Habsburger waren Hoffnungsträger der Katalanen
Barcelona (APA) - Die Katalanen haben sich im Kampf um ihre Autonomie während des Spanischen Erbfolgekrieges (1701-1714) auf die Seite des H...
Barcelona (APA) - Die Katalanen haben sich im Kampf um ihre Autonomie während des Spanischen Erbfolgekrieges (1701-1714) auf die Seite des Habsburgers Karl (III.) geschlagen, der als Karl VI. römisch-deutscher Kaiser und Vater Maria Theresias werden sollte.
Doch mit dem Sieg des Bourbonen Philipp V., der am 11. September 1714 Barcelona eroberte, endete die Freiheit der Katalanen. Seit nunmehr 1976 wird dieser Tag jedes Jahr in Katalonien als „Nationaltag“ (Diada Nacional de Catalunya) begangen.
Unter Kaiser Karl V. stieg Spanien im 16. Jahrhundert zu einem Teil des Habsburgerreiches auf, „in dem die Sonne nie unterging“. Sein Sohn Philipp II. baute den Kolonialbesitz weiter aus. Zugleich garantierten die Habsburger die Eigenständigkeiten der beiden Entitäten des spanischen Königreichs: Kastilien und Aragon, zu dem auch Katalonien gehörte.
Die Habsburger hatten dieses Reich geerbt, das auf die Heirat von Isabella von Kastilien und Ferdinand von Aragon 1469 zurückging. Erbin der „Katholischen Könige“ war Johanna (die Wahnsinnige), die mit dem Habsburger Philipp I. (dem Schönen) vermählt wurde. Nach dessen frühem Tod erbte sein Sohn Karl (als Carlos I.), der später auch römisch-deutscher Kaiser wurde, 1516 Spanien. Von da an regierte dort der spanische Zweig der Herrscherfamilie („Casa de Austria“).
Durch zahlreiche Verwandtenehen mit der österreichischen Linie kam es vermehrt zu Krankheitsfällen und Missbildungen der Kinder der spanischen Habsburger. Der letzte war Karl II., ein kränklicher Herrscher, der im Jahr 1700 ohne Nachfolger starb. Unter dem Druck Frankreichs ernannte er Philippe von Anjou, einen Enkel des „Sonnenkönigs“ Ludwig XIV., zu seinem Nachfolger.
Diesen Machtzuwachs der in Frankreich herrschenden Bourbonen wollten nicht nur die Österreicher verhindern. Auch die Niederlande und England sowie die Mehrheit der deutschen Staaten wollten dies nicht akzeptieren. Sie verbündeten sich mit den Habsburgern. Kaiser Josef I. wollte seinen Bruder als Karl III. zum spanischen König machen. Es kam zum Spanischen Erbfolgekrieg, der sich bis nach Amerika erstreckte und in Europa 1,25 Millionen Menschenleben kostete, eine halbe Million allein in Frankreich.
Als Philipp V. versuchte, den französischen Zentralismus auch in Spanien einzuführen, stellten sich die Katalanen auf die Seite des Habsburgers. Dieser war bereit, die Rechtsordnung von Aragon und damit die Eigenständigkeit Kataloniens zu wahren. Sie vertrieben den Statthalter Philipps aus Barcelona. Karl III. konnte sogar in Madrid einziehen und Ludwig XIV. schien das Interesse an Spanien zu verlieren.
Doch dann starb 1711 Kaiser Josef I. und Karl wurde zu dessen Nachfolger auf dem Thron. Er musste sich nun mehr auf die Angelegenheiten im „Heiligen Römischen Reich“ konzentrieren. Zudem hätte eine Übernahme der spanischen Krone durch Karl den Habsburgern wieder einen gewaltigen Machtzuwachs beschert, was von vielen europäischen Herrschern mit Argwohn betrachtet wurde.
Es kam schließlich auch zum Abfall der mit den Habsburgern verbündeten Engländer. Damit büßten die Habsburger ihre strategischen Vorteile ein. Die Engländer handelten mit den Franzosen einen Pakt aus. Der Konflikt wurde schließlich mit dem Vertrag von Utrecht 1713 beendet, der England unter anderem die spanische Besitzung Gibraltar sicherte. Das Haus Österreich konnte seine Besitztümer ebenfalls vermehren.
Die Katalanen jedoch wehrten sich weiter gegen die Bourbonenherrschaft. Philipp V. ließ Barcelona 14 Monate lang belagern, bis es sich schließlich 1714 der Übermacht ergeben musste.
Erst in der Zweiten Spanischen Republik wurde Katalonien 1931 eine provisorische Autonomie gewährt, die von 1934 bis 1936 suspendiert war und mit dem Sieg Francisco Francos im Spanischen Bürgerkrieg 1939 aufgehoben wurde. Unter Franco wurde die katalanische Sprache für den offiziellen Gebrauch verboten. Erst nach dem Tod des Diktators 1975 änderte sich die Lage. 1979 erhielt Katalonien wieder ein Autonomiestatut. Seither haben die Rufe nach völliger Unabhängigkeit von Spanien zugenommen.