Rodelunfälle: Wenn aus Spaß Ernst wird
Die Gefahr beim Rodeln wird oft unterschätzt. Passende Ausrüstung kann Leben retten.
Von Nikolaus Paumgartten
Innsbruck –Die gute Nachricht vorweg: Jener vierjährige Deutsche, der am Freitag vergangener Woche bei einem Rodelunfall schwer verletzt wurde, ist auf dem Weg der Besserung. Wie berichtet, war der Bub am Freitag in Achenkirch nach rund hundert Metern Fahrt mit dem Kopf gegen einen Baum geprallt, nachdem er sich – von Erwachsenen unbemerkt – auf das Wintersportgerät gesetzt hatte. Laut Auskunft der Innsbrucker Klinik befindet sich der Bub allerdings weiterhin auf der Kinder-Intensivstation. Zwei Tage zuvor ereigneten sich in Hainzenberg im Zillertal gleich vier Rodelunfälle, am Sonntagabend verletzte sich in Weerberg ein 78-jähriger Rodler, als er gegen einen Baum fuhr. Und Montagmittag brach sich ein 42-jähriger Russe den Oberschenkel – ebenfalls auf der Rodelbahn in Hainzenberg.
In der Winter-Statistik der alpinen Unfallgeschehen werden Rodelunfälle regelmäßig erfasst. Laut einer parlamentarischen Anfragebeantwortung vom vergangenen August haben sich in der Wintersaison 2016/17 in Tirol 76 polizeilich bekannte Rodel- und Bobunfälle ereignet – das entspricht mehr als einem Drittel der Rodelunfälle in Österreich (189). Dabei wurden 77 Personen verletzt, ein Mensch kam ums Leben. Bei fünf Unfällen hierzulande war Alkohol im Spiel, bei 24 kam es in der Folge zu gerichtlichen Strafanzeigen. Die Hälfte der in Österreich in Rodelunfälle verwickelten Personen waren zwischen elf und 30 Jahre alt.
Das Kuratorium für Alpine Sicherheit weist in seinem Leitfaden zum sicheren Rodeln darauf hin, dass es sich bei der Sportart um einen Hochgeschwindigkeitssport handelt. Aus Sicherheitsgründen sollten keine Plastikbobs verwendet und Wert auf eine gute Ausrüstung gelegt werden. Dazu würden Qualitätsrodel, Schutzhelm und festes Schuhwerk zählen. Rodler sollten sich außerdem über den Zustand der Strecke informieren und Geschwindigkeit und Fahrweise ihrem Können anpassen. An engen und unübersichtlichen Stellen ist das Anhalten tabu, bei Dunkelheit sind Stirnlampe und reflektierende Kleidung ein Muss.