Albertina: Schröder freut sich auf Gespräche mit neuem Kulturminister
Wien (APA) - Albertina-Generaldirektor Klaus Albrecht Schröder ist demonstrativ gelassen: Die bis 7. Jänner laufende Raffael-Ausstellung zie...
Wien (APA) - Albertina-Generaldirektor Klaus Albrecht Schröder ist demonstrativ gelassen: Die bis 7. Jänner laufende Raffael-Ausstellung zieht ungewöhnlich viele Wiener an und wird dem Haus heuer mit fast 800.000 Besuchern das drittbeste Ergebnis seit 2003 bescheren. Die Rechnungshof-Prüfung wurde äußerst amikal absolviert, und auch für den Eröffnungstermin des neuen Standorts Künstlerhaus ist er optimistisch.
Zuletzt hatte es ja geheißen, dass der für die EU-Ratspräsidentschaft Österreichs im zweiten Halbjahr 2018 verhängte Baustopp auch die laufende Generalsanierung des Künstlerhauses verzögert, wo künftig die als Dauerleihgabe an die Albertina übergebene Sammlung Essl gezeigt wird. „Dieser kindische Baustopp ist lästig, rational nicht nachvollziehbar und verantwortungslos. Aber er verzögert die Eröffnung nicht“, sagt Schröder im Gespräch mit der APA und geht weiterhin von einer Eröffnung im Februar oder März 2019 aus.
Dass er sich um eine Verlängerung seines Ende 2019 auslaufenden Vertrages bewerben dürfte, hat mit diesem zweiten Standort der Albertina zu tun, wo „zum ersten Mal die österreichische Kunstgeschichte nach 1945 auf einer Fläche wie im mumok und doppelt so groß wie das 21er Haus dauerhaft ausgestellt wird. Es ist naheliegend, dass man das noch so auf Schiene bringen möchte, dass es dann auch die nächsten 50 Jahre funktioniert.“
Der unlängst bekannt gewordene Verkauf eines großen Werkkonvoluts der Sammlung Essl (an der neuen Besitzgesellschaft hält die Familienstiftung von Hans-Peter Haselsteiner 60 Prozent) an die deutsche Kunstsammlung Würth zur Schuldenabdeckung sei eineinhalb Jahre vorbereitet worden. „Kein einziges Werk wurde verkauft, das von mir nicht bestätigt wurde. Die Sammlung wurde dadurch in keiner Weise geschmälert. Die Sammlung wurde einmal geschmälert, das kann man auch nicht schönreden, aber das war vor meiner Zeit, als um 60 Millionen 44 Werke versteigert wurden. Da sind drei Künstler bis auf Marginalien abhandengekommen: Kippenberger, Polke und Gerhard Richter.“ Weitere kleinere Verkäufe, die u.a. die nun angefallene Körperschaftssteuer abdecken müssen, sollen noch 2018 über die Bühne gehen, damit die Sammlung Essl bald schuldenfrei ist.
Der neue Kulturminister Gernot Blümel (ÖVP) „ist mein fünfter Minister (nach Elisabeth Gehrer, Claudia Schmied, Josef Ostermayer und Thomas Drozda, Anm.). Ich kenne ihn noch nicht persönlich, aber alles, was ich über ihn höre, sagt nur das Beste über ihn aus: sehr gebildet, sehr intelligent, sehr interessiert. Ich freue mich auf die Gespräche.“ Schwerpunkte des Regierungsprogramms bei Bürokratieabbau und Stärkung von Privatinitiative nimmt Schröder erfreut zur Kenntnis, beim von Drozda vorgelegten Weißbuch für eine Reform der Bundesmuseen, das nun geprüft werden soll, habe man einige Elemente, die man gut fand, bereits von selbst umgesetzt. „So war etwa gestern die konstituierende Sitzung der Untergruppe Kunstmuseen, bei der wir alle Termine und Ausstellungen bis 2020 koordiniert haben.“
Koordiniert habe man sich auch bei der Programmierung des Gedenkjahres 2018, an dem u.a. die Todestage von Klimt, Schiele, Otto Wagner und Kolo Moser begangen werden. Eine Klimt/Schiele-Schau der Albertina wird in Boston und London zu sehen sein, ansonsten überlässt man gerne den Kollegen das Feld: „Ich muss nicht beitragen zu einem Overkill.“ Ein Jubiläum, das man aber mit einer großen Ausstellung feiern will, ist der 100. Geburtstag von Maria Lassnig im Jahr 2019.
„Ich möchte den Anspruch erheben, dass wir eine möglichst große Breite der Kunst möglichst gleichzeitig zeigen“, umreißt Schröder seine Ausstellungsprogrammatik. Deswegen gibt es im Frühjahr und im Herbst 2018 jeweils interessante Kombinationen: Eine große Ausstellung über „Das Wiener Aquarell“ (16.2.-13.5.) mit über 200 Werken von Waldmüller bis Rudolf von Alt läuft teilweise parallel mit der „Kunst der Kunstlosigkeit“ in Form einer großen Retrospektive von Keith Haring (16.3.-24.6.). Dasselbe findet im Herbst statt, wenn man eine große Retrospektive auf Claude Monet (21.9.-6.1.2019) mit dem Gegenpol einer Ausstellung zu Niko Pirosmani (12.10.-6.1.2019) kontrastiert: „Er ist ein bei uns vollkommen unbekannter naiver georgischer Maler mit denselben Lebensdaten von Gustav Klimt, ohne den die gesamte russische Avantgarde nicht existieren würde.“
Wichtig ist Schröder auch, dass mit Martha Jungwirth (2.3.-3.6.) und Florentina Pakosta (30.5.-26.8.) zwei wichtige lebende österreichische Künstlerinnen prominent im kommenden Ausstellungsjahr der Albertina vertreten sein werden, das zudem drei Fotoausstellungen und den zweiten Teil der laufenden „Meisterwerke der Architekturzeichnung“-Schau umfassen wird.
Ein nicht öffentlicher Termin des kommenden Jahres ist die für März angekündigte Zustellung des Rechnungshof-Rohberichts über die Albertina. Die Prüfung durch sechs Prüfer sei „sehr gut gegangen“, sagt der Generaldirektor. „Sie sind sehr zufrieden und haben uns in vieler Hinsicht ein sehr gutes Zeugnis ausgestellt.“
(S E R V I C E - www.albertina.at)
(B I L D A V I S O – Bilder von Klaus Albrecht Schröder sind im AOM zu finden.)