Katalonien unter Franco - PP als Diktatur-Nachfolgerin?

Barcelona (APA) - Nach dem Ende des spanischen Bürgerkriegs (1936-39) fiel ganz Spanien unter das Joch der Diktatur von Francisco Franco (18...

Barcelona (APA) - Nach dem Ende des spanischen Bürgerkriegs (1936-39) fiel ganz Spanien unter das Joch der Diktatur von Francisco Franco (1892-1975). Dessen Ziel war die Schaffung eines einheitlichen Staates mit dem Spanischen als einziger offizieller Sprache, die Abschaffung der Demokratie und die Wiederherstellung der Macht der katholischen Kirche.

Die Autonomie, die Katalonien in der Zeit der Zweiten Republik (1931-39) - mit zeitweisen Einschränkungen - gewährt worden war, wurde abgeschafft. Wie im Rest Spaniens wurden bis auf die faschistische Falange alle Parteien verboten, ebenso alle nicht dem Regime genehmen Zeitungen.

Die seit Jahrhunderten in Katalonien gesprochene Sprache Katalanisch, die auch während der Autonomie Amtssprache war, wurde meist nur noch für den privaten Gebrauch geduldet. In der Verwaltung, den Medien, Schulen und Universitäten, in öffentlichen Kundmachungen und bei Kundgebungen war sie verboten.

Einhergehend mit den repressiven Maßnahmen des Regimes entwickelte sich in Katalonien aber auch ein regionaler Franquismus. Dieser begünstigte einen deutlichen wirtschaftlichen Aufschwung der Region, was jedoch zugleich einschneidende demografische Veränderungen bewirkte.

Zahlreiche Arbeitssuchende aus anderen Teilen Spaniens strömten nach Katalonien, wodurch vor allem in Barcelona und den Küstengebieten das kastilische Spanisch eine immer größere Verbreitung unter der Bevölkerung fand.

Die besiegten katalanischen Nationalisten wurden ihres Einflusses beraubt. Waren während des Bürgerkriegs bereits Tausende, die aufseiten der Republik gekämpft hatten, getötet worden, so kam es nach dem Sieg Francos zu Exekutionswellen. Auch der langjährige Präsident der katalanischen Regionalregierung (Generalitat), Lluis Companys, wurde 1940 nach einem Schnellverfahren hingerichtet.

Zahlreiche andere Katalanen wurden gezwungen, ins Exil zu gehen, viele kehrten nie zurück. Eine große Zahl derer, die geblieben waren, wurde ins Gefängnis gesteckt. Amtsträger oder Angehörige bestimmter Berufsgruppen wurden Opfer von „Säuberungen“. Sie konnten ihre bisherige Tätigkeit nicht mehr ausüben und wurden oft ins wirtschaftliche Elend getrieben.

Kleine Gruppen von Anarchisten und Kommunisten versuchten seit den 1940er-Jahren erfolglos, einen Guerilla-Krieg gegen die Franco-Diktatur zu entfesseln. Zahlreiche Intellektuelle widersetzten sich friedlich dem Regime und versuchten mit wechselndem Erfolg, der katalanischen Sprache wieder Geltung zu verschaffen.

Zwischen 1953 und 1963 setzte in ganz Spanien eine Repressionswelle ein, bei der das Regime mit willkürlichen Verhaftungen, Folterungen und Morden gegen seine Gegner vorging. In den folgenden Jahren gab es aber wachsenden Widerstand gegen die Diktatur, der vielfach von den Universitäten, aber auch von Künstlern ausging.

In den Jahren kurz vor Francos Tod wuchs der Widerstand in Katalonien erheblich. 1971 wurde die „Versammlung Kataloniens“ in einer Kirche in Barcelona konstituiert, als Plattform der antifranquistischen Kräfte der Region.

Nach der Ermordung von Francos Ministerpräsident Luis Carrero Blanco 1973 durch die baskische Terrororganisation ETA bäumte sich das Regime noch einmal auf und ließ eine Reihe von Gegnern hinrichten. Als einer der Letzten wurde 1974 der katalanische Antifaschist Salvador Puig Antich mit der Garrotte erwürgt.

Nach dem Tod Francos 1975 und der Ernennung von Juan Carlos I. zum König durch das franquistische Parlament wurde eine Amnestie erlassen. Zugleich wurde aber davon abgesehen, die Verantwortlichen für die Vorgänge nach 1939 zur Rechenschaft zu ziehen. Dies wurde von den Gegnern des Franco-Regimes scharf kritisiert. Bis heute sind der Bürgerkrieg in Spanien und die Diktatur mit hunderttausenden Toten nicht aufgearbeitet.

Nach der Wiederherstellung der Demokratie in Spanien, die auch ein neues Autonomiestatut für Katalonien und die anderen Regionen des Landes brachte, wurde die Volkspartei (PP) - neben den Sozialisten (PSOE) - zu einer der dominierenden Kräfte. Nicht nur in Katalonien wird darauf verwiesen, dass die Wurzeln der PP des derzeitigen Ministerpräsidenten Mariano Rajoy in der Diktatur liegen.

Die PP wurde durch den ehemaligen Franco-Minister Manuel Fraga gegründet, der bis zu seinem Tod 2012 ihr Ehrenpräsident war. In der Partei sind noch heute Kinder und andere Verwandte früherer Funktionäre der Diktatur vertreten.

Kritische Beobachter sehen darin eine Erklärung dafür, dass es in Spanien keine namhafte rechtsextreme Partei gibt. Sie meinen, dass ein nicht unwesentlicher Teil derer, die sich dem Erbe Francos verbunden fühlen, in der PP eine Heimstatt gefunden hat. Für katalanische Nationalisten ist das Vorgehen Rajoys gegen die Regionalregierung in Barcelona ein weiterer Beweis dafür.