Ines Arrimadas - Hoffnungsträgerin der Unabhängigkeitsgegner
Barcelona/Madrid (APA) - Ines Arrimadas hat bereits vor Minuten das orangefarbene Wahlmeeting-Zelt vor der Universität von Barcelona verlass...
Barcelona/Madrid (APA) - Ines Arrimadas hat bereits vor Minuten das orangefarbene Wahlmeeting-Zelt vor der Universität von Barcelona verlassen. Doch die Sprechchöre „Presidenta, Presidenta“ hallen immer noch durch den Raum. Die junge Spitzenkandidatin der liberal-konservativen Ciudadanos-Partei gilt als größte Hoffnung für die Unabhängigkeitsgegner bei den Regionalwahlen am Donnerstag in Katalonien.
Arrimadas verspricht, die Firmen zurückzuholen, die wegen des Unabhängigkeitsprozesses Katalonien verlassen haben und in andere spanische Regionen abgewandert sind. Sie wirbt damit, mit einer Verfassungsreform Spanien föderaler und damit auch für die Unabhängigkeitsbefürworter wieder attraktiver zu machen. In vielen Umfragen gelten ihre liberalen Ciudadanos gleichauf mit den separatistischen Linksrepublikanern sogar als Favoriten beim Urnengang.
„Illusion“ und „Alptraum“. Das waren die vielleicht am häufigsten von Arrimadas verwendeten Worte während der gesamten Wahlkampagne zu den katalanischen Regionalwahlen. „Die Separatisten haben uns Katalanen gespalten, ganz Katalonien in den wirtschaftlichen und politischen Ruin getrieben. Dieser Alptraum muss endlich beendet werden“, sagt die liberale „Ciudadanos“-Politikerin auch im Gespräch mit der APA.
Arrimadas ist der neue Politikstar in Katalonien. Dabei war die heute 36-Jährige bis vor vier Jahren noch kaum jemandem bekannt. Erst im Oktober 2010 stieß die wortgewandte Juristin zur noch jungen anti-separatistischen Ciudadanos-Partei. Der damalige Parteigründer und Shootingstar der spanischen Politik, Albert Rivera, sah ihr Potenzial sofort und gewann die smarte, attraktive Anwältin für seine Partei. Und sie schlug ein wie eine Bombe. Bereits zwei Jahre später gewann sie mit nur 31 Jahren einen Sitz im katalanischen Parlament. 2015 wurde sie sogar Oppositionsführerin.
Wegen ihrer äußeren Erscheinung wird Arrimadas oft mit Audrey Hepburn verglichen. Doch die Politikerin ist vor allem rednerisch außerordentlich talentiert. Mit ihren politischen Gegnern geht sie hart ins Gericht. „Sie hat die separatistische Regionalregierung vielleicht am heftigsten von allen Unionsparteien attackiert und in die Mangel genommen. Dafür hat sie bei den konservativen Wählern Respekt gewonnen und die konservative Volkspartei ganz nebenbei in der Gunst potenzieller Wähler überholt“, versichert auch Miquel Molina, stellvertretender Chefredakteur der katalanischen Tageszeitung „La Vanguardia“.
Sie nimmt kein Blatt vor den Mund, wenn es darum geht, die politischen Kontrahenten zu kritisieren. Kurz bevor das Regionalparlament in Barcelona Mitte Oktober mit der separatistischen Mehrheit die Unabhängigkeit Kataloniens beschloss, trat sie im Regionalparlament in Barcelona entschlossen, nahezu wütend ans Rednerpult. „Das ist der größte Angriff auf die Demokratie. Sie beleidigen die Generationen unserer Großväter und Väter, die mit Blut, Schweiß und Tränen für ein demokratisches Spanien und für eine Versöhnung der Bürger gekämpft haben“, schmetterte sie den Separatisten entgegen. Nach ihren flammenden Worten verließ Arrimadas erhobenen Hauptes gefolgt von ihrer Fraktion aus Protest das Parlament.
Arrimadas mag zierlich wirken. Doch ihr Temperament und ihre Durchsetzungskraft sind umso größer. Eigentlich ist sie gar keine gebürtige Katalanin. Sie wuchs im südspanischen Jerez de la Frontera als jüngste Tochter einer siebenköpfigen Familie auf. Erst als sie 14 Jahre alt war, zogen ihre Eltern nach Barcelona. Schnell lernte Arrimadas Katalanisch, was sie heute perfekt und akzentfrei spricht. Sie wurde sogar zum FC Barcelona-Fan, was ihrem Vater, einem bekennenden Real Madrid-Anhänger, nicht gefallen haben dürfte.
„Ich zeichne mich dadurch aus, mit allen sprechen zu können und bin wahrscheinlich die einzige, die nach den Wahlen verschiedene Lager vereinen kann“, versichert die Andalusierin. Sie bezeichnet sich als offen, umgänglich und dialogbereit. „Und ich werde die Ministerpräsidentin aller Katalanen sein und nicht wie Carles Puigdemont nur für einen Teil der Katalanen regieren“, verspricht Arrimadas im APA-Gespräch. Was Arrimadas sagt, lebt sie auch vor. Es sind keine leeren Worthülsen. Erst im vergangenen Jahr heiratete sie Xavier Cima, einen separatistischen Abgeordneten.