Modellregion Kaunergrat nimmt das Heft in die Hand
Die erste und bisher einzige Tiroler „Klimawandelanpassungsregion“ rüstet sich für klimatische Veränderungen und will neue Chancen nutzen.
Von Helmut Wenzel
Prutz, Fließ –Klimawandel ist weltweit Thema, Klimaschutz eine Daueraufgabe. Was können und sollen kleine alpine Regionen in Zeiten des Klimawandels tun, um sich an die Veränderungen anzupassen? Im Bezirk Landeck zeigt Tirols erste und einzige von österreichweit 23 „Klimawandelanpassungsregionen“ (KLAR) auf, was möglich und machbar ist. „KLAR“ ist eine geförderte Initiative des Lebensministeriums.
„Es geht darum, mit den Folgen des Klimawandels klarzukommen“, zeigt Koordinatorin Ulrike Totschnig auf. „Weil längere Trockenperioden zu erwarten sind, sollte das Regenwasser in einen Speicher gefüllt werden. Womit es besser genutzt werden kann.“ Auch Trinkwasserstellen sollten unter dem Motto „Wasser für alle“ errichtet werden, so Totschnig. Oder: Den Obstbauern wird der Anbau von alten „klimaresistenten“ Obstsorten empfohlen, unter dem Motto „Obst für alle“. Der Sommertourismus soll attraktiviert werden.
Die „KLAR-Kaunergrat“ mit den sechs Gemeinden Kauns, Kaunerberg, Kaunertal, Faggen, Prutz und Fließ sowie den TVB Tiroler Oberland und TirolWest hat sich am Dienstag im Beisein von LHStv. Ingrid Felipe vorgestellt. Unterstützt wird die „KLAR-Kaunergrat“ zudem von der Bezirksforstinspektion, Bauernkammer und dem Naturpark. Koordinator bei dem Förderprojekt (Volumen 209.000 Euro) ist einmal mehr das Landecker Regionalmanagement regioL.
Die Koordinatorin bat Meteorologen der ZAMG um ein Klimamodell für die Kaunergratregion (850 bis 1400 m Seehöhe). Fazit: Die Durchschnittstemperatur von derzeit 6,5° C soll bis zum Jahr 2050 um 1,5° C steigen. Es soll mehr Gewitter, aber auch mehr Trockenperioden geben. Die Gletscher würden verstärkt schmelzen, Permafrost soll auftauen. Vor allem soll die Vegetationsperiode um 15 Tage früher beginnen, was für die Landwirtschaft von großer Bedeutung sei. „Vor diesem Hintergrund gibt es Gefahren, aber auch Chancen“, resümiert Totschnig.
Lobende Worte fand LHStv. Ingrid Felipe: „Die Pioniere des ersten Tiroler ,KLAR-Projekts‘ leisten hervorragende Arbeit.“ Sie hoffe, dass weitere Tiroler Regionen diesem Beispiel folgen.