US-Steuerreform - Vitaminspritze für Unternehmensgewinne

New York/Washington (APA/Reuters) - Die historische Steuerreform von US-Präsident Donald Trump macht Optimisten an der Wall Street für das n...

New York/Washington (APA/Reuters) - Die historische Steuerreform von US-Präsident Donald Trump macht Optimisten an der Wall Street für das nächste Jahr noch optimistischer. Reihenweise schrauben Aktienstrategen derzeit ihre Vorhersagen für die Gewinne der börsennotierten Unternehmen nach oben.

Mit der Senkung der Unternehmenssteuer zum Jahreswechsel von 35 auf 21 Prozent macht Trump den US-Konzernen ein Weihnachtsgeschenk, das die Gewinne noch mehr sprudeln lässt, als sie es wegen der anziehenden Konjunktur eh schon tun. Experten, die vor der Reform mit einem einstelligen Gewinnplus bei US-Konzernen 2018 gerechnet haben, gehen nun oft von zweistelligen Zuwachsraten aus. „Das wird die Gewinnzahlen nach oben treiben, die Steuer wird alles überstrahlen“, ist Credit Suisse-Stratege Jonathan Golub überzeugt.

Die brummende US-Konjunktur, die weltweit angezogene Nachfrage und das niedrige Zinsniveau lassen viele US-Konzerne bereits auf höhere Ergebnisse bauen. Die Steuersenkung wirkt nun wie eine zusätzliche Vitaminspritze. Analysten rechnen im nächsten Jahr mit einem zusätzlichen Gewinnplus von sieben bis zu rund zehn Prozent. Die Experten von UBS erwarten, dass allein die Steuerreform den Gewinn je Aktie bei den im Börsenindex S&P 500 notierten Unternehmen um 9,1 Prozent steigen lässt. Zum Teil basieren die Prognosen aber auf einem früheren Gesetzesentwurf, der eine Senkung der Unternehmenssteuern auf 20 Prozent vorsah. Am Mittwoch genehmigte der US-Senat Trumps Prestigeprojekt, das Repräsentantenhaus muss seine Abstimmung wegen Formfehlern wiederholen. Eine Zustimmung gilt aber als sicher.

Offen sei, wie lange der positive Effekt auf die Gewinne anhalten werde, betonten die Experten. „Wir müssen uns fragen, wieviel Gewinn wirklich auf langfristige Sicht unter dem Strich ankommt“, sagt etwa US-Aktienstrategin Savita Subramanian von der Bank of America-Merrill Lynch. Sie rechnet damit, dass Konzerne das durch die Reform eingesparte Geld vor allem in kurzfristige Aktionen stecken. Einzelhändler, denen Internet-Rivale Amazon zusetzt, könnten etwa ihre Werbeaktionen hochfahren. Oder die Konzerne lassen den Geldsegen ihren Aktionären zu kommen, indem sie die Dividende erhöhen oder eigene Aktien zurückkaufen. Eine ganze Reihe von US-Unternehmen hat solche Schritte bereits angekündigt, darunter Boeing, Oracle oder Pfizer. „Die Steuerkürzungen geben den Firmen mehr Raum für Dividendenerhöhungen, Aktienrückkäufe und Einstellungen“, sagt Bucky Hellwig von BB&T Wealth Management. Die Auswirkungen seien schwer einzuschätzen.

Auch wenn die Folgen auf lange Sicht noch unklar sind, ist die US-Steuerreform voraussichtlich der größte Gewinntreiber im kommenden Jahr. Und die Unternehmen beginnen, sie in ihre Prognosen miteinzubeziehen. Am Dienstag teilte der US-Paketdienst FedEx mit, die Vorhersagen für nächstes Jahr könnten durch die Steuerreform noch verbessert werden. Deutsche Unternehmen schielen bereits neidisch über den Atlantik. Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) mahnte am Mittwoch postwendend an, die Steuerreform mache die USA zum Niedrigsteuerland. Jede neue künftige Bundesregierung müsse sich deshalb dem Steuerwettbewerb stellen und eine Reform des Außensteuerrechts anpacken.