Der Vollmond ist immer super
Ende des Monats spielt unser Erdtrabant alle Stückeln: ein ungewöhnlich naher Vollmond, ein „Blue Moon“ und eine „Blutmondfinsternis“ in einer Nacht.
Von Matthias Christler
Innsbruck, Wien –Für Esoteriker ist es die Nacht der Nächte mit drei astronomischen Phänomenen in einem. Astronomen nehmen es lockerer, auch wenn die „Super-Blau-Blutmondfinsternis“ Ende Jänner schon sehr spektakulär klingt. Aber der Reihe nach: Am Mittwoch, den 31. Jänner, soll es einen „Supervollmond“ geben, das heißt, der Erdtrabant kommt der Erde ganz nahe. Außerdem tritt ein „Blue Moon“ auf, das bezeichnet den zweiten Vollmond in einem Monat, was im Schnitt alle zweieinhalb Jahre passiert. Und drittens entsteht in derselben Nacht eine „Blutmondfinsternis“, weil die Erde genau zwischen Sonne und Mond steht.
Alles zusammen passierte das letzte Mal vor 150 Jahren, einzeln betrachtet muss Astronom Alexander Pikhard die Begeisterung eindämmen. Die Bezeichnung „Supervollmond“ reiht er eher in die Esoterik ein, „weil es die Erscheinung eines extrem großen Mondes vortäuscht, die es so nicht gibt“. Der Mond sei nicht immer gleich weit von der Erde entfernt. Seine Entfernung von der Erde schwanke zwischen ca. 363.000 und 406.000 Kilometern, „was im Anblick dem Verhältnis einer 2-Euro- zu einer 1-Euro-Münze entspricht“. Am 2. Jänner war der Vollmond sogar etwas näher, als er am 31. sein wird. „Der Vollmond erscheint in dieser Nacht um sieben Prozent größer als im Jahresschnitt. Es gibt geübte Himmelsbeobachter, die behaupten, dass sie das mit freiem Auge erkennen“, sagt der Präsident der Wiener Arbeitsgemeinschaft für Astronomie (WAA).
Wer, vorausgesetzt die Wolken spielen mit, also am 31.1. den Nachthimmel betrachtet, wird keinen großen Unterschied erkennen. Es gibt allerdings Tage, an denen man das Gefühl hat, dem Mann im Mond die Hand schütteln zu können. „Das ist eine optische Täuschung und hängt nicht von der Nähe der Erde zum Mond ab. Wenn der Mond hoch am Himmel steht, hat man rundherum keinen Bezugspunkt. Er hängt in der schwarzen Nacht herum und erscheint klein. Wenn nun der Mond aber tief unten steht und am Horizont Berge oder Häuser einen anderen Bezugspunkt liefern, schaltet unser Gehirn um und es macht den Mond gefühlsmäßig viel größer“, erklärt Pikhard.
Der „Blue Moon“ ist im Gegensatz zum „Supervollmond“ eine astronomische Tatsache, nur blau ist er nicht. Der Begriff hat nämlich nichts mit der Farbe zu tun, er kommt aus dem Englischen und leitet sich ab von dem heute nicht mehr gebräuchlichen „belew moon“, was so viel wie „belügender Mond“ bedeutet. Da es in einer Jahreszeit normalerweise nur drei Vollmonde gibt, täuscht ein vierter Vollmond schon die nächste Jahreszeit vor, obwohl diese noch gar nicht beginnt. „Die Mondphasen wiederholen sich im Schnitt alle 29,5 Tage. Daher ist es nicht ungewöhnlich, dass es in einem Monat zweimal zu einem Vollmond kommt. Im Jänner 2018 war der erste Vollmond am 2., also ist der nächste noch im Jänner, am 31.“.
Richtig aufregend muss das dritte Ereignis sein, die „Blutmondfinsternis“. „Aber wir in Österreich sind leider um zwei, drei Stunden zu spät dran“, sagt Pikhard. Wenn bei uns der Mond zu sehen ist, wird das Spektakel schon gelaufen sein. Die Asiaten haben es besser und können Folgendes sehen: „Bei der Mondfinsternis erscheint der Mond meist dunkelrot. Das liegt daran, dass das Licht der hinter der Erde stehenden Sonne durch die Erdatmosphäre gestreut wird.“ Dieses Licht beleuchtet den Mond, der dadurch schwach dunkelrot leuchtet.
Obwohl die Blutmondfinsternis nicht zu sehen ist, werden sich Pikhard und einige Kollegen an dem Abend trotzdem treffen. Der nahe Vollmond ist nämlich immer schön. „Ich betrachte den Mond sehr gerne, weil er viele Bewegungen macht, sodass man den gleichen Anblick eigentlich nie zweimal hat.“