18-Jähriger wegen terroristischer Vereinigung in Salzburg vor Gericht
Salzburg (APA) - Ein 18-jähriger Pakistani ist am Mittwoch wegen Beteiligung an einer terroristischen Vereinigung vor einem Schöffengericht ...
Salzburg (APA) - Ein 18-jähriger Pakistani ist am Mittwoch wegen Beteiligung an einer terroristischen Vereinigung vor einem Schöffengericht in Salzburg gestanden. Der Asylwerber soll sich 2014 freiwillig der Terror-Organisation „Tehrik-i-Taliban“ (TTP) angeschlossen und zumindest einen Monat lang in einem Trainingscamp den Gebrauch von Schusswaffen und „Bombenwesten“ geübt haben. Er beteuerte seine Unschuld.
Laut Anklage wird „Tehrik-i-Taliban“ von den Vereinten Nationen als terroristische Organisation eingestuft. Die Bewegung der pakistanischen Taliban hat ihre Basis im Norden Pakistans an der Grenze zu Afghanistan, die Splittergruppe setze sich auch für einen weltweiten Jihad ein, sagte der Staatsanwalt. Der beschuldigte Pakistani habe vor der österreichischen Fremdenbehörde im Asylverfahren selbst angegeben, dass er, als er als 15 Jahre alt und Koranschüler in seinem Heimatdorf gewesen sei, freiwillig das Trainingscamp besucht habe. Erst in einer späteren Aussage habe der Beschuldigte erklärt, er sei dazu gezwungen worden, erläuterte der Staatsanwalt.
Die Angaben, wonach er freiwillig an dem Training mitgemacht hätte, beruhten wohl auf Übersetzungsfehler des Dolmetschers, meinte der Pakistani. Er sei zur Teilnahme genötigt worden. Eines Morgens seien Männer in die Moschee gekommen, hätten ihn und drei weitere Burschen gefesselt und in ein Auto gesetzt. Er habe nicht gewusst, dass der Koranlehrer, der auch der Imam in der Moschee gewesen sei, mit diesen Personen kooperierte, die ihn verschleppt hätten.
„Sie hatten Waffen in der Hand und wollten, dass ich mit ihnen zusammenarbeite. Doch ich wollte das nicht, weil ich der einzige Sohn meiner Eltern bin. Ich hatte große Angst“, schilderte der zierliche Angeklagte. Er habe versucht zu flüchten, sei aber erwischt und 15 Tage lang an einem Baum gefesselt worden. „Ich habe so gut wie nichts zu essen bekommen.“ Die folgenden rund zehn Tage habe er meistens Geschirr abgewaschen. „Ich habe sehr viel geweint, ich war sehr jung.“ Auch beim Prozess kamen ihm die Tränen.
Schließlich habe er das Camp nahe der Stadt Lahore verlassen und zu seinen Eltern nach Hause dürfen, erzählte der Pakistani. Allerdings hätten ihn die Männer wieder zurückholen wollen. Doch er habe zunächst Zuflucht bei einem Onkel im Nachbardorf gefunden und sich dann in Islamabad, Lahore und Karatschi aufgehalten. Als er gemerkt habe, die Taliban würden ihn suchen, flüchtete er nach Europa. Die 6.000 Dollar für den Schlepper und umgerechnet 300 Euro Taschengeld hätten seine Eltern zur Verfügung gestellt.
Im Jahr 2016 kam der Bursch nach Österreich, wo er um Asyl ansuchte. Mittlerweile hat er einen negativen Bescheid in Händen, „dagegen habe ich berufen.“ Vor seiner Verhaftung habe er Zeitungen verkauft, „auch hier im Gericht“, sagte der Beschuldigte. „Das Beweisverfahren wird zeigen, dass der Angeklagte freizusprechen ist“, erklärte seine Verteidigerin. Ob noch heute ein Urteil gesprochen wird, war zunächst unklar.