Missbrauch: Für Kommission gibt es keine Tabus
Innsbruck – Die unabhängige Kommission des Landes zur Aufarbeitung von Missbrauch im Nachwuchssport hat diese Woche ihre Arbeit aufgenommen....
Innsbruck –Die unabhängige Kommission des Landes zur Aufarbeitung von Missbrauch im Nachwuchssport hat diese Woche ihre Arbeit aufgenommen. Die Vorsitzende und Chefin des Bezirksgerichts Kufstein, Andrea Wibmer-Stern, spricht von einer sehr schwierigen Aufgabe. „Aber wir gehen umfassend und respektvoll an die Herausforderung heran.“ Tabus gibt es für Wibmer-Stern keine: „Wir wollen wissen, ob und was geschehen ist und wer möglicherweise dafür verantwortlich war.“
Die ehemalige Tiroler Skirennläuferin Nicola Werdenigg erschütterte vor Wochen mit schweren Vorwürfen, auch gegenüber der Skimittelschule Neustift, die Öffentlichkeit. Gegen den ehemaligen Heimleiter des Internats werden von ehemaligen Schülern und Eltern massive Anschuldigungen wegen des Verdachts der sexuellen Übergriffe erhoben. Auch vom Schigymnasium Stams wurden entwürdigende Rituale wie Pastern bekannt.
Bei der Anlaufstelle des Landes für ehemalige InternatsschülerInnen der Skihauptschule und des Schigymnasiums langten bisher 13 Meldungen ein. Fünf direkt Betroffene von physischer oder psychischer Gewalt, sexuellen Übergriffen oder Aufnahmeritualen unter SchülerInnen haben sich an die Opferschutzstelle gewandt. Die Staatsanwaltschaft ermittelt in vier Fällen, wie ihr Sprecher Hansjörg Mayr gegenüber der TT bestätigt. Drei Sachverhaltsdarstellungen davon hat das Land übermittelt, Nicola Werdenigg wurde vor zwei Wochen zu ihren Vorwürfen befragt.
Der Expertenkommission des Landes geht es jetzt vor allem darum, mit den Betroffenen zu sprechen. „Wir hoffen, dass sie das auch tun werden“, sagt Wibmer-Stern. Um einen Gesamteinblick zu erhalten, will sich die Kommission einen breiten Überblick verschaffen. Dazu zählt Wibmer-Stern auch Gespräche mit dem Österreichischen und Tiroler Skiverband sowie mit den (ehemaligen) Verantwortlichen in Neustift und Stams. Wibmer-Stern: „Natürlich kann es Überschneidungen mit den Ermittlungen der Justiz geben, aber unsere Aufgabe ist eine ganz andere.“ Nicht nur die Aufarbeitung der Vergangenheit steht im Mittelpunkt, sondern auch die künftige Gewaltprävention im Nachwuchssport. Im Jänner folgt die nächste Sitzung, im Frühjahr sollen bereits erste Ergebnisse präsentiert werden. (pn)