First Aid Kit - Gebrochenes Herz, Schneesturm und dunklere Lieder

Wien (APA) - Die Verpackung verrät viel über den Inhalt: Waren Klara und Johanna Söderberg alias First Aid Kit auf dem Plattencover ihres le...

Wien (APA) - Die Verpackung verrät viel über den Inhalt: Waren Klara und Johanna Söderberg alias First Aid Kit auf dem Plattencover ihres letzten Albums noch im Hippie-Look vor blauem Himmel zu sehen, so ziert den Nachfolger ein Schwarz-Weiß-Foto. Und die Schwestern tragen Schwarz. „Die Platte erweckt einen dunkleren Eindruck“, sagten die Schwedinnen im APA-Interview. „Aber nicht alle Lieder sind traurig.“

Man muss es vorweg betonen: Der am Freitag erscheinende Tonträger „Ruins“ ist erneut ein großartiges Stück Folk-Pop mit Country- und Americana-Einflüssen geworden. Dem Duo gelang es einmal mehr, den Sound zu modifizieren, sich aber gleichzeitig treu zu bleiben. „Diesmal wollten wir mehr Verzerrung, Keyboards und Bläser. Das Album sollte sich roher als die Vorgänger anfühlen“, erzählte Klara (25), die jüngere der Schwestern. Was sicherlich nicht zuletzt den Texten geschuldet ist.

Denn die Lieder auf „Ruins“ wurden in einer Zeit der Trennung - und eines damit einhergehenden gebrochenen Herzens - geschrieben. Außerdem wütete ein Schneesturm in Portland, als First Aid Kit dort in einem Studio an dem Album arbeiteten. „Es war kalt und unwirtlich in der Stadt. Das passte zur Stimmung der Songs“, betonte Johanna.

Emotionen prägen den Sound der Band. Daher lassen sich die Söderbergs, auch wenn sie mit bestimmten Vorsätzen an die Arbeit gehen, in erster Linie von Intuition leiten, wie sie versicherten: „Am besten fahren wir, wenn wir uns auf unser Gefühl verlassen. Wenn sich ein Song gut anfühlt, dann machen wir in die Richtung weiter, in die er sich bewegt.“ So entwickelte sich etwa das Lied „Postcard“ in einen traditionellen Country-Song. „Wir verstehen uns nicht als Country-Band, aber wir sind stark von dem Genre beeinflusst. Country hat sich für diesen Song gut angefühlt. Und wie gesagt, wenn sich ein Song gut anfühlt, dann ...“

Klara und Johanna Söderberg haben mit ihren glasklaren Stimmen und ihrem aus der Zeit gefallenen Folk nicht nur berühmte Kollegen wie Conor Oberst und Jack White begeistern können: Auf drei erfolgreiche Alben blicken die Schwestern, die unter dem Bandnamen First Aid Kit bekannt wurden, mittlerweile zurück. Für den vierten Longplayer „Ruins“ haben sie nicht nur mit namhaften Musikern wie Peter Buck (R.E.M.) und Glenn Kotche von Wilco gearbeitet, sondern erstmals Tucker Martine (u.a. My Morning Jacket) als Produzenten dazugeholt.

„Manchmal muss man Neues ausprobieren und sich Herausforderungen stellen, sich aus der Komfortzone bewegen und sich in einen Raum mit Leuten stellen, die man nicht kennt“, sagte Klara. Ihre Schwester ergänzte: „Wir sind über die Jahre offener geworden, was die Arrangements betrifft. Man muss sich erst richtig sicher fühlen, um einen Folk-Song etwa mit einem Trompetensolo enden zu lassen. Diese Selbstsicherheit haben wir mittlerweile.“

Die Söderberg-Schwestern sind ein gutes Beispiel dafür, dass junge Menschen sich durchaus noch intensiv mit Musik beschäftigen, dabei auf Entdeckungsreise gehen und sich nicht nur von Playlisten auf Streaming-Diensten und Formatradios berieseln lassen. Ein wenig Hilfe aus der Verwandtschaft kann dabei nicht schaden: „Wie waren Teenager, als uns unser Onkel eine Platte von Gram Parsons geschenkt hat. Wir haben das Album sofort geliebt. Es hat uns geprägt. Also sind wir unserem Onkel sehr dankbar“, lachten die beiden.

(Das Interview führte Wolfgang Hauptmann/APA)

(S E R V I C E - www.firstaidkitband.com)