Landesrat Hans Mayr - Ein „Macher“ mit Transparenzdefiziten
Salzburg/Goldegg (APA) - Die Freude und der Stolz waren dem Dorfbürgermeister ins Gesicht geschrieben, als er 2013 für das Team Stronach Tei...
Salzburg/Goldegg (APA) - Die Freude und der Stolz waren dem Dorfbürgermeister ins Gesicht geschrieben, als er 2013 für das Team Stronach Teil der Salzburger Landesregierung wurde. Für eine ganze Funktionsperiode hat es letztlich aber nicht gereicht. Nun ist Hans Mayr über seine unkluge und tollpatschige Informationspolitik in Sachen Parteispenden gestolpert. Am Montag kündigte der 57-Jährige seinen Rücktritt an.
Dabei hatte der umtriebige Verkehrs- und Wohnbaulandesrat vom Start weg ein hohes Tempo an den Tag gelegt. Mayr suchte intensiv Kontakt zu den Medien und fehlte bei kaum einer Eröffnung eines gemeinnützigen Wohnbauprojekts oder Kreisverkehrs. Der 57-Jährige sah sich gerne als „Macher“ - und wurde vielfach über Parteigrenzen hinweg geschätzt. Er identifizierte sich mit seinen Ressorts, auch wenn ihm der Spagat zwischen seinen Überzeugungen und den Wünschen der Koalitionspartner nicht immer leicht fiel. So galt Mayr etwa anders als die ÖVP als entschiedener Verfechter einer Lkw-Maut auf Bundesstraßen.
Mit dem Stronach‘schen Werten „Wahrheit, Transparenz und Fairness“ hat es der seit 2015 parteifreie Politiker allerdings nicht immer genau genommen - nicht nur der Öffentlichkeit, sondern auch seinen Regierungskollegen und dem Landtag gegenüber. Als etwa längst klar sein musste, dass das neue Wohnbauförderungsmodell des Landes nicht mehr finanzierbar war, bezeichnete Mayr entsprechende Anfragen der Opposition im Landtag als „Legende“. Kurz darauf musste das umstrittene Modell repariert werden. Allerdings hielten die Regierungskollegen bis dato zu Mayr: Er überstand im Landtag insgesamt zwei Misstrauensanträge.
Der begeisterte Flügelhornspieler und langjährige Obmann der Trachtenmusikkapelle seiner Heimatgemeinde Goldegg (Pongau) gilt zudem als eitel. Im Zuge der Regierungsverhandlungen 2013 hätte Mayr gerne die „Volkskultur“ übernommen. Die sollte aber neu unter das Dach von Kulturlandesrat Heinrich Schellhorn (Grüne) kommen. Gelöst wurde der Konflikt, indem Mayr versprochen wurde, dass er natürlich zu Veranstaltungen gehen dürfe und dort begrüßt werde, berichtet ein Koalitionsverhandler in einem jüngst erschienen Buch.
Mayr - verheiratet und Vater dreier Kinder - war bis zu seinem Einzug in die Landesregierung Banker, nach Abschluss der Handelsschule war er bis zum Filialleiter aufgestiegen. Von 2008 bis 2013 war er für die ÖVP Bürgermeister von Goldegg. Doch das war dem ehrgeizigen Politiker zu wenig. Als sein Wunsch, Bezirksobmann der ÖVP zu werden, von der Parteispitze übergangen wurde, nutze er die Gunst der Stunde, als Frank Stronach auf der politischen Bühne erschien. Mayr erzählt die Geschichte freilich anders: Er sei nicht damit einverstanden gewesen, dass die ÖVP in der Regierung eine Mitverantwortung am Salzburger Finanzskandal von sich geschoben habe. Wie auch immer: Im Februar 2013 trat er aus der ÖVP aus und wurde im Folgemonat zum Spitzenkandidaten für das Team Stronach.
Bei der Landtagswahl im Mai 2013 erhielt die Partei auf Anhieb 8,3 Prozent und drei Mandate - und wurde später Teil der frei gebildeten Dreierkoalition mit ÖVP und Grünen. Mayr zog als Landesrat für Verkehr und Wohnbau in die Landesregierung ein. Intern begann das Team Stronach rasch zu zerbröckeln. Nach zunehmenden Konflikten mit der Bundespartei, Parteigründer Frank Stronach und dem Klubobmann der eigenen Fraktion trat Mayr im November 2015 aus der Partei aus und blieb parteifreier Landesrat.
Im Frühjahr 2016 gründet er die „Salzburger Bürgergemeinschaft“ - also jene Partei, für die er sich nun so unglücklich um Spendengelder bemühte. Noch vor Weihnachten hatten ihm ÖVP und Grüne wegen der Vorwürfe die Stange gehalten.