Hotelierkongress - Tourismusbranche wächst unter dem EU-Schnitt
Wien (APA) - Die klein strukturierten österreichischen Hotels und Pensionen haben ein Kostenproblem und verlieren im EU-Vergleich Marktantei...
Wien (APA) - Die klein strukturierten österreichischen Hotels und Pensionen haben ein Kostenproblem und verlieren im EU-Vergleich Marktanteile. Die heimische Tourismusbranche wächst, aber nicht so stark wie in anderen europäischen Ländern. Zwischen 2008 und 2014 erhöhte sich die Zahl der Übernachtungen jährlich im Schnitt um 0,6 Prozent, EU-weit waren es aber 1,5 Prozent, wie aus einer Wifo-Studie hervorgeht.
Damit blieb Österreich dem Tourismusexperten des Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo), Oliver Fritz, zufolge deutlich hinter dem Wachstum in der EU zurück. Die Nächtigungserlöse seien zwar - von einem hohen Niveau aus - mit einem Plus von 2,4 Prozent pro Übernachtung spürbarer gestiegen, die nominellen Gewinne hätten aber nur um 1,2 Prozent pro Jahr zugenommen.
Dafür machte die Präsidentin der Österreichischen Hoteliervereinigung (ÖHV), Michaela Reitterer, am Hotelierkongress unter anderem auch „die politisch verordneten Kostenanstiege der vergangenen Jahre“ verantwortlich. Sie verwies dabei etwa auf die Anhebung des (ohnehin herabgesetzten) Mehrwertsteuersatzes auf Urlauberübernachtungen von 10 auf 13 Prozent im Zuge der jüngsten Steuerreform, die Rücknahme der Energieabgabenvergütung und die Verlängerung der Abschreibungszeit für Gebäude von 33 auf 40 Jahre.
Die Branche fordert nun merkliche Entlastungen von der Politik. „Die österreichischen Hotels sind die kleinsten im europäischen Vergleich - wir haben im Schnitt 49 Betten pro Betrieb“, plädierte Reitterer für entsprechende Rahmenbedingungen. Bei den Übernachtungen pro Hotelunternehmen lag 2014 laut Wifo nur Bulgarien (5.877) hinter Österreich (6.970). Führend war Zypern mit fast 35.000 Nächtigungen vor Spanien mit rund 25.000.
Im heimischen Tourismus arbeiteten zu 40 Prozent Fachkräfte und zu 40 Prozent Hilfskräfte, sagte die ÖHV-Chefin im Hinblick auf das im Vergleich zu anderen Branchen immer noch niedrige durchschnittliche Lohnniveau. Auf permanenter Personalsuche sei man zudem „nicht, weil uns die Leute davonlaufen, sondern weil die Branche wächst“.
Die Personalkosten seien zwar seit der Finanzkrise bis 2016 um durchschnittlich 5,6 Prozent pro Jahr gestiegen. „Es sind aber nur 4 Prozent bei unseren Mitarbeitern angekommen - da versickert zu viel Geld, da brauchen wir ein besseres Kostenmanagement der öffentlichen Hand“, forderte Reitterer eine Senkung der österreichischen Steuer- und Abgabenquote auf 40 Prozent.
In der Spitzenhotellerie machten die Mitarbeiterkosten im Jahr 2016 laut Tourismusberatung Kohl & Partner 35 Prozent des Umsatzes aus - der Zielwert liegt aber laut Reitterer bei 30 Prozent. „Das ist die internationale Benchmark, an der uns auch die Banken messen“, erklärte die Branchensprecherin. Eine Viertel der österreichischen Hotels stehe richtig gut da, die Hälfte wurstle sich durch und ein Viertel wisse nicht, wie es weitergeht, berief sie sich auf eine Branchenumfrage aus dem Vorjahr.