Mehrheitliches Misstrauensvotum gegen Schweizer Tamedia-Manager

Zürich (APA/sda) - Eine Delegation der Westschweizer Tamedia-Redaktionen hat am Freitag in Zürich die Eröffnung von Verhandlungen mit der Ta...

Zürich (APA/sda) - Eine Delegation der Westschweizer Tamedia-Redaktionen hat am Freitag in Zürich die Eröffnung von Verhandlungen mit der Tamedia-Leitung verlangt. Zuvor hatte eine Mehrheit der Redaktionen ein Misstrauensvotum gegen Serge Reymond, Leiter der Bezahlmedien, beschlossen. Tamedia hält in Österreich ein Viertel an der Tageszeitung „Heute“ und die Mehrheit an deren Onlineauftritt.

Ihre Forderungen zur aktuellen Umstrukturierung bei Tamedia seien bisher weder erhört noch ernst genommen worden, heißt es in einer Mitteilung der Delegation vom Freitag. Deshalb sei eine Delegation zum Tamedia-Hauptsitz nach Zürich geschickt worden.

Gefordert werden Verhandlungen mit dem Vorsitzenden der Tamedia-Unternehmensleitung, Christoph Tonini, und dem Präsidenten des Verwaltungsrats der Tamedia, Pietro Supino. Die Delegation wurde Freitagmittag von der Tamedia-Leitung empfangen.

Die Journalistinnen und Journalisten verlangen unter anderem ein zweijähriges Moratorium für Kündigungen aus wirtschaftlichen Gründen. Zudem soll die Zeitung „Le Matin“ weiter gedruckt und nicht zur reinen Digital-Ausgabe umgeformt werden. Eine Entscheidung ist gemäß Tamedia in dieser Sache aber noch nicht gefallen.

Bereits Anfang Dezember hatten die Journalisten Tonini ihre Besorgnis übermittelt und zu sofortigen Gesprächen eingeladen - der Tamedia-Chef meldete sich aber nur schriftlich.

Am Freitag, 15. Dezember, protestierten dann über hundert Journalisten in Lausanne gegen die Umstrukturierungen. Ihre Forderungen hatten sie zudem an Serge Reymond, Leiter Bereich Bezahlmedien, geschickt - mit der Bitte, diese bis am Dienstag, 19. Dezember, zu beantworten.

Statt einer Antwort hatte Reymond eine Sitzung für einige Journalisten am Freitag, 22. Dezember, vorgeschlagen, wo diese Fragen hätten stellen können.

Dieser Vorschlag war von der Redaktionen als „Nichteintreten auf die Forderungen“ interpretiert worden - sie schlossen daraus, dass eine Diskussion mit Reymond nicht mehr möglich sei. Eine Mehrheit der Redaktionen von „24 Heures“, „Le Matin Dimanche“, „Le Matin“, „Tribune de Genève“ und „Femina“ verabschiedete darauf bei einer internen Abstimmung ein Misstrauensvotum gegenüber Reymond.

Tamedia hatte im August angekündigt, seine Zeitungsredaktion neu aufzustellen. Ab 2018 sollen zwei überregionale Redaktionen in der Deutsch- und der Westschweiz den Mantel für zahlreiche Zeitungen liefern.

In Zürich, Bern und Lausanne sind dafür sogenannte Kompetenzzentren vorgesehen. Grund für die Konzentration ist der starke Rückgang der Werbeumsätze. In der Westschweiz werden in Lausanne die Redaktionen der „Tribune de Genève“, von „24 Heures“, des „Le Matin Dimanche“ zusammengelegt. Abgesehen von der Regionalredaktion droht deshalb vielen Journalisten der „Tribune de Genève“ eine Versetzung nach Lausanne.