Stefan Herheim: Neuling als Intendant, Routinier als Regisseur

Wien (APA) - Im Metier der Intendanten mag Stefan Herheim als künftiger Chef des Theaters an der Wien ein Neuling sein - aber einer mit Erfa...

Wien (APA) - Im Metier der Intendanten mag Stefan Herheim als künftiger Chef des Theaters an der Wien ein Neuling sein - aber einer mit Erfahrung. Schließlich ist der gefeierte Opernregisseur im Gegensatz zu vielen seiner Kollegen ausgebildeter Musiker. So kann der Norweger auf eine Ausbildung als Cellist zurückblicken.

Geboren am 13. März 1970 in der Hauptstadt Oslo als Sohn einer deutschen Mutter und eines norwegischen Vaters, war der junge Herheim zunächst am Opernhaus und der Opernhochschule seiner Heimatstadt tätig, bevor er mit seinem eigenen Marionettentheater sein erstes Erfolgsprojekt startete. Mit der Puppencompagnie unternahm er viele Gastspielreisen, ehe er 1994 in Hamburg sein Studium der Musiktheaterregie bei Götz Friedrich antrat. Dies schloss Herheim mit seiner Inszenierung der „Zauberflöte“ 1999 ab - und erarbeitete sich fortan in Rekordzeit den Ruf als einer der gefragtesten Regisseure seiner Generation.

Nicht zuletzt ist Österreich dabei eines der zentralen Arbeitsfelder für den Musiktheatermacher, dessen polarisierende Deutungen von Barock bis zum zeitgenössischen Repertoire Freund und Feind selten kalt lassen. So inszenierte der Wahlberliner in der gesamten Republik. Bei den Salzburger Festspielen brachte er etwa 2003 Mozarts „Die Entführung aus dem Serail“ heraus - sein erster großer internationaler Erfolg. 2013 folgte an der Salzach eine auf Miniaturwelt geschrumpfte „Meistersinger“-Inszenierung. In Linz legte er 2001 Wagners „Tannhäuser“ oder 2003 Verdis „Don Carlos“ vor, in Graz 2006 die „Carmen“ und 2012 die „Manon Lescaut“, an der Wiener Volksoper 2004 die „Madama Butterfly“. Bei den Bregenzer Festspielen bot er zuletzt 2015 einen grandios-ordinären „Les contes d‘Hoffmann“.

Aber auch international feierte der charmante Regisseur, der 2002 für seine Produktion von „I puritani“ am Aalto-Theater in Essen den Götz-Friedrich-Preis erhielt, Erfolge. Sein „Parsifal“ wurde 2008 bei den Bayreuther Festspielen am Grünen Hügel bejubelt, 2010 wurde Herheim zum Hauptregisseur an der Semperoper in Dresden berufen. Wagner lässt den Vielarbeiter dabei nicht los - so ist ab 2020 an der Deutschen Oper Berlin eine Neuinszenierung des „Rings des Nibelungen“ angesetzt.

Nur wenige renommierte Häuser im deutschen Sprachraum können mittlerweile nicht auf eine Arbeit Herheims zurückblicken - das Theater an der Wien gehört bis dato noch dazu. Das wird sich ab 2022 jedoch ändern. Schließlich dürfte sich der passionierte Regisseur auch künftig nicht alleine mit dem Intendantensessel zufriedengeben, sondern bisweilen auf den Regiestuhl wechseln.

Vor zwei Jahren hatte Herheim anlässlich seiner Inszenierung bei den Bregenzer Festspielen noch gestanden, Angst vor den Dimensionen der Seebühne zu haben: „Aber vielleicht werde ich auch mal erwachsen.“ Spätestens in viereinhalb Jahren scheint dem künftigen Musiktheaterchef die Adoleszenz nun ins Haus zu stehen.

(B I L D A V I S O - Fotos von Stefan Herheim wurden zuletzt am 27. Mai 2015 über den AOM verbreitet und sind dort abrufbar.)