Neue Wahlkampfrunde in Tschechien hat begonnen
Prag (APA) - In Tschechien hat ein fast zweiwöchiger Wahlkampf vor dem Finale der Präsidentschaftswahl zwischen dem amtierenden Staatschef M...
Prag (APA) - In Tschechien hat ein fast zweiwöchiger Wahlkampf vor dem Finale der Präsidentschaftswahl zwischen dem amtierenden Staatschef Milos Zeman und dem früheren Direktor der Wissenschaftsakademie Jiri Drahos angefangen. Während Zeman sich vor allem auf sein rhetorisches Können in TV-Duellen verlässt, hofft Drahos darauf, dass er bei Reisen in die Regionen neue Wählerstimmen gewinnen wird.
Eine „Debatte über Debatten“ brach aus: Zeman zeigte sich bereit, sich einem oder auch zwei TV-Duellen zu unterziehen, was er vor der ersten Wahlrunde strikt abgelehnt hatte. Dabei stellt die Präsidentenkanzlei eine Bedingung: keine der Debatten sollte im öffentlich-rechtlichen Tschechischen Fernsehen (CT) stattfinden. In jenem Sender, mit dem Zeman seit Jahren im Clinch steht, weil er ihn als „Sprachrohr“ der liberal-konservativen Partei TOP 09 betrachtet.
Demgegenüber nichts habe Zeman gegen ein Duell mit Drahos im privaten TV-Sender „Prima“, der beide Kandidaten eingeladen hat. Drahos beharrt aber auf CT. „Einen Ort sollte der Herr Präsident und einen ich wählen. Und ich habe mich für CT entschieden“, so Zemans Herausforderer.
Auch wenn Zeman als brillanter Rhetoriker gilt, der stundenlang frei zu reden weiß, betrachtet das Wahlkampf-Team von Drahos den Staatschef in dieser Disziplin nicht für unbesiegbar. „Zeman ist nicht mehr so in Form wie früher, während Drahos von Debatte zu Debatte besser ist“, meinte Jaroslav Sebek aus dem Drahos-Team in Anspielung auf die angeschlagene Gesundheit des amtierenden Staatschefs. Die Diskussionen Zemans bei Treffen mit Bürgern bei seinen Reisen in die Regionen seien kürzer geworden und Zeman lehne sich bei Pressekonferenzen an das Rednerpult, heißt es.
Außerdem könnte sich die wohl stärkste Waffe Zemans, die Redekunst, gleichzeitig als eine Schwäche zeigen. Laut Kritikern spricht Zeman oft „schneller als er denkt“, was er auch kürzlich bewiesen hat. Etwa sagte er an die Adresse der Symbolfigur des „Prager Frühlings 1968“ Alexander Dubcek, dass er sich „in die Hose gemacht“ habe. Und unmittelbar nach der ersten Wahlrunde brüstete sich Zeman vor Journalisten, dass ihn die heimische Pop-Ikone Karel Gott unterstützt habe. Karel Gott dementierte es jedoch.
Drahos plant unterdessen mehrere Reisen in die Regionen, um mit den Wählern zu reden. Die erste Runde zeigte nämlich, dass Zeman gerade dort stark war, während Drahos nur in der Hauptstadt Prag gewann.
Laut Kommentatoren hat Drahos eine sehr gute, wenn nicht die bessere Ausgangsposition für die Stichwahl am 26. und 27. Jänner. Die Kandidaten auf Platz drei bis sechs, die insgesamt über 32 Prozent der Stimmen erhielten, sprachen ihre Unterstützung für Drahos aus. „Wenn die Wähler von Pavel Fischer, Michal Horacek und Marek Hilser zur Stichwahl kommen, ist Zeman erledigt“, freut sich der Klubobmann von TOP 09 Miroslav Kalousek. Drahos zeigt sich vorsichtiger. „Die Arithmetik funktioniert nur in Schulheften so. Die Wahlarithmetik geht ganz anders“, sagte der Akademiker.
Es gilt auch nicht als sicher, dass alle Wähler aus dem rechten Spektrum automatisch gegen Zeman, der eher in das Linkslager eingeordnet ist, stimmen würden. Etwa der frühere rechtskonservative Staatschef Vaclav Klaus sowie sein gleichnamiger Sohn, nun aktives Mitglied der konservativen Demokratischen Bürgerpartei (ODS), erklärten, sie würden in der Stichwahl Zeman wählen.
Der TOP 09-Abgeordnete Dominik Feri hält für wichtig, dass vor allem junge Menschen Drahos unterstützen. Er wolle sie aktiv dazu auffordern. „Damit es nicht wie vor fünf Jahren ausgeht, wo alle verbal Karel Schwarzenberg unterstützten, dann aber in die Berge abgereist sind“.