Südtiroler Serientäter: „Jetzt müsst ihr uns den Kampf ansagen“
Zweimal in Folge war die Streif von Kitzbühel in Südtiroler Hand: Titelverteidiger Dominik Paris und Vorgänger Peter Fill sind am Samstag die großen Gejagten. Die TT traf die beiden Speed-Stars zum Doppel-Interview über Party, Erfolg und Sicherheit.
Herr Fill, Herr Paris, Wengen und Kitzbühel gelten als die großen Abfahrts-Klassiker. Lassen sich die Rennen mit anderen vergleichen?
Dominik Paris: Nein, es geht immer um die Geschichte des Orts. Und die ist hier wie dort einzigartig ...
Peter Fill: ... und es ist die Atmosphäre, die zählt. Die Schweizer Fans sind einfach gewaltig. Wengen ist im Weltcup mein Lieblingsort.
Und wie sind die Fans in Kitzbühel?
Fill: Kitzbühel ist mehr Party, da ist weniger Interesse am Skifahrer selbst. Das Hauptthema ist das Rennen, und wer gewinnt — wer Fünfter, Sechster, Siebter wird, weiß keiner mehr. In Wengen sind dagegen alle Idole, die mitfahren. Da sieht man den Unterschied. Das ist auch in Adelboden so — da ist das Rennen ein Fest, und nicht nur wie in Kitzbühel eine Party.
Stichwort Feier: Herr Paris, Sie sind Teil einer Heavy-Metal-Band, spielen gerne mit der Gitarre auf und gelten im Weltcup ein wenig als Party-Macher. Wie haben Sie Ihren Sieg 2017 gefeiert?
Paris: Gemütlicher als den ersten 2013 (lacht). Logisch, einen Kitzbühel-Sieg muss man feiern. Man hat dann ja zwei, drei Tage Zeit zum Erholen. Also ein paar Bier haben wir schon getrunken ...
Und 2013?
Paris: Da war es ein bisschen mehr Party (lacht).
Wie haben Sie Ihren Abfahrts-Sieg 2016 gefeiert, Herr Fill?
Fill: Ich habe nur bis zu einem gewissen Punkt gefeiert, weil ich ein anderes Ziel im Auge hatte. Ich wollte damals ins Londoner, da war alles voll. Da hätten wir eine Bierdusche bekommen, ich war aber nicht vorbereitet. Es war kalt, ich hatte nichts zum Umziehen dabei. Mein Fahrer war dann so fair und sagte mir: „Ich würde da nicht reingehen." Dann bin ich heimgegangen zu Frau und Kind.
Mit „anderes vorgehabt" meinen Sie die kleine Kugel im Abfahrtsweltcup?
Fill: Ja.
Sie haben inzwischen zwei kleine Abfahrts-Kugeln, dazu einen Streif-Sieg. Fühlen Sie sich als vollkommener Skifahrer?
Fill: Schwer zu sagen. Das sind einige der größten Sachen, die du gewinnen kannst in unserem Sport. Die letzte Saison hat es zu keinem Sieg gereicht, aber wenn am Ende trotzdem die Kugel herausschaut, ist man gut bezahlt. Das war 2016 mein großes Ziel — in Kitzbühel war der Gedanke schon bei der Kugel. Wenn ich feiere, bin ich in Garmisch fertig. Aber im Nachhinein wär's g'scheiter gewesen zu feiern, weil ich eh nur Elfter war. (Anm.: Fill gewann den Weltcup mit 23 Punkten Vorsprung, für Rang elf gibt es 24.)
Und wieso liegt den Südtirolern die Streif?
Paris: Keine Ahnung. Wenn dir etwas liegt, dann geht es etwas leichter von der Hand.
War da eine perfekte Fahrt dabei in Kitzbühel?
Paris: Der erste Sieg 2013 — viel besser geht es nicht. Einen perfekten Lauf gibt es nicht, da findest du immer etwas, wo es besser hätte sein können. Aber man wird halt mit dem Älterwerden gescheiter.
In Ihrer Jugend soll der Funke erst später übergesprungen sein. Wenn Sie sich mit 18 und 28 vergleichen, wie sieht der Vergleich aus?
Paris: Die Selbstständigkeit hat sich verändert. In der Jugend brauchst du jemand, der dich antreibt. Du kannst dir nicht vorstellen, dass es wirklich so viel Arbeit braucht. Jetzt weiß ich: Ich muss trainieren. Ich bin pflichtbewusster.
Hat sich auch das Leben als Vater verändert, was das Risiko betrifft, Herr Fill?
