Trauer über plötzlichen Tod des Wirtschaftsmäzens Henrik Wentzler
Wentzler lebte im Außerfern und betrieb das Berggut Gaicht mit über 60 Pferden hoch über Weißenbach.
Von Helmut Mittermayr
Reutte – Die Nachricht vom überraschenden Ableben Henrik Wentzlers sorgte einen Tag vor Weihnachten für Trauer und Fassungslosigkeit im Außerfern. Der 61-Jährige Wahlaußerferner mit Wurzeln in Mannheim war im Zuge eines Eingriffs im Münchner Klinikum rechts der Isar verstorben. Wentzler war ein Sproß des Familienunternehmens Freudenberg (Vileda) mit Sitz im deutschen Weinheim, die als Zulieferer verschiedener Branchen wie Automobil-, Maschinenbau-, Textil-, Bau- und Telekommunikationsindustrie tätig ist. Henrik Wentzler lebte im Außerfern und betrieb das Berggut Gaicht mit über 60 Pferden hoch über Weißenbach.
Im Bezirk Reutte tat sich der studierte Betriebswirt als Wirtschaftsmäzen hervor, wie man dies in dieser Form vorher wohl noch nie in Tirol erlebt hat. Er wollte in gewisser Weise zurückgeben, was ihm das Leben an Erfolg und Gutem geschenkt hat. Wentzler hatte in den vergangenen Jahren Geld bei heimischen Firmen angelegt, so manche auch gerettet. Den ehemaligen Karrieremenschen im Finanzbereich, der acht Jahre in den Vereinigten Staaten bei der größten Wirtschaftsprüferkanzlei des Landes und in der Papierindustrie gearbeitet hatte, mussten heimische Unternehmerpersönlichkeiten mit ihren Projekten überzeugen, selbst innovativ und ökologisch sein sowie langfristig und strategisch in die Zukunft planen. Wentzler war ein offener Verfechter des Crowdfundings. „Viele Kleine investieren in etwas Großes“, erläutert er sein Lieblingsmodell der stillen Beteiligungen ohne operativen Eingriff.
Manchmal gab er auch „umsonst“
Henrik Wentzler hat im Bezirk Reutte in den letzten Jahren unter anderem Kapital in der Elektrobranche, im Holzbau, in der Immobilienentwicklung und in Logistik- und Medienfertigungsunternehmen angelegt.
Als „Mäzen“ sah er sich selbst nicht. Trotzdem wollte er nicht immer alle investierten Mittel zurückhaben. Manchmal gab er auch „umsonst“, wie er selbst sagte. Wobei noch keine einzige Investition umsonst gewesen sei. Er habe viel zurückbekommen, etwa Freundschaften.
Kleider mochten vielleicht Leute machen, aber noch keine Millionäre. Wenn Henrik Wentzler auf seinem Reiterhof am Bagger saß, sah ihm niemand sein Vermögen an. Der Deutsche musste Dinge in die Hand nehmen können, war ein haptischer „Begriffs“-Mensch. Büroarbeiten waren ihm eigentlich zuwider, hoch am Tragger fühlte er das Leben pochen. Dresscode und der bloße Schein waren dem Jagdmann jedenfalls gänzlich unwichtig.
Lech Funding Contest
Sein Leuchtturmprojekt, erst vor wenigen Tagen ins Finale gegangen, war der von ihm kreierte Tiroler Lech Funding Contest. Damit wollte Henrik Wentzler nachhaltige Unternehmensideen im Außerfern und Allgäu auf den Weg bringen – mit seiner kräftigen finanziellen oder ideellen Unterstützung. Nicht völlig unähnlich der erfolgreichen Castingshow „Die Höhle des Löwen“. In Kooperation mit dem kdg-campus wurde ein Wettbewerb für neue Businessideen ausgeschrieben., an dem sich rund 30 Interessierte beteiligten. Acht Gewinner wurden Mitte November der Öffentlichkeit präsentiert. Sie freuten sich über Markteinschätzungen, Netzwerke, Vertriebsunterstützung und teils monetäre Hilfe, die Henrik Wentzler den Jungunternehmern in Aussicht gestellt hatte.
Wie es jetzt – so kurz nach dem Tod des Pioniers, der zwei erwachsene Kinder hinterlässt - weitergeht, weiß im Moment noch niemand. Aus Familienkreisen wurde Betroffenen im Außerfern aber schon Prinzipielles signalisiert: nämlich, dass das Werk und die Ideen Henrik Wentzlers in seinem Sinne fortgeführt werden sollen.