Skispringen

Stams-Trainingsgruppe trägt Früchte: “Gregor ist einer von uns“

Unter der aufmerksamen Beobachtung von Trainer Christoph Strickner und Gregor Schlierenzauer (stehend, von links) absolviert Mika Schwann seine Übungen im Krafttrainingsraum in Stams.
© Michael Kristen

Keine Sonderstellung, ein Gemeinschaftsmitglied: In seiner Trainingsgruppe im Schigymnasium Stams bringt sich Skisprung-Ass Gregor Schlierenzauer voll ein. Es ist ein Geben und Nehmen, das beiden Seiten weiterhilft.

Von Susann Frank

Stams –Aufmerksam beobachtet Gregor Schlierenzauer die Übungen seines jungen Trainingskollegen. Mit der Hantel auf der Schulter absolviert der Stams-Schüler Mika Schwann eine Sprung­serie in der Kraftkammer des Schigymnasiums. „Das war doch gut“, sagt Rekord-Weltcupsieger halb fragend in Richtung Christoph Strickner. Der Skisprung-Trainer schweigt eine Sekunde zu lang, sodass Schlierenzauer amüsiert einwirft: „Wenn er nichts sagt, war es gut.“

Alle lachen auf. Auch die weiteren Trainingskollegen Clemens Leitner, Max Schmalnauer und Philipp Haagen. Schlierenzauer plaudert aus dem Erfahrungs-Nähkästchen mit Strickner. Seit seiner Krise und der Verletzung 2016 hilft ihm der Stams-Trainer auf die Sprünge. Strickner betreut im Schigymnasium den Nachwuchs. Seit dem Schuljahr 2017/18 die Lehrgang-Ältesten, damit der Leistungsunterschied zwischen Schlierenzauer und den Schülern etwas geringer wird. Im Schuljahr davor waren es Jüngere.

„Mit Gregor rennt der Schmäh. Er heitert auch mal die ganz harten Trainingseinheiten auf und beim gemeinsamen Essen haben wir es immer lustig“, betont Schwann nach Beendigung seiner Trainingseinheit. Zu Beginn des Schuljahres hätten sie sich dem prominenten Gruppen-Neuzugang erst einmal vorsichtig genähert, aber schnell festgestellt: „Dass Gregor viel offener ist, als wir es uns vorgestellt haben. Es ist nicht ‚der Gregor und wir‘. Er ist einer von uns. Wir sind eine gemeinsame Gruppe“, betont der Milser Leitner und alle nicken zustimmend.

Davon würden alle profitieren. Das Nachwuchs-Quartett (Jahrgang 98/99), weil es tolle Tipps erhält: beim Krafttraining, beim gemeinsamen Sprungtraining – wie gestern in Garmisch-Partenkirchen – und auch bei Problemen. „Ich bin im Oktober am Meniskus operiert worden. Das Knie war lange geschwollen. Nach Gregors guten Erfahrungen mit Punktationen habe ich mich auch punktieren lassen“, erinnert sich Leitner.

Alle für einen, einer für alle: Stams-Trainingsgruppe Philipp Haagen, Clemens Leitner, Max Schmalnauer, Mika Schwann und Schlierenzauer (v. l.).
© Michael Kristen

Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten: Vergangenes Wochenende beim Alpencup (4. Liga) in Seefeld feierte Leitner bei seinem Wettkampfauftakt einen Sieg und einen zweiten Platz. „Das liegt auch an Gregor, das gemeinsame Training mit ihm trägt Früchte“, sagt Schwann, der zur gleichen Zeit Fünfter und Siebter beim FIS-Cup (3. Liga) in ­Notodden (NOR) wurde. „Weil er auch immer 100 Prozent in jedem Training gibt.“

Schlierenzauer selbst profitiert seinerseits von der erfrischenden, unverbrauchten Herangehensweise seiner jungen Kollegen. „Sie sind so motiviert und haben keine Erfahrung mit dem Weltcup und mir. Das hilft, neutraler an die Sache heranzugehen, und das ist auch sehr wichtig, um sich weiterzuentwickeln“, betont der 27-Jährige.

Egal wie es ihm geht, hier fühlt sich der ehemalige Stams-Schüler geborgen: „Es ist ein Platz, der mich von klein auf geprägt hat. Das tut mir gut.“ Hier kann er ohne Vorbehalte herkommen. Wenn es wie vergangenes Wochenende beim Weltcup in Engelberg (SUI) nur in der Qualifikation und noch nicht im Wettkampf gut lief, sind ihm aufmunternde Worte sicher.

„Gregor weiß aber auch immer, wie es uns in den Wettkämpfen ging, schreibt uns Nachrichten und hat ein Ohr für uns“, lobt der zurückhaltende Haagen das sportliche Vorbild. Das sei eine starke Wertschätzung, schließlich handle es sich um ganz andere Wettkämpfe. Für Schlierenzauer steht mit der Vierschanzentournee der erste Saisonhöhepunkt in der Olympia-Saison an; ihr Highlight ist die Junioren-WM Ende Jänner in Kandersteg (SUI). Doch egal, wie es bis dahin sportlich für den Nachwuchs läuft, sie profitieren auch menschlich von dem neun Jahre älteren Trainingskollegen. Haagen: „Durch seine Lebenserfahrung hilft uns Gregor auch im Privatleben.“