TT-Interview

DSV-Star Luitz: „So kann es nicht weitergehen“

Waren im Sanatorium Hochrum unfreiwillig vereint: Felix Neureuther (l.) und Stefan Luitz.
© Screenshot: Facebook/Neureuther

TT-Besuch bei Stefan Luitz im Sanatorium Hochrum: die deutsche Riesentorlauf-Größe über den geplatzten Olympiatraum, Rennsport am Limit und den Ski-Weltverband, der gegensteuern sollte.

Herr Luitz, Sie und Ihr Zimmerkollege Felix Neureuther (so wie Luitz Kreuzbandriss, Anm.) hatten wenige Tage nach der Operation in der Privatklinik Hochrum prominenten Besuch von Aksel Lund Svindal und Beat Feuz. Machen Sportler mit so einer Verletzungs­geschichte besonders Mut?

Stefan Luitz: Ja! Das Kreuzband braucht seine Zeit, aber es wird wieder. Da lässt man den Kopf nicht hängen. Man kann nur nach vorne blicken. Und wenn man Beat und Akse­l sieht, wo die mit ihren Verletzungen schon waren und wo sie jetzt fahren, fällt es viel leichter.

Sie fuhren heuer in Beaver Creek (3.) und Val d'Isère (2.) zweimal auf das Podest und waren eine der großen Olympia-Hoffnungen. Wie schwer fällt es derzeit, nach vorne zu blicken?

Luitz: Im ersten Moment hat es extrem wehgetan, aber ich darf dem nicht nachsinnen, was ich hätte erreichen können. Das ist jetzt passiert und ich muss nach vorne blicken.

Sie konnten nach dem Sturz in Alta Badia noch alleine abfahren. Wie überraschend war die Diagnose?

Luitz: Ich war lange Zeit optimistisch, weil ich ganz normal habe gehen können. Aber die Ärzte haben meinen Optimismus schnell gedämpft. Sie haben gleich gesagt, dass es das Kreuzband ist. Dr. Christian Hoser hat die Erstdiagnose erstellt.

Wenige Wochen vor Ihnen hat es Ihren Landsmann Felix Neureuther erwischt. War das einfach Pech?

Luitz: Mit den neuen Skiern im Riesentorlauf (seit heuer kürzere Radien, Anm.) bewegt sich alles noch mehr am Limit, jeder fährt noch aggressiver und schneller. Man muss schauen, wo das alles hinführt. Es hat jetzt viele Kreuzbänder erwischt — das darf nicht sein. Der Sport darf sich nicht in diese Richtung entwickeln.

Wie darf man das verstehen?

Luitz: Wir müssen beobachten, wo die Ursachen liegen. Vielleicht muss es dann auch wieder Änderungen bei den Skiern geben. Man kann es zwar nicht nur auf das Material schieben — aber es ist auffällig, was gerade passiert. Es kann so nicht weitergehen,

Viele Sportler klagten früher über Rückenprobleme mit den längeren Radien, die der Weltverband (FIS) wieder einführte.

Luitz: Es ist nicht einfach. Ich will jetzt auch gar nicht alles auf die kürzeren Radien zurückführen. Es bewegt sich alles am Limit. Wir können mit den Skiern nun viele engere Radien fahren — und wenn dann die Piste auch noch so aggressiv ist, dann ist das einfach brutal, welche Fliehkräfte da auf den Körper einwirken. Ich hoffe, dass es sich nicht so weiterentwickelt.

Bewegt sich der Skisport generell mehr am Limit?

Luitz: Das ist in jedem Sport so. Alle gehen immer mehr ans Limit. Man sieht ja, wo sich das Ganze hinentwickelt. Wenn sich das Material wie in unserem Fall ändert, dann kann der Athlet wieder mehr an die Grenzen gehen, das ist in jeder Sportart so.

Aber die Skier dürften Ihnen doch passen ...

Luitz: In den letzten vier Rennen war ich viermal in den Top fünf. Das Ziel war es heuer, mich da vorne zu etablieren. Das ist jetzt leider vorbei.

Und welche Worte hat Ihnen Felix Neureuther bei der Entlassung mitgegeben?

Luitz: Er sagte: „Wir sehen uns in der Reha." Das wird sicher ein Wettkampf zwischen uns, wer zuerst zurück ist. Felix hat jetzt drei Tage Vorsprung, da werden wir uns sicher noch matchen (lacht).

Das Gespräch führte Roman Stelzl