Fill: Meine große Angst war immer, dass ich nicht mehr Rennen fahren kann, wenn ich Vater werde. Dass ich mich nicht mehr traue, Vollgas zu geben. Aber mein größter Traum war es immer, eine eigene Familie zu haben und ein Haus (Kastelruth, Anm.) zu bauen. Das habe ich erreicht. Seitdem bin ich auch im Flachen richtig gut (lacht).
Das Thema Sicherheit kam heuer wieder auf — belastet Sie das vor Kitzbühel?
Paris: Ich denke über so etwas nicht nach. Ich bin hier, um Rennen zu fahren, und konzentriere mich darauf.
Fill: Für mich war es in dem Moment brutal schwierig, als der tödliche Unfall von David Poisson passiert ist. Aber du darfst so etwas nicht in deinen Kopf lassen. Wenn wir auf der Strecke sind, egal wo, ist viel Sicherheit gegeben. Aber es ist kein sicherer Sport. Bei Poisson hat viel zusammengespielt. Aber das müssen wir ausblenden — sonst können wir nicht mehr fahren.
In der Kritik waren auch die sehr dünnen Rennanzüge.
Fill: Jeder hat da seinen Vorteil, den er geheim hält. Wenn die FIS nun hergeht und sagt wir regulieren die Anzüge. Dann wäre das Thema weg vom Tisch, es wäre wieder fair und sicherer. Alle hätten gleich schnelle Anzüge.
Zurück zum Renngeschehen: Gibt es etwas, was Sie sich gerne von Dominik Paris abschauen würden?
Fill: Den Fahrstil bin ich ihm nicht neidisch. Seine Einstellung, Entschlossenheit, Fähigkeiten sprechen für ihn.
Herr Paris, hätten Sie im Gegenzug gerne ein paar Kristallkugeln mehr?
Paris: Die sind noch ausständig (lacht). Das Gefühl, wie Peter die Kurven fährt, das geht mir noch ab. Das ist schwer zu lernen.
Wieso gewinnt heuer wieder einer von Ihnen?
Paris: Weil ich schneller bin als die anderen...
Fill: Ich versuche, dich einfach nicht gewinnen zu lassen ... Aber Dominik weiß, was er tun muss. Gewisse Sachen liegen einem, ihm liegt es. Sonst gewinnst du mit 28 Jahren nicht dreimal in Kitzbühel.
Sagt ihr den Österreichern den Kampf an?
Fill: Nein, ihr müsst uns den Kampf ansagen.
Paris: Das denk' ich auch, wir sind Titelverteidiger. Der Plan ist, dass wir das verlängern. Schauen wir mal, wie Peter und ich das aufteilen.
Fill: Heuer kannst du mir den Sieg ja lassen (lacht).
Die geraden Jahreszahlen gehören dann Ihnen?
Fill: Ja, Dominik, das können wir gerne so machen.
Das Gespräch führte Roman Stelzl
78. Hahnenkammrennen in Kitzbühel
ProgrammDIENSTAG11.30 Uhr: Abfahrtstraining
10.00/13.00 Uhr: Hahnenkamm Juniors (Ganslern)
DONNERSTAG11.30 Uhr: Abfahrtstraining
FREITAG11.30 Uhr: Super-G (live TT.com-Ticker und ORF eins)
18.00 Uhr: Startnummernvergabe Abfahrt
18.30 Uhr: Siegerehrung Super-G
SAMSTAG11.30 Uhr: Abfahrt (live TT.com-Ticker und ORF eins)
14.00 Uhr: Kitz Charity Trophy
18.00 Uhr: Startnummernvergabe Slalom
18.30 Uhr: Siegerehrung Abfahrt anschließend Feuerwerk
SONNTAG10.30 Uhr: Slalom, 1. Durchgang (live TT.com-Ticker und ORF eins)
13.30 Uhr: Slalom, 2. Durchgang (live TT.com-Ticker und ORF eins) anschließend Siegerehrung Slalom
PreisgeldAbfahrt: 1. Platz (74.000 Euro), 2. Platz (37.000 Euro), 3. Platz (18.500 Euro)
Slalom: 1. Platz (74.000 Euro), 2. Platz (37.000 Euro), 3. Platz (18.500 Euro)
Super-G: 1. Platz (55.500 Euro), 2. Platz (27.750 Euro), 3. Platz (13.875 Euro)
RekordsiegerAbfahrt: 5 - Didier Cuche (SUI) - 1998, 2008, 2010, 2011, 2012
Slalom: 5 - Ingemar Stenmark (SWE) - 1976, 1977, 1981, 1982, 1983
Super-G: 5 - Hermann Maier (AUT) - 2000, 2001, 2003, 2005, 2006