TaW - Franz Patay: „Da hat uns die Realität eingeholt“
Wien (APA) - Franz Patay, als Geschäftsführer der Vereinigten Bühnen Wien (VBW) zentraler Spieler in der Auswahl der künftigen Intendanten v...
Wien (APA) - Franz Patay, als Geschäftsführer der Vereinigten Bühnen Wien (VBW) zentraler Spieler in der Auswahl der künftigen Intendanten von Theater an der Wien und der Muscialsparte, zeigt sich im APA-Gespräch zufrieden mit den getroffenen Personalentscheidungen. Und auch wenn man beim Musical mit Christian Struppeck auf Kontinuität setzt, wird der Raimund-Theater-Umbau um ein Jahr verschoben.
APA: Bis zur Klärung der Führungsfragen für die Häuser der VBW sind nun sieben Monate ins Land gegangen. Weshalb hat das Ganze so lange gedauert?
Franz Patay: Wir liegen ja noch im angekündigten Zeitplan - heute ist der letzte Tag des Herbstes. (lacht) Im Ernst: Wir haben uns die Zeit genommen, die beste Entscheidung aus unserer Sicht zu fällen. Stefan Herheim kommt ja erst 2022 zu uns, weil er vorher so viele Verpflichtungen hat. Auf der anderen Seite hätte es hochqualifizierte Kandidaten gegeben, die auch früher gekonnt hätten. Und die Abwägung des Für und Wider bei diesem Entscheidungsprozess hat einfach ihre Zeit gebraucht. Wir wollten uns nicht dem Druck beugen, überstürzt zu entscheiden.
APA: Was war das Argument, das zweijährige Interregnum bis zum Antritt des neuen TaW-Intendanten in Kauf zu nehmen?
Patay: Die Planungen für die Saison 2020/21 waren ja schon im Laufen. Jeder Bewerber hätte mit dieser Zeitvorgabe Probleme gehabt, die Saison in der Qualität zu programmieren, wie wir uns das vorstellen. Da hat uns die Realität eingeholt. Schließlich hat Roland Geyer schon Vorarbeiten geleistet - und ich bin ja sehr zufrieden mit seiner Arbeit. Es besteht aus diesem Aspekt also kein Grund zur Veränderung. Insofern haben wir nun den richtigen Weg gefunden.
APA: Stefan Herheim ist ein renommierter Regisseur, aber hat noch keine Intendantenerfahrungen. Bereitet Ihnen das keine Bauchschmerzen?
Patay: Wir sind ja ein gut organisiertes Unternehmen. Ein Haus wird schließlich nicht von einer Person alleine geführt. Insofern wird berücksichtigt, dass Herr Herheim bis dato von Projekt zu Projekt gearbeitet hat. Er ist sich dessen bewusst, und wir haben nun fast fünf Jahre Zeit, uns darauf vorzubereiten. Da sehe ich auch mich als Geschäftsführer in der Pflicht.
APA: Mit der heutigen Klärung der künftigen Führung ist man vom Konzept der Generalintendanz für Oper und Musical abgekommen. Weshalb?
Patay: Es gibt zwar eine theoretische Chance, dass jemand das große Feld beider Bereiche abdeckt - aber die Realität hat gezeigt, dass es niemanden auf dem von uns gewünschten Niveau gibt. Das ist wie bei der Nordischen Kombination: Der Gewinner dort ist nie der Beste im Skispringen und im Langlaufen. Wir wollen aber in beiden Disziplinen um die Goldmedaillen mitspielen, nicht in der Kombination. Diesem Anspruch ist die Struktur mit einem Opern- und einem Musicalintendant geschuldet.
APA: Soll die Zahl der Premieren künftig erhöht werden?
Patay: Die Anzahl von rund zehn Projekten im Jahr steht. Natürlich ist der Wunsch nach mehr immer da - aber das ist den budgetären Vorgaben geschuldet. Und da kann ich nicht vorgreifen.
APA: Schauen wir auf den Musical-Bereich: Wird Herr Struppeck auch weiterhin Stücke unter seiner Ägide beisteuern?
Patay: Wir haben für beide Sparten Kreative engagiert. Auch Stefan Herheim wird am Theater an der Wien inszenieren und nicht nur Intendant sein. Es macht ja Sinn, dass ein Kreativer seine Kunst einbringt, was auch für das Musical gilt. Herr Struppeck ist bei uns, weil wir seine Kreativität als Stückeentwickler haben wollen. Und dass wir den Erfolg von „I am from Austria“ nun auskosten wollen und das Stück verlängern, zeigt, wie gut das gemacht wird.
APA: Ist mit der angekündigten Verlängerung der Zeitplan obsolet, bereits 2018 mit der Sanierung des Raimund Theaters zu beginnen?
Patay: Die Bauindustrie ist derzeit gut ausgelastet. Wenn wir deshalb längerfristig planen und ein Jahr schieben, ist das aus finanzieller Sicht sogar ein Vorteil.
APA: Sie gehen mithin von einem Baustart 2019 aus?
Patay: Das ist unser Plan. Die entsprechende Subvention muss ja noch von den Gremien der Gemeinde entschieden werden, aber wir bereiten gerade die entsprechenden Anträge vor.
APA: Der Budgetrahmen von 13 Millionen Euro hält?
Patay: Von dieser Größenordnung gehen wir aus. Wir liegen derzeit sogar leicht darunter.
APA: Am Konzept einer reinen Sanierung und nicht einer Ausweitung der Sitzplatzkapazitäten wird also nicht gerüttelt?
Patay: Es gibt bei einem 125 Jahre alten Bau einfach vieles, das gerichtet werden muss. Als Gast möchte man auch im Zuschauerraum ein wertiges Erlebnis haben. Es geht deshalb nicht um einen Umbau, sondern eine Sanierung.
APA: Wie lange muss man dafür das Raimund Theater schließen?
Patay: Wir würden das Theater maximal 14 Monate schließen. Wenn wir im August zumachen und im darauffolgenden September wieder öffnen, kann man zwei spielfreie Sommerzeiten mitnehmen.
APA: Wenn alles wie projektiert kommt, gehen Sie also von einer Eröffnung mit Saisonbeginn 2020?
Patay: Ja.
(Das Gespräch führte Martin Fichter-Wöß/APA)