Wenn der Wecker zur Rorate läutet
Von Martina Schratzberger...
Von Martina Schratzberger
Innsbruck –Obwohl es bestimmt verlockend sein mag, sich noch einmal umzudrehen und weiterzuschlummern, können sie sich der frühmorgendlichen Bettwärme entreißen. Sie machen sich auf in die Kälte. Noch ist es nachtfinster, der Mond prangt hell am Himmel. Zwei Laternen beleuchten die Kirchentüre der Pfarre Mariahilf. Noch ein wenig schlaftrunken betritt der kleine Pirmin die Sakristei und stellt seine Schultasche neben der Türe ab. Schulranzen, Turnbeutel und Musikinstrumente werden dort deponiert, heute ist es ein richtiger Haufen. Es riecht nach Weihrauch, das Licht ist gedämmt.
Die Müdigkeit ist schnell vorüber, jetzt heißt es in die Gänge kommen. Jedem Ministranten ein passendes Gewand, das muss erst einmal gefunden werden. Lilith steht beim wuchtigen Kasten und versorgt die Kleineren, hilft ihnen fürsorglich beim Überziehen. Den Knirpsen streicht sie liebevoll übers Haar. „Wer von den Mädchen möchte denn ein Stirnband haben?“, will Mesner Klaus wissen. Warm ist es ja nicht gerade.
Reges Treiben herrscht. Korbinian und Paul verteilen die Aufgaben. Wer ist Kerzenträger, wer bereitet die Gaben, wer bimmelt bei der Wandlung? Pirmins Augen strahlen, das Schiffchen für den Weihrauch ist heute seines. Pfarrer Hermann Röck ist hocherfreut, so viele – elf – Ministranten bei einer Rorate zu wissen. Er begrüßt jeden Einzelnen per Handschlag, mahnt zur Ruhe und bittet zur Aufstellung. Es bimmelt. – „Auf geht’s.“
Ein Gitarrentrio – die Familie Perlot spielt – setzt mit einer besinnlichen Weise ein. Der Altarraum und das Kirchenschiff sind nur mit Kerzenlicht beleuchtet. Stimmung pur. Jeder Handgriff sitzt. Eine wunderschöne Rorate wird gefeiert, ehe die Schule ruft und der Alltag wieder alle fest im Griff hat. „Ich liebe den Advent, normalerweise ministriere ich nicht mehr so viel, aber in der Vorweihnachtszeit sind mir die Roraten ein Anliegen“, sagt Lilith (17).
Ähnlich geht es Julia, die 21-jährige Jus-Studentin denkt normalerweise nicht daran, so früh aus den Federn zu steigen. „Vor der Uni aber einmal in sich zu gehen und nachzudenken, hat auch was und ist ein guter Start.“ Jannick hingegen ist um 5 Uhr morgens putzmunter, ein vorschulisches Programm kommt ihm sehr entgegen, wenn es sich dann noch dazu um eine stimmungsvolle Rorate handelt, ist der Zehnjährige mit vollem Einsatz dabei. „In der Schule ist der Advent die stressigste Zeit“, sagt Paul. Ihm kommt die Rorate am Morgen gelegen, um einen gewissen Ausgleich zu schaffen, bevor Spindtüren zugeschlagen, Pausenglocken läuten und Schularbeiten geschrieben werden.
Dass er mit so einer großen Ministrantenschar aufwarten konnte, erfüllt Pfarrer Hermann Röck schon ein wenig mit Stolz. „Die Zeiten haben sich geändert. Heutzutage ist es nicht mehr selbstverständlich, dass Mädchen und Buben ministrieren.“