Das war das Medienjahr 2017: ATV unter neuem Dach
Wien (APA) - 2017 hat der österreichischen Medienlandschaft eine TV-Fusion beschert, das ist wohl der größte Eintrag in die Annalen der Medi...
Wien (APA) - 2017 hat der österreichischen Medienlandschaft eine TV-Fusion beschert, das ist wohl der größte Eintrag in die Annalen der Medienbranche für heuer. Im ORF nahm Alexander Wrabetz Jahr eins von Funktionsperiode drei in Angriff. Medienpolitische Meilensteine brachte die nun abgelöste SPÖ-ÖVP-Regierung nicht auf den Weg. Politik, nämlich die Nationalratswahl, brachte den Sendern aber hohe Reichweiten.
Am 6. Februar einigten sich ATV-Verkäufer und die ProSieben.Sat1-Puls 4-Gruppe auf den Verkauf des Senders, die Bundeswettbewerbsbehörde gab im März ihr Okay mit Auflagen, im April war der Deal besiegelt. ATV-Geschäftsführer Martin Gastinger ging, ihn ersetzte Thomas Gruber. Flugs begann man mit der „Komplementärprogrammierung“ der Gruppensender. Mit Erfolg, wie Gruber im Oktober frohlockte: ATV habe das „Tal der Tränen“ hinter sich gelassen. Bei Puls 4 ist die heuer neu vom ORF geholte Senderchefin Stefanie Groiss-Horowitz ebenfalls zufrieden mit dem Zusammenspiel. Weniger zufrieden schien mitunter die Medienbehörde: Als Puls 4 und ATV gemeinsam mit anderen Privatsendern am Nationalratswahl-Abend gemeinsames Programm machten, erinnerte sie lautstark an die Auflagen für den Zusammenschluss: Dass ATV eigenständige Nachrichten zu senden habe, etwa.
Im ORF startete Alexander Wrabetz in seine dritte Amtsperiode als Generaldirektor. In dieser Funktion durfte er sich weiter mit dem Thema ORF-Standort herumschlagen. Immerhin konnte er die Renovierung des Hauptgebäudes am Küniglberg inklusive des nagelneuen Gremiensitzungssaals präsentieren. ORF.at ist mittlerweile auch nach Hietzing übersiedelt - so soll es schön langsam doch etwas werden mit dem multimedialen Newsroom. Die von Wrabetz in Aussicht gestellten Channel-Manager für ORF eins und ORF 2 wurden heuer nicht ausgeschrieben.
Mit April trat die Erhöhung der ORF-Gebühren in Kraft. Den ORF-Sparkurs führte Wrabetz weiter, was zuletzt auch Knatsch mit dem Zentralbetriebsrat bei den Gehaltsverhandlungen brachte. Programmlich wurde an der ORF 2-“Daytime“ geschraubt: Auch die Nachmittags-Flächen („Unterwegs in Österreich“) kommen nun, wie schon das Morgenfernsehen, aus dem mobilen Container. Eine Arbeitsgruppe bastelt derweil am Problembären ORF eins, konkrete Ergebnisse gibt es noch nicht.
Medienpolitisch brachte Rot-Schwarz nicht mehr viel weiter. Eigentlich hatte man sich eine Enquete für eine ORF-Reform vorgenommen. SPÖ und ÖVP schafften aber nicht einmal einen Gesetzesvorschlag aus den Ergebnissen der Enquete zur Reform der Presseförderung (im Herbst 2016). Der vorgezogene Neuwahlbeschluss machte dann allen allfällig ernst gemeinten Reformbestrebungen einen Strich durch die Rechnung.
Für die Fernseh-Sender entwickelte sich die Nationalratswahl 2017 dafür zu einer Art Quoten-Booster. Wer angesichts einer nie da gewesen Anzahl Interviews und Diskussionen im Vorfeld von Inflation und Publikumsermüdung unkte, wurde eines Besseren belehrt. Das freute den ORF, der sich weiterhin als Marktführer für politische Information positioniert sah, ebenso wie die Privaten, die ihre „Public Value“-Inhalte bestätigt sahen.
Digitalradio nach dem DAB+-Standard wurde heuer von der Medienbehörde KommAustria auf den Weg gebracht: Sie schrieb die bundesweiten, regionalen und lokalen Frequenzen aus. Mit der RTG Radio Technikum GmbH steht auch schon der Betreiber für die regionale Lizenz in Wien fest.
Geschichte ist seit 2017 NZZ.at. Chefredakteur Michael Fleischhacker hatte sich bereits im Herbst 2016 verabschiedet. Sein Nachfolger Lukas Sustala musste dann im April das Ende verkünden. Das digitale Bezahlprodukt habe seine Ziele im Markt nicht erreicht, so die Begründung. Im Juni verließ der Österreicher Veit Dengler die Schweizer NZZ-Gruppe, im Juli - nach nur wenigen Monaten - sein Landsmann Stefan Lassnig.
Im „Standard“ hieß es Abschied nehmen von der langjährigen Chefredakteurin Alexandra Föderl-Schmid. Sie ist nun Israel-Korrespondentin der „Süddeutschen“. An ihre Stelle trat im November Martin Kotynek, zuletzt stellvertretender „Zeit Online“-Chefredakteur. Bei „News“ übergab Eva Weissenberger zu Jahresanfang an Esther Mitterstieler. Überraschend kam die Abberufung von Reinhard Göweil als „Wiener Zeitung“-Chefredakteur diesen Herbst: Seitdem führt Walter Hämmerle das Blatt interimistisch - in eine ungewisse Zukunft, sieht man sich die Pläne im Regierungsprogramm für eine Abschaffung der Veröffentlichungspflichten im Amtsblatt an. In seiner Funktion bestätigt wurde APA-Chefredakteur Michael Lang.
Was noch fehlt: ein neues Medienprojekt. Dieses brachte zum einen ein Wiedersehen mit Fleischhacker, zum anderen langmächtige Spekulationen in der Branche, was genau Red-Bull-Boss Dietrich Mateschitz denn nun mit seiner Wahrheitsstiftung („Quo Vadis Veritas“) plane. Gemeinsam mit Ex-NEOS-Mandatar Niko Alm ging Fleischhacker auf Recruiting-Tour in der heimischen Branche. Seit Herbst kann man sich jede Woche anschauen, was das Team so macht: „Addendum“ ist seit Ende September online und bringt wöchentliche Themendossiers inklusive TV-Reportagen, die auf Servus TV zu sehen sind.
~ WEB http://orf.at ~ APA059 2017-12-22/08:00