Tabarnia - Kataloniens Abspaltungsgegner drohen mit Abspaltung

Barcelona/Madrid (APA) - Die imaginäre Republik Tabarnia hat seit Dienstag einen ersten Präsidenten. Sein Name: Albert Boadella. Beruf: Eine...

Barcelona/Madrid (APA) - Die imaginäre Republik Tabarnia hat seit Dienstag einen ersten Präsidenten. Sein Name: Albert Boadella. Beruf: Einer der bekanntesten Komiker, Schauspieler und Theaterregisseure Kataloniens. Sein Ziel: Zum „Alptraum der Separatisten“ werden.

Mit ernster Miene und schwarzem Anzug trat er am Dienstag vor das Rednerpult. Im Hintergrund hängen die Flaggens Europas, Spaniens und natürlich Tabarnias. Seine Rede wird für die versammelten Journalisten per Videokonferenz übertragen, weil er sich im Exil befindet. Die Satire auf Kataloniens nach Brüssel geflüchteten Ministerpräsidenten Carles Pugidemont liegt auf der Hand.

„Ich bin ein Clown, aber neben ihm wirke ich wie ein normaler Schüler“, versichert der Komiker in Anspielung auf Puigdemont. Er witzelt über die Separatisten, ihre Argumente, ihre Ziele. Die imaginäre Republik Tabarnia wurde schon vor einigen Wochen als Gag ins Leben gerufen. Auf der Internet-Plattform „Barcelona is not Catalonia“ zerlegte eine Gruppe von Abspaltungsgegnern mit Humor und Satire die Argumente der Separatisten. Sie wollen die katalanischen Nationalisten mit deren eigenen Waffen schlagen und drohen mit einer Abspaltung der Unionshochburgen an der Mittelmeerküste vom restlichen Katalonien.

Sollten die Separatisten nach dem Sieg bei den Regionalwahlen vom 21. Dezember erneut an die Regierung kommen und den Unabhängigkeitsprozess fortsetzen, werde man die Abspaltung Tabarnias von Kataloniens vorantreiben, so Albert Boadella.

Tabarnia umfasst die urbanen Küstenregionen Tarragona und Barcelona. Hier pocht nicht nur das wirtschaftliche Herz Kataloniens, sondern wählten auch die meisten Menschen spanische Unionsparteien. „Hier leben die meisten Katalanen. Die Separatisten haben keine Stimmenmehrheit bei den Wahlen erhalten. Da Großstädte wie Barcelona und Tarragona durch das Wahlrecht aber proportional benachteiligt werden, haben sie mehr Sitze bekommen“, versicherte Jaume Vives, Sprecher der Online-Initiative am Dienstag vor Journalisten.

Was als Internet-Gag begann, ist sehr viral geworden. Hunderttausende unterstützen die anti-separatistische Initiative bereits. Die reine Idee vom „Tabarnexit“, der Abspaltung der beiden Regionen vom separatistischen dominierten Hinterland, findet auch bei katalanischen Unionsparteien Sympathie. „Natürlich ist das nicht real. Aber wenn die Nationalisten das inexistente Recht auf Abspaltung erheben, kann das jeder tun“, erklärte beispielsweise Albert Rivera, dessen bürgerliche „Ciudadanos“-Partei als stärkste Formation aus den Regionalwahlen vom 21. Dezember hervorging.

Natürlich ist die ganze Initiative nur eine humorvolle, satirische Antwort auf Kataloniens Separatisten. Aber einen Tag vor der Konstituierung des katalanischen Parlaments wollen die Initiatoren den Druck erhöhen. Und sie haben immer mehr Anhänger hinter sich, an den ersten Balkonen in Barcelona und Tarragona hängen bereits Tabarnia-Flaggen und nun hat die „Republik“ seit Dienstag auch schon ihren Exil-Präsidenten.