US-Regisseur Jim Jarmusch wird 65

Los Angeles (APA/dpa) - In der Film- und Musikszene hat Jim Jarmusch viele Freunde. Für die Ikone des US-Independent-Kinos, Schöpfer von Kul...

Los Angeles (APA/dpa) - In der Film- und Musikszene hat Jim Jarmusch viele Freunde. Für die Ikone des US-Independent-Kinos, Schöpfer von Kultfilmen wie „Stranger than Paradise“ und „Broken Flowers“, traten die Stars gerne vor die Kamera. Musiker und Schauspieler wie Tom Waits, Iggy Pop, Tilda Swinton, Roberto Benigni und Bill Murray zählen zu seiner Stammbesetzung. Am Montag (22. Jänner) wird Jarmusch 65 Jahre alt.

Jim feiere seine Geburtstage nicht gerne, ließ der Komponist und Band-Kollege von Jarmusch, Carter Logan, auf eine Anfrage der Deutschen Presse-Agentur bei dem Regisseur ausrichten. Er wolle sich derzeit auch nicht in einem Interview zu seiner Arbeit äußern. „Im Namen von Jim, Danke aber für die Nachfrage“, lautete die freundliche Absage des pressescheuen Filmemachers. Mit ihrer 2009 gegründeten Rock-Band SQÜRL spielten Jarmusch und Logan unter anderem die Soundtracks für die Filme „The Limits of Control“, „Only Lovers Left Alive“ und „Paterson“ ein.

Seinen bisher letzten Spielfilm „Paterson“ hatte Jarmusch im Mai 2016 beim Filmfest in Cannes in den Wettbewerb geschickt. In dem poetischen Werk spielt „Star Wars“-Bösewicht Adam Driver einen Busfahrer und Dichter, der durch sein Leben treibt. Es ist ein langsamer Gedankenstrom voller hübscher Anekdoten und Beobachtungen eines ganz normalen Alltags. „Ich hatte keine Lust auf einen Action- und Kriegsfilm. Ich wollte einen ruhigen und langsamen Film drehen“, sagte Jarmusch in Cannes der dpa.

Jarmuschs filmische Hommage an die Dichtkunst hat einen ganz persönlichen Hintergrund. „Eigentlich wollte ich Dichter werden. Dichter waren meine Helden, denn ich habe noch nie einen Dichter getroffen, der aus finanziellen Gründen zum Dichter wurde“, erzählt der Regisseur.

Jarmusch wuchs mit zwei Geschwistern in einer Vorstadt von Akron im US-Bundesstaat Ohio auf. Seine Liebe für Kino und Literatur entdeckte er früh. In Chicago studierte er zunächst Englische und Amerikanische Literatur, nach einem längeren Aufenthalt in Paris schrieb er sich in New York für Filmwissenschaften ein. Als Keyboarder und Sänger spielte er damals auch in einer Band mit.

Mit „Gimme Danger“ (2017) brachte er seine Liebe zur Musik ins Kino. Die Dokumentation ist eine Hommage an den Punk-Musiker Iggy Pop und The Stooges. Als er Teenager war, hätten ihn die Stooges umgehauen, erzählte Jarmusch bei der Weltpremiere des Films 2016 in Cannes. 20 Jahre zuvor hatte er in „Year of the Horse“ bereits eine Konzerttour von Neil Young und Crazy Horse dokumentiert. Er drehte auch Musikvideos für Künstler wie Tom Waits und Neil Young.

Mit seinem Band-Kollegen Carter versuche er, einen eigenen Rhythmus zu finden, sagte Jarmusch im vergangenen Juli dem Entertainment-Portal „Vulture.com“. „Ich spreche langsam, ich liebe Musik, daher habe ich vielleicht einen langsamen Rhythmus in mir? Schnellen Kram mag ich auch, aber selbst kreiere ich keine schnellen Sachen.“ Langsam, fast meditativ und minimalistisch, mit einem Blick für Details, ist auch die typische Handschrift seiner Filme. Der finnische Kult-Regisseur Aki Kaurismäki soll einmal über Jarmusch gesagt haben: „Er ist der langsamste Filmemacher der Welt.“

Schon in seinem ersten größeren Film „Stranger than Paradise“ hatte er sich der Kunst der Einfachheit verschrieben - und 1984 auf Anhieb in Cannes die „Goldene Kamera“ gewonnen. In „Down by Law“ schickte er drei Gefängnisausbrecher, gespielt von John Lurie, Tom Waits und Roberto Benigni, in die Mississippi-Sümpfe.

In seinem Episodenfilm „Night on Earth“ (1991) über nächtliche Taxibegegnungen in New York, Paris, Rom, Los Angeles und Helsinki glänzte Armin Mueller-Stahl als hilfloser deutscher Taxifahrer mitten im chaotischen New York. Jarmusch macht aus dem alltäglichen, zufälligen Aufeinandertreffen unterschiedlichster Menschen eine anrührende Geschichte.

In „Coffee and Cigarettes“ (2004) bringen Kaffee und Zigaretten Charaktere zusammen, die in Cafes und Bars über allerlei Belangloses plaudern. In elf Episoden sind wieder alte Freunde wie Waits, Iggy Pop und Benigni dabei. Bill Murray ist großartig als manischer Kaffee-Süchtiger, Cate Blanchett ist in einer Doppelrolle als Filmdiva und deren heruntergekommene Verwandte zu sehen. Jarmusch lässt die Akteure auch improvisieren.

In dem melancholischen Film „Broken Flowers“ (2005) kehrt Bill Murray als verblühter, wortkarger Don Juan zurück, der auf den Spuren seiner amourösen Vergangenheit wandelt. Er besucht Ex-Freundinnen, gespielt von Sharon Stone, Frances Conroy, Jessica Lange und Tilda Swinton. „Es ging mir weniger um eine Story als solche“, erklärte Jarmusch bei den Filmfestspielen in Cannes, wo „Broken Flowers“ den Großen Preis der Jury erhielt. „Ich wollte die Geschichte der einzelnen Figuren zeigen.“ Das gelang ihm auch wieder mit der Vampirkomödie „Only Lovers Left Alive“ (2013), mit Tom Hiddleston und Tilda Swinton als Hipstervampire mit menschlichem Tiefgang.