungsbewusstsein“. Der Regierung in Madrid werfen sie vor, sich einem Dialog über die Zukunft Kataloniens zu verweigern.

Während in den vergangenen Monaten zwischen Politikern, Bekannten, Freunden und sogar Familienmitgliedern oft erbittert, ja feindselig über die Unabhängigkeitsfrage diskutiert wurde, stand an den Universitäten Barcelonas zumeist eine andere Thematik im Vordergrund, zumindest wie es der Student Marcel der APA schildert. Bei den Diskussionen gehe es in der Regel um die Frage der demokratischen Rechte und ob es zulässig ist, ein Referendum zu verbieten, zumal die spanische Verfassung eine Volksabstimmung über die Abspaltung einer Region nicht zulässt.