Bezirk Kufstein

Aufnahmestopp in Kufsteiner Pflegheimen sorgt für Aufregung

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In den Kufsteiner Pflegeheimen bleiben wegen des Personalmangels die Betten leer. Die Auswirkungen des Aufnahmestopps sind bis in das Bezirkskrankenhaus Kufstein zu spüren und sorgen für heftige Kritik.

Von Wolfgang Otter

Kufstein, Schwoich, Thiersee –Es war ein radikaler Stopp, den der Kufsteiner Stadtrat beschlossen hat. In den beiden städtischen Pflegeheimen gibt es derzeit keine Neuaufnahmen mehr. Ein Beschluss, der Auswirkungen auf das Bezirkskrankenhaus hat und über die Grenzen der Stadt hinaus Wirkung zeigt. Schwoichs Bürgermeister Josef Dillersberger spricht sogar von einer „modernen Herbergssuche“, die damit ausgelöst worden sei. Betroffen ist unter anderem eine betagte Schwoicherin, die dringend einen Pflegeplatz benötigt. Eigentlich hätten die Schwoicher dazu in den Kufsteiner Pflegeheimen Betten angekauft. „Und drei davon wären sogar frei“, sagt Dillersberger, der das Problem auch in der jüngsten Gemeinderatssitzung ansprach. Da man die Frau nun nicht in Kufstein unterbringen könne, müsse man mit Familie, Sozialsprengel und Nachbarn die Pflege organisieren. Dabei stoße man zunehmend an die Grenzen.

Auch in Thiersee steht eine Familie vor einem großen Problem. Zwar hat sich auch hier die Gemeinde, wie Schwoich, in eines der Kufsteiner Heime eingekauft und an und für sich wäre ein Bett frei, aber es wird genauso wenig nachbelegt. „Derzeit haben wir die betreffende Frau in einem anderen Heim untergebracht, aber zwischen Weihnachten und Neujahr muss sie es verlassen. Wir wissen nicht, wie es weitergeht“, schildert Bürgermeister Johannes Juffinger das Problem.

Hintergrund des Aufsehen erregenden Beschlusses der Kufsteiner Stadtregierung sind ein gravierender Personalmangel, der eine überbordende Anzahl an Überstunden verursachte, aber auch die gesetzlichen Vorgaben. Um diese Mehrleistungen des Personals abzubauen, sind mehr als zehn der rund 178 Betten in den beiden Kufsteiner Heimen frei. Und werden es bleiben, „bis wir in der Lage sind, die gesetzlichen Vorgaben einzuhalten“, sagt Kufsteins Bürgermeister Martin Krumschnabel. Bis zu neun zusätzliche Vollzeitmitarbeiter/-innen benötige man zu den 105 derzeit beschäftigten Teil- und Vollzeitpflegekräften für die komplette Belegung, wie zu erfahren ist. „Dabei geht es auch um Haftungsfragen, wenn wir nicht die gesetzliche Anzahl an Pflegekräften bereitstellen können“, sagt Krumschnabel. Man versuche Personal zu finden, aber der Stadtchef sieht einen gravierenden Mitarbeiternotstand auf die Heime zukommen, „und das ist nicht ein Kufsteiner Problem, sondern ein österreichweites“. Er vermisse bundesweite Maßnahmen, um der Situation gegenzusteuern.

Im Krankenhausverband diskutiert man zusätzliche Ausbildungsinitiativen, aber auch die Auswirkungen des Beschlusses. „Bei uns müssten eigentlich vier bis fünf Patienten in das Kufsteiner Heim übersiedeln. Derzeit belegen diese Akutbetten im Krankenhaus, benötigen aber Pflege. Wir können natürlich diese Menschen nicht einfach hinauswerfen“, erklärt Krankenhaus-Verbandsobmann Rudolf Puecher, Bürgermeister von Brixlegg. Er habe zwar Verständnis für Kufstein, aber das Problem hätte auch Brixlegg bereits lösen müssen.

Das Ganze habe auch einen finanziellen Hintergrund: Die Pflege werde laut Puecher nicht bezahlt, „das müssen nun alle Verbandsgemeinden tragen“.

„Wir verlieren auch Geld, jedes leere Bett kostet uns rund 3000 Euro im Monat, außerdem zahlen wir auch im Verband mit“, verweist BM Krumschnabel darauf, dass es nicht um ein Sparprogramm gehe. BM Dillersberger zieht auf alle Fälle eine bittere Bilanz: „Alte Leute haben keine Lobby. Wenn ich in einem Kindergarten einen Aufnahmestopp verhänge, obwohl ich Plätze zur Verfügung habe, würden die Eltern das Amt stürmen.“

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