TaW - Wien wird nicht Currentzis‘ „Hauptstadt der progressiven Oper“

Wien (APA) - Teodor Currentzis wird seine „Hauptstadt der progressiven Oper“ anderswo ausrufen müssen. Der greco-russische Ausnahmedirigent,...

Wien (APA) - Teodor Currentzis wird seine „Hauptstadt der progressiven Oper“ anderswo ausrufen müssen. Der greco-russische Ausnahmedirigent, dessen Konzept für das Theater an der Wien große Ambitionen und massive Umwälzungen versprochen hätte, war den Entscheidungsträgern offenbar ein zu waghalsiger Kandidat für die Nachfolge von Langzeitintendant Roland Geyer.

Nach monatelangem Ringen entschied man sich nun für Stefan Herheim, dabei waren beide - Herheim wie Currentzis - schon im Sommer in der engsten Auswahl, innerhalb einer illustren Runde, zu der auch Marc Minkowksi, Dirigent und Opernchef in Bordeaux, gehörte.

Currentzis‘ Vision für Wien war dabei mit Sicherheit die kühnste. Im September entwarf er gegenüber der APA das Bild eines „Opernhauses für Europa“, an dem neben den Wiener Orchestern auch sein Ensemble MusicAeterna in Wien tätig wäre, aber auch eine eigene moderne Tanzcompagnie, eine internationale Schule für hochbegabte Kinder und ein Opernlabor, dessen Produktionen nach der Premiere in Wien durch die internationale Festivallandschaft touren sollten.

Kooperationen, Kompositionsaufträge, öffentliche Proben, 24-Stunden-Gastronomie und eine Partnerschaft mit seinem Opernhaus in Perm schwebten ihm vor. „Damit wir wirklich unsere Träume verwirklichen können“ hatte er Pläne, das Produktionsbudget durch private Mittel zu verdoppeln. Wien hielt er für den idealen Ort, wo „alles da ist, was es zum Erblühen der Kreativität braucht“. Alles - außer vielleicht den Mut und Willen, so ein Projekt auf Schiene zu bringen. „Wir werden Europa verändern - wenn nicht von Wien aus, dann von einem anderen Ort.“

Der Dirigent und Leiter des Opernhauses Perm hat in den vergangenen Jahren einen kometenhaften Aufstieg in der europäischen Klassikszene hingelegt. Als „Klassikrebell“, der sein Orchester wie eine eingeschworene Bruderschaft zu akzentuierten und lebedingen Interpretationen führt und dafür mit Preisen überhäuft wurde, hat sich die abgelegene Stadt im Ural als Opernlabor ausgesucht - von dort aus aber in jüngerer Zeit auch die konventionellen Klassikstätten im Sturm genommen.

Im Sommer gab er mit der umjubelten „Clemenza di Tito“ sowie mit Mozarts Requiem sein Salzburger Festspieldebüt und wird daran im kommenden Jahr mit einem Beethoven-Symphonienzyklus anschließen. Das Wiener Konzerthaus würdigt ihn in der aktuellen Spielzeit schon zum zweiten Mal mit einem eigenen Zyklus, ab 2018/19 ist er Chefdirigent des neuen SWR-Orchesters.