Kitzbüheler hat eine abgefahrene Sammelleidenschaft
Während andere mit Freude Briefmarken oder Münzen sammeln, hält Vinzenz Zeilinger aus Kitzbühel regelmäßig Ausschau nach alten Mopeds und Kleinmotorrädern. Auf ein seltenes Exemplar ist er besonders stolz.
Von Miriam Hotter
Kitzbühel –Vinzenz Zeilinger umfasst den silbernen Griff eines Garagentors irgendwo in Kitzbühel. „Jetzt schaug amal her“, sagt er und zieht das Tor nach oben. Gedämpftes Tageslicht fällt in den kleinen Raum. Was nun zum Vorschein kommt, ist Zeilingers persönlicher Heiliger Gral: Ein Zweirad steht hier neben dem anderen auf dem kahlen Boden, auf einem selbst gebauten Gestell über ihnen thronen weitere Modelle. „Alles meine Lieblinge“, erklärt Zeilinger lächelnd.
Der 71-Jährige sammelt seit seinem Pensionsantritt vor sechs Jahren alte Mopeds (Motoren bis 50 Kubikzentimeter Hubraum, führerscheinfrei) und Kleinmotorräder (von 50 bis 125 Kubik) von Herstellern wie Adler, Express – und vor allem Puch. „Ich habe mir überlegt, welches Hobby ich in meiner Rente haben könnte. Und da bin ich auf diese Idee gekommen“, erinnert sich der Kitzbüheler.
Die Liebe zu Zweirädern entwickelte sich aber schon viel früher, nämlich während seiner Maurer-Lehre. Als 16-Jähriger kaufte sich Zeilinger ein blaues Puch-Moped DS 50. „Damit bin ich immer zur Arbeit nach St. Johann gefahren, egal, ob es geregnet oder geschneit hat“, erzählt er. Damals sei man mit einem solchen Moped eine „Sensation“ gewesen. „Die meisten sind zu dieser Zeit mit dem Fahrrad gefahren.“ Irgendwann war es aber doch an der Zeit, sich ein Auto anzuschaffen. Damit war auch erst einmal Schluss mit Mopedfahren.
Das erste Modell, das sich Zeilinger nach seiner gut 55-jährigen „Mopedpause“ schließlich wieder gekauft hat, ist eine Puch MS 50 gewesen. „Ich habe lange danach gesucht“, erinnert er sich. Schließlich fand er sein gewünschtes Moped auf einem Sammlertreffen für rund 800 Euro. Inzwischen besitzt der zweifache Familienvater 66 Mopeds und Kleinmotorräder aller Art.
„Das hier ist ein ganz besonderes Stück“, sagt Zeilinger und zieht eine Schutzhülle von einem Motorrad. „Das ist eine Puch 150“, sagt er stolz und fügt mit großen Augen hinzu: „In Schwarz.“ In dieser Farbe wurden laut Zeilinger nur 49 Modelle angefertigt. „Und ich dürfte der Einzige in Europa sein, der eines davon besitzt.“
Auf die Suche nach seltenen Modellen wie diesem macht sich Zeilinger auf Antiquitätenmärkten oder Sammlertreffen. „Aber nicht im Internet“, betont er. Denn dort würden viele Angebote nicht das halten, was sie versprechen. „Ich spreche da aus Erfahrung. Ich bin schon wegen eines tollen Internetangebots ins Burgenland gefahren. Was ich da vorgefunden habe, war nur ein ,Glumpat‘“, sagt Zeilinger.
Neben gescheiterten Käufen verbucht der Kitzbüheler aber auch echte Glücksgriffe. Zum Beispiel ergatterte er einen Puch-SR-150-Roller in Top-Zustand. „Der ist wie neu“, sagt Zeilinger und schaut auf den Kilometerzähler: Nur sieben Kilometer hat der Roller auf dem Buckel.
Die meisten Zweiräder in seiner Sammlung sind fahrbereit – oder werden es gemacht. „Ich bin ein Bastler.“ Deshalb legt Zeilinger auch gerne einmal selbst Hand an und repariert eingerostete Modelle. Die Kenntnisse habe er sich selbst mittels Bücher und Zeitschriften sowie mit der Hilfe von Freunden, die Mechaniker sind, angeeignet. In einem Holzkasten in seiner Garage bewahrt er sämtliche Anleitungen auf – genauso wie Lederanzüge, Lederbrillen, Sturzhelme, Handschuhe und alte Gaslampen.
Seine jüngste Anschaffung ist ein Kleinmotorrad der Marke Achilles (Baujahr 1938). Doch damit ist seine Sammlung noch lange nicht komplett. Sein Traummodell fehlt noch – und hat nichts mit Mopeds oder Kleinmotorrädern zu tun. „Ich möchte gerne ein Oldtimer-Fahrrad mit einem Motor haben.“ Der passende Motor liegt schon in seiner Garage. Fehlt nur noch das passende Fahrzeug dazu, das der Kitzbüheler garantiert irgendwo finden wird.