Wiener Symphoniker rufen 2018/19 zur Neuentdeckung Berlioz‘
Wien (APA) - Hector Berlioz zählt nicht zu den beliebtesten Komponisten im klassischen Konzerttreiben. Die „Symphonie Fantastique“ gilt als ...
Wien (APA) - Hector Berlioz zählt nicht zu den beliebtesten Komponisten im klassischen Konzerttreiben. Die „Symphonie Fantastique“ gilt als einsamer Schlager in seinem Oeuvre, die „Damnation de Faust“ gehört zumindest zum Standardrepertoire. Doch Berlioz, dessen 150. Todestag im Jahr 2019 ansteht, gilt es neu zu entdecken, meinen die Wiener Symphoniker - und tun das in der kommenden Saison im großen Stil.
Fünf Programme im Musikverein, zwei im Konzerthaus, dazu Termine in Graz und Bregenz hat das Wiener Orchester zusammengestellt und am heutigen Dienstag in einem Pressetermin präsentiert. „Ich hatte selbst einen weiten Weg zu Berlioz“, gestand Chefdirigent Philippe Jordan. Der Musikdirektor der Pariser Oper - der ab 2020 in derselben Funktion an der Wiener Staatsoper tätig sein wird - erarbeitete seine Faszination mit dem französischen Komponisten erst langsam und lernte ihn dabei vor allem als Meister der Orchestrierung kennen.
„Was ein Mozart für die Melodie war und ein Beethoven für die Form, das war Berlioz für die Orchestration“, so Jordan. Dazu komme in jedem seiner Werke die „poetische Idee“, die direkte Beeinflussung aus der Literatur. Und selbst bei bekannten Werken, wie der „Fantastique“ müsse man sich stets vor Augen führen, wie weit Berlioz damit musikhistorisch seiner Zeit voraus war. Zu dieser beliebtesten, programmatischen Symphonie komponierte Berlioz auch eine weit weniger bekannte und aufwendig besetzte Fortsetzung, „Lelio ou Le retour a la vie“ - beide Werke gemeinsam stehen im November im Musikverein am Programm.
Neben Jordan, der im Musikverein zum Ende des Reigens im Mai 2019 auch das ebenfalls selten gespielte Requiem mit Tenor Bryan Hymel dirigieren wird, sind mit Stephane Deneve, Bertrand de Billy und Francois-Xavier Roth ausgewiesene Berlioz-Spezialisten verpflichtet, wie Musikvereinschef Thomas Angyan aufzählte. Im Konzerthaus wird Thomas Hampson im November erstmals den Liederzyklus „Les Nuits d‘ete“ singen und kommt im Februar eine hochkarätige konzertante „Damnation“ mit Kate Aldrich, Saimir Pirgu, Michael Volle und Florian Boesch heraus.
Es sei schön und auch ungewöhnlich, so Konzerthaus-Chef Matthias Naske, dass man hier gemeinsam sitze und dieses Projekt präsentiere, „noch bevor eines der beiden Häuser sein Saisonprogramm vorgestellt hat“. Jordan und seine Symphoniker spielten - derzeit mit ihrem Beethoven-Zyklus - jedenfalls eine ganz zentrale Rolle im Konzerthaus. Der Kartenverkauf beginnt dennoch erst mit dem regulären Abo-Verkaufsbetrieb der beiden Häuser.