Prozess wegen Juwelierüberfalls in Linz - Zehn Jahre Haft

Linz (APA) - Wegen eines brutalen Raubüberfalls auf einen Linzer Juwelier im Juli 2017 ist am Montag einer von vier mutmaßlichen Tätern am L...

Linz (APA) - Wegen eines brutalen Raubüberfalls auf einen Linzer Juwelier im Juli 2017 ist am Montag einer von vier mutmaßlichen Tätern am Landesgericht zu zehn Jahre Haft verurteilt worden. Der 37-Jährige war im Herbst in Schweden gefasst worden, seine Komplizen sich noch auf der Flucht. Der Angeklagte gestand die Tat, als Motiv nannte er Schulden bei einem Kredithai. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

Der Überfall in der Innenstadt hatte nicht einmal zwei Minuten gedauert. Einer der Täter, mit Schirmkappe und Sonnenbrille getarnt, hatte an der Eingangstür des Schmuckgeschäfts geläutet, in dem sich zu dem Zeitpunkt drei Mitarbeiterinnen und eine Kundin aufhielten. Als ihm geöffnet wurde, stürmte er mit seinen Komplizen, die sich im Hintergrund gehalten hatten, in den Verkaufsraum. Er bedrohte mit einer Softgun eine Verkäuferin und riss sie an den Haaren zu Boden. Dann forderte er mit Waffengewalt auch die anderen Frauen auf, sich hinzulegen. Unterdessen zertrümmerten der Angeklagte und die anderen beiden mit Äxten die Vitrinen und räumten diese aus. 53 Luxus-Uhren im Wert von mindestens 461.000 Euro steckten sie ein. Anschließend flüchteten sie mit einem Auto.

DNA-Spuren am Tatort führen die Kriminalisten im Herbst zu dem Angeklagten. Der bereits einschlägig Vorbestrafte - er hatte 2009 in Dänemark einen Juwelier überfallen - wurde dann im Oktober am Flughafen in Malmö geschnappt und nach Österreich ausgeliefert.

Staatsanwältin Sabine Redl ging davon aus, dass der Angeklagte als „Mitglied einer kriminellen Vereinigung“ den Überfall vorbereitet und durchgeführt habe. Der Serbe war extra aus seiner Heimat nach Wien gekommen. Dort traf er in einer Wohnung auf die drei Komplizen. Einige Tage vor dem Raub in Linz stahl der Mann noch in Wels das Fluchtauto.

Verteidiger Wolfgang Lackner hingegen erklärte in seinem Plädoyer, dass sein Mandant „nur an der Ausführung und nicht an der Planung beteiligt“ gewesen sei. Er habe aus einer finanziellen Notsituation heraus gehandelt. Ein Kredithai, bei dem er mit der Rückzahlung von 12.000 Euro in Verzug war, habe ihm das Angebot gemacht, wenn er einen Pkw stehle, könne er seine Schulden um 1.000 Euro reduzieren, konkretisierte der Angeklagte das Tatmotiv. Mit diesem Ziel sei er von Serbien über Ungarn nach Österreich gereist. Erst hier habe er dann erfahren, dass er auch mit drei anderen Männern, die er allerdings nicht kenne, den Überfall begehen sollte.

„Wie kam es jetzt dazu, dass aus dem ursprünglichen Plan, ein Auto zu stehlen, letztendlich der Plan wurde, einen Überfall zu begehen,“ wollte Richter Rainer Nimmervoll genau wissen. Als Lohn für den Uhrenraub habe ihm der komplette Nachlass seiner Schulden gewunken, meinte der Arbeitslose. Von der Beute habe er nie etwas gesehen, er wisse nach wie vor nicht, wo sie sich befinde. Genauso wenig habe er eine Ahnung, wo sich seine Komplizen aufhalten. „Sie sind jetzt schuldenfrei, sitzen aber dafür im Häfen“, brachte es der Richter auf den Punkt. „Ja“, nickte der Angeklagte. Aber er sei sich bewusst, einen Fehler gemacht zu haben, und würde es nicht wieder tun, gab er sich auf Nachfrage seines Anwalts reuevoll.

Das Schöffengericht sah es als erwiesen an, dass der Angeklagte als Mitglied einer kriminellen Vereinigung den schweren Raub begangen hatte. Für Nimmervoll sprach „verdammt viel dafür“. Daher erhielt er - nicht zuletzt auch wegen seiner Vorstrafe - zehn Jahre Haft für diese professionell und brutal ausgeführte Straftat. Staatsanwältin und Verteidiger gaben keine Erklärung ab, damit ist das Urteil nicht rechtskräftig.