Bezirk Landeck

„Wolf und Bär lauern vor der Haustür auf unsere Herden“

© Wenzel

Ein Tösner Schafbauer erwartet Angriffe der großen Beutegreifer. Zur Vorsorge trainiert er Herdenschutzhunde, sieht sich aber in einer rechtlichen Grauzone.

Von Helmut Wenzel

Tösens –„Ich war Augenzeuge kurz nach einem verheerenden Angriff auf eine Schafherde bei Ramosch (Anm.: im Schweizer Kanton Graubünden)“, erzählt Thomas Schranz, Schafbauer aus Leidenschaft in Tösens. „Den Anblick der herumliegenden Kadaver möchte ich meinen Kollegen gerne ersparen.“

Weil Wolf und Bär auch im Obergricht „vor der Haustüre lauern“, habe er akuten Handlungsbedarf für seine Herde gesehen. Auch wenn in Südtirol etwa der freie Abschuss der Beutegreifer gefordert wird, setzt er lieber auf Herdenschutzhunde. „100 Prozent Schutz wird es nicht geben, aber die Hunde leisten hervorragende Dienste“, weiß er, nachdem er einschlägige Informationen über Herdenschutzprogramme in den Nachbarländern eingeholt hat.

Im Juli kaufte der Tösner Schafbauer aus Eigeninteresse und auf eigene Kosten zwei Kangal-Welpen. Es sind bewährte Herdenschutzhunde, ihre ursprüngliche Herkunft ist Anatolien. „Sum“ und „DJ“, so heißen die beiden inzwischen fünf Monate alten und noch etwas verspielten Hunde. Ihr Herrl bereitet sie täglich mit einem Trainingsprogramm auf ihre künftige Aufgabe vor. Schon jetzt zeigt sich, dass die beiden ihre schutzbefohlene Herde abschirmen, wenn sich unbekannte Menschen oder Tiere nähern. Der erste „richtige“ Einsatz kommt im Frühjahr, wenn Schranz seine Schafe und Steirischen Scheckenziegen auf diverse Weiden und Almen im Obergricht treibt.

Rechtlich sieht der Tösner Schafbauer seine Initiative allerdings in einer Grauzone. Während in der Schweiz eine dreistufige Prüfung für Herdenschutzhunde abgenommen wird und die Polizei ein Zertifikat ausstellt, gebe es in Österreich (noch) keine Richtlinien. Zudem seien Haftungs- und Versicherungsfragen derzeit ungeklärt.

Wenn die Politik die Beutegreifer Wolf, Bär und Luchs in der ganzen EU schützt, „dann sollte sie gleichzeitig jene Landwirte unterstützen, die sich den Mehraufwand mit den Herdenschutzhunden antun“, ist Schranz überzeugt. Derzeit wird der Schutzhunde-Pionier hauptsächlich von seiner Familie unterstützt, wie er hervorhob.

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Matthias Reichle

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