Deutsche Schauspielerin Cordula Trantow wird 75
München (APA/dpa) - Cordula Trantow hat sich als Schauspielerin schon auf fast jede denkbare Art umgebracht - sie ist aus Fenstern und in di...
München (APA/dpa) - Cordula Trantow hat sich als Schauspielerin schon auf fast jede denkbare Art umgebracht - sie ist aus Fenstern und in die Isar gesprungen, hat sich die Kehle durchgeschnitten und sich erhängt. „Ich habe da nichts ausgelassen, obwohl diese Charaktere von mir privat sehr weit entfernt sind“, sagt Trantow. Am Freitag (29. Dezember) wird sie nichtsdestotrotz 75 Jahre alt.
Auf die Bremse will die gebürtige Berlinerin künstlerisch nicht treten. „Ich bin sehr dankbar, dass ich über keine körperlichen Beschwerden klagen muss und mich mit dem, was ich mache, identifizieren kann“, sagte die auch als Regisseurin, Autorin, Intendantin sowie Synchronsprecherin tätige Künstlerin der Deutschen Presse-Agentur. Sie sei voller Pläne und tüftle gerade an mehreren Projekten. „Ich hoffe, dass ich noch lange arbeiten kann.“
Der Bühne hat sich die geschulte Balletttänzerin verschrieben, doch auch in der Filmwelt ist sie zu Hause. Mehr als 150 Rollen spielte sie bisher und war unter anderem in zahlreichen Krimiserien wie „Tatort“, „Derrick“ und „Der Alte“ zu sehen. Ihren Durchbruch schafft sie Ende der 50er Jahre mit dem Anti-Kriegsfilm „Die Brücke“. Es folgten Angebote aus Hollywood.
1962 schlüpfte sie in der US-Produktion „Hitler“ in die Rolle von Adolf Hitlers Nichte und wurde für den Golden Globe nominiert. Doch schon früh kehrte der umschwärmte Nachwuchsstar der Traumfabrik den Rücken. „Das bedeutete mir überhaupt nichts“, sagt Trantow. Der innere Kompass habe sie in eine andere Richtung geführt.
Die Tochter des Dirigenten und Komponisten Herbert Trantow und einer Tänzerin machte Station an renommierten Theaterhäusern in Deutschland - darunter München, Würzburg und Stuttgart. In den vergangenen Jahren inszenierte sie Klassiker wie „Romeo und Julia“ und „Faust“. Lyrik und Poesie von großen Meistern ist Trantows Leidenschaft. „Meine Welt war immer der Umgang mit dem wunderbar vom Dichter geformten Wort“, sagt sie. Ihr Verhältnis zum Publikum sei mehr als positiv. „Das ist wie eine Liebesbeziehung.“ Für ihr berufliches Schaffen wurde die Vollblutkünstlerin im Jahr 2000 mit dem deutschen „Bundesverdienstkreuz am Bande“ geehrt.
An die Arbeit mit ihrem 2002 gestorbenen Ex-Mann, Regisseur und Theaterlegende Rudolf Noelte, erinnert sie sich besonders gerne. „Wir haben uns auch ohne Worte verstanden.“ Ohne große Worte will Trantow auch ihren 75. Geburtstag feiern, mit Freunden in einer Ausstellung in München. „Ich liebe Museen nicht nur wegen der Exponate, sondern auch wegen der Atmosphäre und der Menschen, die dort hingehen.“