„Theaterspielen ohne Worte“ - Staatsballett präsentiert „Peer Gynt“

Wien (APA) - Das Wiener Staatsballett setzt das Beschreiten neuer Wege fort und präsentiert am kommenden Sonntag erstmals ein abendfüllendes...

Wien (APA) - Das Wiener Staatsballett setzt das Beschreiten neuer Wege fort und präsentiert am kommenden Sonntag erstmals ein abendfüllendes zeitgenössisches Handlungsballett im Haus am Ring. „Peer Gynt“ des rumänischen Choreografen Edward Clug wurde seit seiner Uraufführung 2015 in Maribor freilich bereits mehrfach erprobt. Und auch bei diesem neuen Anlauf habe er nur wenig geändert, so Clug im APA-Gespräch.

„Es gehört zu den Stücken, die mich bei der ersten Erarbeitung völlig überzeugt haben“, sagt der Choreograf und lacht zugleich über sein eigenes Selbstbewusstsein. „Natürlich sind es nicht jedes Mal die selben Charaktere, nicht jedes Mal die selbe Energie. Aber es ist schon ein sehr spezielles Stück. Die Compagnie hat sich voller Neugier darauf eingelassen.“

Für Clug, der sein internationales Prestige als Choreograf von seiner Leitungsposition am Ballett von Maribor aus errungen hat, war „Peer Gynt“ das erste volle Handlungsballett. „Ich habe mich lange Zeit nicht für das Geschichtenerzählen interessiert“, sagt er. „Ich dachte: Das haben so viele vor mir schon gemacht - da habe ich nichts hinzuzufügen.“ Sein international erfolgreiches „Radio and Juliet“ zu Musik von Radiohead war zwar ebenfalls von einer Handlung inspiriert - aber mit den Vorzeichen einer Rebellion.

Diesmal geht es um eine Versöhnung - der Musik Edvard Griegs mit dem dramatischen Gedicht von Henrik Ibsen. „Der größte Unterschied ist die Stille“, so Clug. Denn die Musik Griegs bringe romantische, märchenhafte Elemente in das Geschehen, „die sich eigentlich querlegen zur Geschichte“. Ibsen wiederum, dessen dunkles Oeuvre gerade in diesem Stück „um so viele Aspekte reicher wird, der an einem einzigen Charakter eine epische Reise von Themen, Orten und Stimmungen durchführt“, liefere ihm die notwendigen Metaphern.

Aus der „äußerst poetischen Lüge“, die Peer Gynt seiner Mutter auftischt, er habe den weißen Hirsch gejagt, wird im Ballett eine Figur kreiert: der weiße Hirsch, künftig ein Alter-Ego „oder auch ein Schutzengel“ der Hauptfigur. Erst diese „Interventionen“ hätten das Verschmelzen von Grieg und Ibsen möglich gemacht, so Clug - der in Griegs Werk beim ersten Satz des Streichquartetts für die Untermalung der Jagdszene fündig wurde.

Die Herausforderung des Handlungsballetts sei im Grunde die gleiche wie eh und je: „Theaterspielen ohne Worte“. Neu für die Tänzer sei dabei aber der Zugang, „sich weniger an der Chronologie des Plots zu orientieren als an der Atmosphäre“: „Es ist eine Reise, sie geht nach vor und zurück, links und rechts, aber auch im Kreis.“ Gleichzeitig sei es auch eine Reise vom „norwegischen Realismus“ zur Transzendenz. Clug selbst hat mit „Peer Gynt“ erstmals mit dem Handlungsballett experimentiert - „seither ist der Appetit darauf gewachsen“, sagt er. Im April gelangt am Zürcher Opernhaus sein „Faust“ zur Uraufführung.

(S E R V I C E - „Peer Gynt“ von Edward Clug, Dirigent: Simon Hewett, Mit Jakob Feyferlik, Alice Firenze, Andrey Kaydanovskiy, Roman Lazik, Franziska Wallner-Hollinek, Rebecca Horner. Premiere am 21. Jänner, 18:30 Uhr, weitere Termine am 22., 24., 27., 30. Jänner und 1. Februar. Wiener Staatsoper: www.wiener-staatsoper.at)