Wirtschaftspolitik

Regierung will Hanfanbau verbieten

Symbolbild.
© dpa

Die neue Bundesregierung will den Verkauf von Hanfsamen und Hanfpflanzen verbieten.

Wien, Innsbruck –Der von Toni Polster trainierte Viertligist SC Wiener Viktoria könnte demnächst seinen Hauptsponsor verlieren – und schuld daran wäre die neue Regierung. Die will nämlich, wie im Regierungsprogramm angekündigt, ein Verkaufsverbot für Hanfsamen und Hanfpflanzen. Und Viktorias Sponsor ist ein „Growshop“, also ein Produzent von Hanfstecklingen.

Derzeit dürfen Hanfpflanzen verkauft werden, solange die Konzentration der psychoaktiven Substanz THC die 0,2-Prozent-Marke nicht überschreitet. Auch in Tirol gibt es etliche solcher Anbieter. „Für uns wäre ein Verbot das Aus“, erklärt Paul Pilgermair von „Medical Clones“. Die Gärtnerei in Baumkirchen ist eine von vier in Tirol, die Hanfstecklinge verkauft. „Unsere Kunden sind nicht kiffende Jugendliche, sondern Menschen zwischen 30 und 90, für die es um medizinische Anwendungen geht“, betont Pilgermair. Für ihn wäre ein solches Verbot generell widersinnig: „Zuerst einmal drängt man damit Menschen in die Illegalität und zum anderen kann ich zum Beispiel Samen in Portugal bestellen.“ Damit stehe das EU-Recht über dem „nationalen Alleingang“. Und der Markt ist riesig. So sprach Toni Straka vom Österreichischen Hanf Verband Ende 2015 von bis zu 250.000 verkauften Stecklingen im Monat. Das entspreche einem Jahresumsatz von mehr als 40 Millionen Euro. Hinzu kommt das Geschäft mit dem „Zubehör, das die zwischen 10 und 20 Euro teuren Pflänzchen benötigen.

Betroffen von dem Verbot wären eventuell auch Bauern. So pflanzen seit letztem Jahr drei Osttiroler Bauern in größerem Stil Hanf an. Der Großteil der Ernte wird verkauft und mit dem Rest werden Öle, Tee, Brot, Müsli und Seife hergestellt, die im Hofladen verkauft werden.

Inwieweit Läden betroffen sind, die neben Hanf-Seifen, Ölen usw. auch Stecklinge und „Zubehör“ anbieten, ist nicht klar. Auf Anfrage der TT erklärt die Wirtschaftskammer: „Aus Sicht des Handels gibt es keinen nachvollziehbaren Grund dafür, warum man Produkte, die seit langer Zeit legal im Handel verkauft werden dürfen, nunmehr verbieten will.“ Es gebe einige Unternehmer, die diese Produkte anbieten, und es sei nicht notwendig, dass man denen nun das Sortiment wegnehmen bzw. einschränken will. Auch die Trafikanten hätten einen Antrag gestellt, dass legale Hanfprodukte in den Trafiken verkauft werden dürfen, so die WK. (hu)

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