,,Sound of 2018“: Junge Norwegerin vom Pop-Orakel geadelt
Geht es nach den Experten der BBC, dann liefert die Norwegerin Sigrid den „Sound of 2018“. Ausgemachte Sache ist ihr Durchbruch freilich noch nicht.
Innsbruck –Das Superhelden-Desaster „Justice League“ konnte im vergangenen Herbst selbst Sigrid Solbakk Raabe, die sich auf der Bühne schlicht Sigrid nennt, nicht retten. Aber vielleicht wusste die 21-jährige Norwegerin ja, worauf sie sich bei der – bei der Kritik komplett durchgefallenen – Comic-Verfilmung einließ. Schließlich sang sie für den Soundtrack mit ihrem von dumpfen Beats und zartem Piano begleiteten Cover von Leonard Cohens „Everybody Knows“ eine besonders dunkelgraue Weltuntergangshymne ein.
Gepasst hätte der sich behutsam hochschraubende Song auch zu einem James-Bond-Film. Doch das 25. Abenteuer von 007 ist erst im Entstehen. Trotzdem sind Sigrids Chancen, mit dem nächsten Bond-Song betraut zu werden, inzwischen sprunghaft gestiegen. Denn die Sängerin, die Mai 2017 die EP „Dont’t Kill My Vibe“ veröffentlichte und es mit der gleichnamigen Single immerhin auf Platz 62 der britischen Charts schaffte, wurde von der hochhonorigen BBC dieser Tage zur vielversprechendsten Musikerin der kommenden zwölf Monate gekürt. Gleiches gelang auch Adele (2008) und Sam Smith (2014) – beide komponierten und sangen später oscargekrönte 007-Nummern.
Ausgemachte Sache ist der Durchbruch allerdings auch nach einer wohlwollenden BBC-Prognose, für die dieses Mal rund 130 Musikexperten abgestimmt haben, nicht: Gerade in den vergangenen Jahren lag das Pop-Orakel gehörig daneben. „Phase“, das Debütalbum von Jack Garratt, der den „Sound of 2016“ hätte liefern sollen, floppte; Ray BLK, die 2017er-Hoffnung, bastelt noch immer am ersten echten Studioalbum. Markantestes Beispiel dafür, dass Kaffeesudlesen auch dann Kaffesudlesen ist, wenn es von Musikprofis forciert wird, bleibt allerdings Lady Gaga, die 2009 gerade einmal auf Rang sechs gelistet wurde – und seither trotzdem den Ton angibt, während die vermeintliche Durchstarterin Little Boots noch heute ein Geheimtipp ist.
Die Gründe dafür sind vielfältig: Vor allem sprunghafte Streaming-Trends und kurzfristige Internethypes verdunkeln den Blick in die Zukunft. Im Internet übrigens war Sigrid schon vor dem Ritterschlag der BBC ein Hit: Allein ihr fraglos charmanter und noch fragloser auch Formatradio-tauglicher Song „Don’t Kill My Vibe“ wurde auf YouTube knapp fünf Millionen Mal aufgerufen. „Strangers“ – Sigrids jüngste Single – steht aktuell bei 3,9 Millionen Klicks. Das Lied erinnert an den eingängigen Power-Pop von Ellie Goulding. Die wurde der Prognose von 2010 gerecht, startete durch – und galt Buchmachern bereits 2015 als aussichtsreiche Kandidatin für den nächsten Bond-Song. (jole)