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Drogenring in Tirol gesprengt: 45 Verdächtige in Haft

Erstmals zerschlug die Tiroler Polizei eine große Dealer-Organisation, bei der Afghanen den Ton angaben. 50 Kilo Marihuana sollen in sechs Monaten verkauft worden sein.

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(Symbolfoto)
© APA/Angelika Kreiner

Von Thomas Hörmann

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Innsbruck – 45 Festnahmen, 31 Verdächtige in Untersuchungshaft, sieben Kilo Marihuana beschlagnahmt: So lautet das Ergebnis monatelanger Ermittlungen, die jetzt zur Zerschlagung einer großen Dealer-Organisation geführt haben. „Eigentlich waren es drei Gruppen, die aber eng zusammenarbeiteten und von den gleichen Lieferanten in Wien das Suchtgift bezogen“, nennt Katja Tersch, stv. Leiterin des Landeskriminalamtes, Details des Ermittlungserfolges. Die insgesamt 60 ausgeforschten Verdächtigen sollen in nur einem halben Jahr 50 Kilo Marihuana im Großraum Innsbruck und im Unterland unters Volk gebracht haben. Bemerkenswert: Erstmals gelang es der Tiroler Polizei, eine große Dealer-Organisation zu zerschlagen, bei der Afghanen den Ton angaben.

Es war im vergangenen Frühling, als die ersten Hinweise aus der Innsbrucker Bevölkerung bei der Polizei eingingen. Hinweise zu Dealern, die im Hofgarten Drogen anbieten und verkaufen würden. Der Auftakt für die Ermittlungen. Während Innsbrucker Polizisten verstärkt durch die Parkanlage streiften und Schwerpunkt-Kontrollen durchführten, nahmen Beamte des Landeskriminalamtes die Strukturen hinter den Straßenhändlern unter die Lupe. Schon bald konnten die Ermittler feststellen, dass sie es nicht mit einer, sondern drei Gruppen zu tun hatten. „Diese Gruppen waren in unterschiedlichen Gebieten tätig“, sagt Tersch: „Eine im Innsbrucker Hofgarten, die zweite in Innsbruck, im Bezirk Innsbruck-Land und in Imst und die dritte im Bezirk Kufstein.“

Wie die Kriminalisten herausfanden, waren alle drei Banden hierarchisch gegliedert und miteinander vernetzt. Als weitere Gemeinsamkeit bezogen die drei Dealer-Ringe das Suchtgift zumindest teilweise von denselben Lieferanten in Wien. Beim Schmuggel der heißen Ware quer durchs Bundesgebiet war alles auf Schiene, die Kuriere fuhren vornehmlich mit dem Zug. Um das Risiko gering zu halten, setzten die Capos vor allem minderjährige Asylwerber und einheimische Mädchen als Kuriere ein. In Kufstein bzw. Innsbruck übernahmen ortsansässige Bandenmitglieder die Lieferung. „Das Suchtgift wurde dann so schnell wie möglich, das heißt innerhalb weniger Stunden, auf die Unterhändler aufgeteilt“, erzählt Tersch. Auch hier lautete die Devise, das Risiko gering zu halten – offenbar sollte vermieden werden, dass ein Dealer mit einer großen Suchtgiftmenge erwischt wird.

Die Unterhändler „wiede­rum sollen das Marihuana anschließend gewinnbringend an weitere Unterhändler oder direkt an ihre Abnehmer verkauft haben“, heißt es in der Aussendung der Polizei.

Die Zerschlagung der drei Dealer-Banden lief „tröpfchenweise ab“, sagt Tersch: „Die ersten Zugriffe erfolgten schon im Oktober, die letzten Verdächtigen wurden in der Vorwoche festgenommen.“ Bei den Hausdurchsuchungen beschlagnahmten die Beamten rund sieben Kilo Marihuana im Schwarzmarktwert von 70.000 Euro, einen Totschläger und 6000 Euro in bar.

Von den 45 festgenommenen Beschuldigten stammen 27 aus Afghanistan, zwei aus dem Iran, bei elf handelt es sich um Einheimische. Aber auch ein Armenier, ein Syrer, ein Türke und ein Deutscher sollen bei den Drogengeschäften mitgewirkt haben. Gegen 31 Verdächtige wurde die Untersuchungshaft verhängt, sie befinden sich in den Justizanstalten von Innsbruck und Wien. Das jüngste Bandenmitglied ist 15 Jahre alt, das älteste 48.

Bei den bisherigen Einvernahmen haben die Verdächten die Straftaten zumindest teilweise gestanden. Das Marihuana dürfte aus dem Ausland stammen.


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