Reaktionen auf den Anschlag auf kosovarischen Serbenführer Ivanovic
Belgrad/Mitrovica (APA/dpa) - Die Regierung des kosovarischen Premiers Ramush Haradinaj hat den Mordanschlag auf Oliver Ivanovic, einen prom...
Belgrad/Mitrovica (APA/dpa) - Die Regierung des kosovarischen Premiers Ramush Haradinaj hat den Mordanschlag auf Oliver Ivanovic, einen prominenten serbischen Politiker im Nord-Kosovo, auf Schärfste verurteilt und laut Medien als gegen die Rechtsstaatlichkeit gerichtete Drohung bezeichnet. Die Regierung appellierte gleichzeitig an die Bürger, mit den Behörden bei der Aufklärung des Anschlags auf Ivanovic zu kooperieren.
Auch Vertreter der internationalen Staatengemeinschaft im Kosovo haben den Anschlag verurteilt und zur raschen Aufklärung des Falles aufgerufen. Die EU-Rechtsstaatlichkeitsmission EULEX werde dabei den kosovarischen Behörden alle notwendige Unterstützung im Rahmen ihrer Mission leisten, gab laut Belgrader Presseagentur Tanjug Missionssprecherin Dragana Solomon bekannt. Zahir Tanin, Chef der UNO-Interimsverwaltungsmission (UNMIK), zeigte sich über den Mord an Ivanovic geschockt und versprach via Twitter Unterstützung seitens der internationalen Agenturen.
Serbiens Staatspräsident Aleksandar Vucic berief indessen in Belgrad den nationalen Sicherheitsrat ein. Marko Djuric, Leiter der serbischen Delegation bei der laufenden EU-Vermittlung zwischen seinem Land und dem Kosovo in Brüssel, verließ nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa die Verhandlungen. „Das ist eine verbrecherische und terroristische Tat, die bestraft werden muss“, begründete er diesen Schritt.
Ivanovic, der seit 1999 von Belgrad akzeptierte Führer der serbischen Minderheit im Kosovo, ist am Dienstag vor seinem Büro in Nord-Mitrovica von Unbekannten erschossen worden. Die derzeitige Situation in dem mehrheitlich von Serben bewohnten Stadtteil wird von den Medien als gespannt bezeichnet. Die Straßen seien fast leer, auch zahlreiche Geschäfte seien geschlossen.
Der 64-jährige galt als einer der wenigen Politiker, die auch Albanisch sprachen und gute Beziehungen zur albanischen Mehrheit im Land unterhielt. In den vergangenen Jahren war er aber mit Belgrad zunehmend in Konflikt geraten. Zuletzt war sein Auto von Unbekannten in Brand gesteckt worden.
Das fast nur noch von Albanern bewohnte Kosovo war vor zehn Jahren von Serbien abgefallen. 1999 hatten NATO-Bomben serbisches Militär und Freischärler gezwungen, das Kosovo zu verlassen. Zuvor hatten Serben etwa 800.000 Albaner mit Waffengewalt vertrieben. Serbien will sich mit dem Verlust des Kosovos nicht abfinden und verlangt seine Rückkehr in den Staatsverband. Die EU bemüht sich seit vielen Jahren weitgehend erfolglos, zwischen den zerstrittenen Nachbarn zu vermitteln.