Prozess um Überfall auf Wiener Postamt vom Oktober 2009 abgeschlossen

Wien (APA) - Im Wiener Landesgericht ist am Donnerstag der Prozess um einen mehr als acht Jahre zurückliegenden Überfall auf ein Postamt in ...

Wien (APA) - Im Wiener Landesgericht ist am Donnerstag der Prozess um einen mehr als acht Jahre zurückliegenden Überfall auf ein Postamt in Ottakring abgeschlossen worden. Ein mit einer täuschend echt aussehenden Spielzeugpistole bewaffneter Täter hatte am 6. Oktober 2009 nicht weniger als 264.000 Euro erbeutet. Einer Angestellten macht das bis heute zu schaffen, wie Gerichtspsychiater Peter Hofmann erklärte.

Die Frau war in derselben Filiale bereits 2008 überfallen worden. Ein maskierter Mann hatte sich damals vor ihr aufgepflanzt, „Überfall!“ geschrien und in die Decke geschossen, ehe ihn ein Arbeitskollege der Angestellten überwältigen konnte. Infolge der beiden Ereignisse entwickelte die überfallene Frau eine posttraumatische Belastungsstörung bzw. eine Angststörung. Ob das auf den inkriminierten Überfall zurückzuführen ist oder mit jenem zusammenhängt, bei dem geschossen wurde, ist eine Frage der Beweiswürdigung, die den Geschworenen obliegt.

Neben dem unmittelbaren Täter - ein 35-jähriger Georgier - muss sich vor dem Schwurgericht (Vorsitz: Martina Krainz) ein ehemaliger Postangestellter als Beitragstäter verantworten. Der 30-Jährige soll in die Sache eingeweiht gewesen sein und den Georgier nach Kräften unterstützt haben.

Der Ex-Postler hatte beim Verhandlungsauftakt Ende August erklärt, eine Lokalbekanntschaft namens Hakan hätte ihn zum Mitmachen gezwungen. Der Georgier, der am Tatort seine genetischen Fingerabdrücke hinterlassen hatte und so ausgeforscht werden konnte - behauptete, er sei von besagtem Hakan angeworben worden und davon ausgegangen, dass der Überfall nur inszeniert war.

Der 35-Jährige hatte sich nach dem Postraub nach Deutschland abgesetzt, wo er weitere Straftaten beging. Für insgesamt sieben Raubfakten verbüßte er insgesamt fünf Jahre und neun Monate im Gefängnis. Im Anschluss übergaben die deutschen Strafverfolgungsbehörden den 35-Jährigen den Wiener Kollegen. Dass der Georgier bei dem Coup in Wien einen Komplizen gehabt haben dürfte, ergab die Auswertung seines Mobiltelefons. Die ermittelnden Kriminalisten stellten fest, dass der Täter mit einem jungen Postangestellten vor dem Überfall SMS ausgetauscht hatte. Damit konfrontiert, legte der 30-Jährige, der 2010 seinen Dienst bei der Post quittiert hatte und seither als Buslenker beschäftigt ist, ein Geständnis ab. Er gab zu, am Raub beteiligt gewesen zu sein, behauptete jedoch, er sei derart unter Druck gesetzt worden, dass er keinen anderen Weg sah.

Ob und allenfalls wo der ominöse Hakan existiert, der die beiden Angeklagten zusammengebracht haben soll, konnte bisher nicht ermittelt werden. Wie ein Polizist in der heutigen Verhandlung dazu als Zeuge erklärte, soll ihn der angeklagte Ex-Postler inzwischen anhand eines ihm vorgelegten Fotos identifiziert haben.

Mit den Urteilen dürfte nicht vor 16.00 Uhr zu rechnen sein.