Die Müllberge eines ganzen Jahres
Nach Weihnachten fällt er besonders auf: der Müll, den jeder Einzelne produziert. Während sich die Kartons überall stapeln, warnen die Vereinten Nationen vor der Elektroschrott-Flut.
Von Philipp Schwartze
Innsbruck –Wenn der große Geschenke-Marathon geschlagen ist und nach den Festtagen viele erschöpft auf der Couch liegen, bleibt vom Weihnachtsfest etwas ganz sicher über: Müll. Riesige Berge davon. 10–15 Prozent mehr Müll produzieren die Österreicher laut Verband der Österreichischen Entsorgungsbetriebe (VOEB), bei Altglas sind es sogar 30 Prozent mehr.
Dass die Recyclinghöfe in den Tagen zwischen den Jahren Hochkonjunktur feiern, ist daher so sicher wie das Amen in der Kirche. Besonders Kartons und Elektroschrott wandern aus den festlich geschmückten Zimmern auf den Müllplatz. „Nach Weihnachten fallen besonders viele Verpackungen an“, sagt Alfred Egger, Obmann des Tiroler Abfallwirtschaftsvereins (TAWV). Für die Abfallprofis beginnen mit dem Ende des Festes arbeitsreiche Tage. „Die Mitarbeiter sind sehr motiviert. Schließlich stecken im Müll auch sehr viele Rohstoffe.“
Ein Anliegen ist es der Tiroler Abfallwirtschaft deshalb, dass der Müll richtig getrennt wird. „Die Kartonverpackungen sollten über den Kartoncontainer am Recyclinghof entsorgt werden und nicht im Mischpapier“, sagt Egger. Vom vorbildlichen Trennen profitiert nicht nur die Umwelt: „Der Preis für getrennt gesammelte Materialien ist höher. Das wirkt sich auch auf die Müllabgabe in den Gemeinden aus, die dann gleich bleibt oder zumindest nicht steigt“, erklärt Egger. Die Tiroler seien beim Abfalltrennen aber vorbildlich.
Doch auch hierzulande wächst, dank immer neuerer Smartphones, Computer, Fernseher oder anderer Geräte, der Elektro-Müllberg immer weiter in die Höhe. Eine Studie der Vereinten Nationen (UNO) warnt jetzt davor. 44,7 Millionen Tonnen Elektroschrott produzieren die Menschen weltweit pro Jahr, eine weitere Zunahme wird erwartet. In den USA wird ein Smartphone im Schnitt nur noch 21 Monate verwendet, ehe es durch ein neueres abgelöst wird. Das alte landet meist im Müll.
Nur 20 Prozent der alten Geräte werden weltweit wiederverwertet – obwohl laut Schätzungen noch 55 Milliarden Dollar (rund 46 Milliarden Euro) in Rohstoffen wie Gold, Kupfer und Platin dieser Geräte schlummern. „Der Elektroschrott ist durch die Digitalisierung natürlich mehr geworden“, sagt auch Egger. In ihm befinde sich mehr Gold als im Golderz. Der UN-Sonderorganisation geht es aber primär nicht um die Kosten, sondern um Schäden für Mensch und Umwelt. Denn vielfach würde der teils giftige Elektroschrott falsch entsorgt.
Österreich selbst zählt laut UNO mit 20,9 Kilogramm pro Kopf zu den größeren Sündern in Europa (durchschnittlich 16,6 Kilogramm pro Kopf). Den zweifelhaften Sieg im Produzieren von Elektromüll holt sich Norwegen mit 28,5 Kilogramm pro Einwohner.
Dafür wird in Nordeuropa aber fast die Hälfte (49 Prozent) des Elektroschrotts recycelt. Egger zeigt sich bei der Entsorgung mit den Tirolern zufrieden. Daran haben sicherlich auch viele Aktionen, etwa das Sammeln gebrauchter Handys, ihren Anteil.
Generell machen sich die Österreicher – auch zum Weihnachtsfest – Gedanken zum Thema Müll. Der Verband Österreichischer Entsorgungsbetriebe hat 504 von ihnen vor Weihnachten dazu befragen lassen. Drei Viertel entsorgen ihre alten Elektrogeräte demnach vorbildlich auf dem Müllplatz, zwei Drittel achten auch an Weihnachten auf die richtige Mülltrennung. Ein Punkt, der auch Egger besonders wichtig ist. „Müllvermeidung ist schwierig, Geschenke werden schließlich eingepackt, da muss man realistisch bleiben. Wichtig ist aber, dass man die Stoffe danach sauber trennt“, sagt der Abfallexperte und liegt damit mit Blick auf das österreichische Weihnachtsverständnis richtig: Nur zehn Prozent wollten diese Weihnachten laut VOEB-Studie auf Geschenkpapier oder den Christbaum verzichten, weitere zehn Prozent nutzen Zeitungen wie diese, um ihre Geschenke einzupacken.
Solche Versuche, Müll zu vermeiden, mögen für Kopfschütteln sorgen und für viele zu weit gehen. Dass aber, ebenfalls laut VOEB-Studie, nur 16 Prozent der Umwelt zuliebe bei lokalen Händlern kaufen und es niemanden beim Shoppen interessiert, wie die Produkte verpackt sind, ist eher nicht im Sinne der Umwelt.
Am Ende zeigt sich daher wohl auch heute, am Tag nach dem Weihnachtsfest, vielerorts wieder das gleiche Bild: randvolle Mülleimer, viele Kartons und ausrangierte Elektrogeräte. Doch es sind nicht nur das Weihnachtsfest, sondern auch der Konsum und die Müllproduktion über das ganze Jahr, die auf den Recyclinghöfen für emsiges Treiben sorgen. Und die Müllberge bedrohlich in die Höhe wachsen lassen.