Hilfsprojekt eines Kufsteiners: Ein Kinderlächeln ist der schönste Lohn
Seit 15 Jahren hilft der Kufsteiner Primar Bernhard Spechtenhauser mit dem Verein „Brillos“. Neues Projekt ist eine Schule für 2000 Kinder.
Von Wolfgang Otter
Kufstein –Bolivien zählt zu den ärmsten Ländern der Welt. Knapp die Hälfte der Menschen lebt an oder unter der Armutsgrenze. 2002 verschlug es erstmals den Kufsteiner Primar Bernhard Spechtenhauser, Leiter der Chirurgie am Bezirkskrankenhaus Kufstein, in dieses Land. Was er an Armut und Elend sah, ließ ihn nicht mehr los, veranlasste ihn seither dazu, medizinisch und finanziell zu helfen. Besonders den Kindern, die teils auf der Straße leben und mit Schuheputzen ihren kargen Lebensunterhalt bestreiten müssen. Viele von ihnen sind der Schnüffeldroge „Clefa“, einem Schusterleim, verfallen. Diesen Schuhputzern widmete „Doctor Bernardo“ auch den Namen seiner Aktion: „Brillos“ – Glänzer.
Rund eine Million Euro hat Spechtenhauser und seit 2014 sein Verein, dessen Vorstand neben ihm auch Dr. Peter Seiringer, Gerlinde Schernthaner und Marco Vinciguerra angehören, gesammelt und den Armen zukommen lassen. Der nächste Meilenstein in der jungen Vereinsgeschichte: Mit 1. Jänner 2018 wird „Brillos“ die Gemeinnützigkeit zugesprochen, damit sind Spenden von der Steuer absetzbar. Das gesammelte Geld fließt auch zu hundert Prozent ohne Abzug von Verwaltung oder sonstiger Ausgaben in die Projekte. Vor Ort sorgen Vertrauenspersonen dafür, dass das Geld dort eingesetzt wird, wo es gebraucht wird.
Vieles wurde bereits erreicht: Neben der Hilfe bei Einzelschicksalen, die von den Beinprothesen für einen Jungen bis hin zu einem neuen Wohnhaus oder der Bezahlung einer notwendigen Operation reicht, wurde und wird besonders in die Ausbildung der Kinder investiert. So entstand eine Frauenfachschule und eine weitere Schule, eine Kindertagesstätte, wird Essen für Kinder und Mütter ausgegeben, ein Krankenhaus ausgestattet usw. Die Liste der Hilfeleistungen ließe sich noch lange fortsetzen.
Im Oktober besuchte der Vorstand von „Brillos“ das Land und die Hilfseinrichtungen. Er kam mit einem neuen Wunschprojekt zurück: dem Bau einer Schule in der Peripherie von Santa Cruz, um weiteren 2000 Kindern eine Zukunft und ein bisschen Hoffnung zu geben.
Die Hilfe trägt Früchte: „Viele ehemalige Straßenkinder haben inzwischen durch die Hilfe den Einstieg in ein mehr oder weniger normales Leben geschafft, einige haben Arbeit bzw. ein Studium und einige bereits eine Familie“, erzählt Vorstandsmitglied Gerlinde Schernthaner aus Wörgl. „Ab und zu frage ich mich: Warum machst du das alles? Hat das alles einen Sinn?“, zieht Spechtenhauser Bilanz. Es gebe dazu keine kurze Antwort, aber eines sei sicher: „Es gibt trotz aller Niederlagen und der oft unglaublichen Aussichtslosigkeit des Elends viele dankbare Momente. Ich möchte mich bei allen, die helfen, bedanken – im Namen all dieser Menschen hier. Ich möchte allen ein bisschen von diesem Leuchten geben, von dieser Dankbarkeit, von diesem Strahlen, ein bisschen von dem, was mir die Menschen hier entgegenbringen. Ich merke, dass es gut ist, wie es ist ...“