Judo

Böse Überraschung nach dem Urlaub für Unterwurzacher

Beim Grand-Slam in Tokio (JPN) blieb der Kreuzbandriss von Kathrin Unterwurzacher unbemerkt, ...
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Schock vor Weihnachten: Nach einem Kreuzbandriss fällt die Tiroler Judo-Olympiahoffnung Kathrin Unterwurzacher bis zu einem Jahr aus.

Von Benjamin Kiechl

Innsbruck –Am 2. Dezember 2017 brach für Kathrin Unterwurzacher eine kleine Welt zusammen, sie wusste es damals nur noch nicht. Die Welt rätselte über einen Raketentest Nordkoreas. Und die Tiroler Judo-Kämpferin (bis 63 kg) grübelte darüber, warum es für sie beim Grand Slam in Tokio (JPN), den die 25-Jährige im Vorjahr gewinnen konnte, nur zu Platz sieben reichte. Die Nummer fünf der Weltrangliste zog sich im Kampf gegen Nami Nabekur­a (JPN) eine Knieverletzung zu. Nichts Ernstes, hieß es offiziel­l nach einer ersten Untersuchung in Japan.

Nachdem sich Unterwurzacher in Tirol einer MRT-Untersuchung unterzogen hatte, platzte die „Bombe“. „Die Ärzte haben gesagt, dass mein vorderes Kreuzband gerissen sei“, erzählte die Olympia-Siebte von Rio 2016. Bei diesen Worten wirkte sie gefasst. Fast so, als wäre sie erleichtert, endlich eine Diagnose zu haben. Seit dem Malheur Anfang Dezember sind fast drei Wochen vergangen. Die Tirolerin weilte mit Trainingspartnerin Bernadette Graf auf Urlaub in Australien – Sonne genießen und die Seele baumeln lassen. Und das mit einem Kreuzbandriss? „Ich spürte wenig Schmerzen, nach der Diagnose war ich geschockt und überrascht.“ Die Kämpfernatur zwingt wohl nichts so leicht in die Knie.

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Urlaub sei rückblickend die richtige Entscheidung gewesen. „Das war gut für den Kopf: einmal abschalten und die Gedanken schweifen lassen.“ Entspannung nach einer kräfteraubenden Saison, die mit EM-Bronze in Warschau (POL) ihren Höhepunkt und mit dem Erstrunden-Out bei der WM in Budapest (HUN) ihren vorläufigen Tiefpunkt erreicht hatte. „Zuhause“, sagte sie, „wäre mir die Decke auf den Kopf gefallen.“

Der Kreuzbandriss stellt in der steilen Karriere der Tirolerin eine Zäsur da, sie wird lange Zeit ausfallen. „Die Ärzte sagen, dass es bei Spitzensportlern bis zu einem Jahr dauern kann, bis man wieder einen Wettkampf bestreiten darf.“ Sie hoffe, dass es dank Physiotherapie früher gehe. Eine Operation sei aber unumgänglich. „Mein Vertrauensarzt Dr. Oberladstätter und Dr. Hoser haben mir dazu geraten.“ Der Eingriff soll am 5. Jänner im Sanatorium Kettenbrücke in Innsbruck stattfinden. Sie fühle sich dort in besten Händen: „Die Ärzte haben zu mir gesagt, sie werden so Gas geben wie ich auf der Judo-Matte!“, feixte sie. Es werde dennoch eine neue Erfahrung, so Unterwurzacher. „Außer bei einer Mandel-OP musste ich bisher noch nie unters Messer.“

Die Qualifikationsphase für die Olympischen Spiele 2020 in Tokio beginnt im April ohn­e die Medaillenhoffnung aus Innsbruck. Es sei ein „blöder Zeitpunkt“ für eine Zwangspause. Positiv: Im ersten Jahr zählen die Qualifikations-Punkte nur zu 50 Prozent, erst 2019 wird es ernst.

Trotz der Hiobsbotschaft blickt die Heeressportlerin optimistisch in die Zukunft. „Ich habe mich gut mit der Situation abgefunden. Derzeit kommt es mir vor wie ein­e Pause nach einer langen Saison.“ Dass ihre positive Einstellung erhalten bleibt, dafür wird auch Freundin Bernadette Graf sorgen. Die Tulferin ging seit Olympia 2016 selbst durch ein Wellental und kämpfte sich nach einer Schulterverletzung in der höheren Gewichtsklasse bis 78 kg zurück an die Welt­spitze. Gemeinsam will das Duo dann bei den Sommer­spielen in Tokio auftrumpfen. Bis zur Eröffnung am 24. Juli 2020 bleibt noch Zeit.