Neue Bücher - Ingeborg Bachmann im biografischen Mosaik

Wien (APA) - Ina Hartwig beleuchtet Ingeborg Bachmann im biografischen Mosaik...

Wien (APA) - Ina Hartwig beleuchtet Ingeborg Bachmann im biografischen Mosaik

Eine etwas andere Biografie von Ingeborg Bachmann, oder eher einen Zeitzeugenbericht von deren Recherche, legt Ina Hartwig mit „Wer war Ingeborg Bachmann?“ vor. Der Untertitel „Biografie in Bruchstücken“ ist dennoch ein Understatement: Die einzelnen Kapitel sind tiefe Tauchgänge in den rätselhaften Kosmos Bachmann, Hartwig berichtet von zahlreichen Gesprächen mit Persönlichkeiten - von Enzensberger bis Kissinger - die sie nicht nur zitiert, sondern weiträumig einordnet, von Besuchen an Originalschauplätzen, von Funden in Brief-Archiven, aber auch von hochgezogenen Mauern des Schweigens. Hartwig, langjährige Kulturjournalistin und seit 2016 Kulturdezernentin der Stadt Frankfurt, verzichtet auf ein abgerundetes Ganzes - und erschafft ein ebenso sachkundiges wie spannendes Mosaik, das auch für Bachmann-Kenner zahlreiche neue Aspekte beinhaltet. (Ina Hartwig: „Wer war Ingeborg Bachmann?“, S. Fischer, 320 Seiten, 22,70 Euro. ISBN 978-3-10-002303-2)

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Cyrill Stieger besucht „Vergessene Minderheiten auf dem Balkan“

In keiner anderen Region Europas gibt es so viele verschiedene Minderheiten mit spezifischen sprachlichen, konfessionellen und ethnischen Eigenheiten wie auf dem Balkan. Der Schweizer Slawist und langjährige NZZ-Journalist Cyrill Stieger hat seine Besuche bei diesen fast vergessenen Volksgruppen nun in Buchform gepackt. „Wir wissen nicht mehr, wer wir sind“ ist ein eindringliches, historisch detailreich aufgeschlüsseltes, im Lokalaugenschein aber etwas nüchternes Plädoyer für den Erhalt von kultureller Vielfalt. Gerade auf dem Balkan, mit seinen ebenso umkämpften wie beharrlichen nationalen Zugehörigkeiten, sind es die Minderheiten, etwa die muslimischen Pomaken, Torbeschen oder Goraner, die sich als „fluide nationale Identitäten“ verstünden und damit „moderner und europäischer“ seien, als alle diejenigen, die sie auch zum Preis der Aufgabe ihrer kulturellen Praktiken in ein nationalstaatliches Korsett assimilieren wollen. (Cyrill Stieger: „Wir wissen nicht mehr, wer wir sind. Vergessene Minderheiten auf dem Balkan“, Zsolnay Verlag, 285 Seiten, 23,70 Euro. ISBN: 978-3-552-05860-6)

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Pianistin Mona Golabek erzählt von der Flucht ihrer Mutter aus Wien

Im Londoner Heim für geflüchtete jüdische Kinder war sie bekannt als „Die Pianistin von Wien“. Lisa Jura gilt als musikalisches Wunderkind, als sie ihre von den Nazis besetzte Heimat Wien im Alter von 14 Jahren auf einem Kindertransport verlässt. Den Traum einer Karriere als Konzertpianistin muss sie sich gegen alle Wahrscheinlichkeiten erkämpfen. Ihre Geschichte in anrührender Romanform erzählt nun ihre Tochter, die US-Pianistin Mona Golabek gemeinsam mit dem Journalisten Lee Cohen. Der Roman, im Original „The Children of Willesden Lane“, wurde in den USA bereits 2003 gefeiert, die BBC strahlt 2018 den Spielfilm zum Buch aus - nun ist die Geschichte, die auf den ersten etwa vierzig Seiten in Wien spielt, erstmals auf Deutsch erschienen. Sie handelt von Flucht und Heimweh, vor allem aber von Trost und Hoffnung - wie sie die Musik nicht nur Lisa Jura, sondern auch ihren Freunden im Kinderheim spendet - und von der Durchsetzungskraft einer ungewöhnlichen jungen Frau. (Mona Golabek und Lee Cohen: „Die Pianistin von Wien“, Amalthea Verlag, 252 Seiten, 25 Euro, ISBN: 978-3-9905009-0-3)