Katalonien-Wahl ließ Gedenken an Terroropfer vergessen

Barcelona (APA) - Die Regionalwahlen in Katalonien, die mit einem neuerlichen Sieg der Separatisten endeten, haben das Gedenken an die Opfer...

Barcelona (APA) - Die Regionalwahlen in Katalonien, die mit einem neuerlichen Sieg der Separatisten endeten, haben das Gedenken an die Opfer der weltweit Aufsehen erregenden Terroranschläge in Barcelona und Cambrils am 17. und 18. August dieses Jahres völlig in den Hintergrund gedrängt. Keine politische Partei hatte im Wahlkampf an die 16 Todesopfer und 137 Verletzten erinnert, kaum jemand spricht drüber.

Auf den Ramblas in Barcelona flanieren dieser Tage die Passanten wie eh und je, die Menschen gehen in den Lokalen, Verkaufsständen, Banken und Geschäften wie gewohnt ihrer Tätigkeit nach. Keine Gedenktafel und kaum andere Zeichen der Erinnerung an die Attentate, die vor rund fünf Monaten das Herz der katalanischen Hauptstadt erschüttert hatten, sind zu sehen.

Dort, wo der Kleintransporter des marokkanischen Jihadisten Younes Abouyaaqoub zum Stehen kam, ist ein kreisförmiges Kunstwerk des Malers Joan Miro in den Boden eingelassen, das aber keine Verbindung zu dem blutigen Geschehen hat.

Am 17. August gegen 17.00 Uhr war der 22-jährige Younes Abouyaaqoub mit großer Geschwindigkeit mit seinem Fahrzeug über die Ramblas gerast und hatte auf einer Länge von etwa einem halben Kilometer zahlreiche Menschen niedergemäht. 13 Personen starben, 131 wurden verletzt. Eine weiteres Opfer erlag später seinen Verletzungen. Der Attentäter konnte vorerst zu Fuß flüchten, in der Gegend um die Universität erstach er einen jungen Mann und stahl sein Auto.

Einige Stunden später mähten fünf Terroristen sechs Fußgänger im Ferienort Cambrils nieder. Die Attentäter töteten bei ihrer Flucht eine Frau. Sie wurden schließlich von katalanischen Polizisten (Mossos) erschossen, Abouyaaqoub wurde später gestellt und ebenfalls erschossen. Im Haus eines Imams, der als Anstifter der Anschläge galt, fanden sich 120 Gasflaschen, die als Bomben verwendet werden hätten können.

Die Familien der Opfer und die bei den Anschlägen verletzten Menschen vermissen ein Gedenken der Politik an diese Ereignisse, sie fühlen sich vielfach im Stich gelassen, sie bekämen kaum Unterstützung, heißt es in der Zeitung „El Pais“

Am 26. August hatte es noch eine große Demonstration in Barcelona gegeben, bei der der Abscheu gegenüber dem Terrorismus Ausdruck verliehen wurde. Rund 500.000 Menschen hatten damals an der Massenkundgebung teilgenommen, der auch König Felipe VI. sowie Regierungsvertreter beiwohnten. Tausende katalanische Separatisten missbrauchten die Demo indes für ihre Zwecke.

Hinter den Politikern und dem König wehten Tausende von katalanischen Unabhängigkeitsflaggen. Während König Felipe und Spaniens Ministerpräsident Mariano Rajoy ein Pfeifkonzert erhielten, gab es für Kataloniens inzwischen abgesetzten separatistischen Präsidenten Carles Puigdemont großen Jubel.

Sogar der katalanisch-stämmige ehemalige französische Premier Manuel Valls beklagte sich vor kurzem bei einem Auftritt in Barcelona über das „traurige Schauspiel, das die Separatisten damals der Welt geliefert“ hätten. Einige hätten versucht, aus dem Gedenken an die Opfer Nutzen zu ziehen, um zu spalten, obwohl man dem Terrorismus geschlossen entgegentreten müsse, hatte er gesagt. Seither gab es nur mehr absolutes Schweigen über die damaligen Ereignisse, so „El Pais“.

Auf den Ramblas wurden als Schutz vor den Anschlägen einige Poller errichtet, allerdings nicht an allen Stellen, von denen man über die Nebenfahrbahn in die Fußgängerzone gelangen könnte. Rund um die Kathedrale Sagrada Familia, die die Terroristen den Ermittlungen der Sicherheitsbehörden zufolge von den jihadistischen Terroristen auch als potenzielles Anschlagsziel ausgewählt worden war, wurden die Sicherheitsvorkehrungen aber massiv verstärkt. Vor einem Besuch in dem weiterhin im Bau befindlichen Projekt des Architekten Antoni Gaudi muss man sich Kontrollen wie auf einem Flughafen unterziehen.

Nach den Terroranschlägen war die Zahl der Touristen leicht zurückgegangen. Doch viel mehr hat dem Fremdenverkehr in Katalonien offenbar der Streit um die Unabhängigkeit der nordostspanischen Region geschadet. Die Hotels in Barcelona klagen über ein Ausbleiben von Gästen, viele haben ihre Preise gesenkt. Die langfristigen Auswirkungen auf die Wirtschaft Kataloniens sind nach dem Ausgang der Regionalwahlen und dem Anhalten der Spannungen zwischen Separatisten und pro-spanischen Unionisten noch nicht abzusehen.