Skifliegen: Kraft will wieder in Oberstdorf zur Hochform auflaufen
Oberstdorf (APA) - Weltrekordhalter Stefan Kraft versucht in Oberstdorf in die Erfolgsspur zurückzufinden und will dort am Wochenende im Kam...
Oberstdorf (APA) - Weltrekordhalter Stefan Kraft versucht in Oberstdorf in die Erfolgsspur zurückzufinden und will dort am Wochenende im Kampf um die Skiflug-WM-Medaillen mitmischen. Der am Kulm neuntplatzierte Doppelweltmeister setzt wenige Wochen vor Olympia darauf, dass er wie schon öfters erst um diese Jahreszeit zur absoluten Topform aufläuft.
„Vor zwei Jahren habe ich auch herumgeeiert davor, dann ist die WM gekommen mit zweimal Bronze. Ab dann habe ich einen richtigen Lauf gekriegt“, meinte Kraft und schöpft Zuversicht aus der Vergangenheit. „Wir haben erst die Hälfte der Saison und ich bin immer erst so richtig im Jänner, Februar in Schuss gekommen.“ Außerdem sei die WM-Schanze eine seiner liebsten. „Oberstdorf ist ein Ort, wo ich immer gerne hinfahre. Letztes Jahr bin ich perfekt zurechtgekommen“, betonte Kraft im ORF-Fernsehen.
Im Vorjahr hatte er auf der umgebauten Klopfer-Schanze beide Skiflug-Weltcups gewonnen und im März nach seinem WM-Double auch noch in Vikersund (253,5 m) den Weltrekord verbessert. Von solchen Glanztaten war er im bisherigen Winter jedoch zumeist ein gutes Stück entfernt. Drei dritte Plätze sind seine bisherige Ausbeute.
Bei der WM will er nun aber die verlorene Unbeschwertheit wiedererlangen. „Ich habe ein bisschen meine Leichtigkeit verloren, andere gewonnen. Aber ich bin trotzdem Fünfter im Gesamtweltcup“, betonte der Pokaltitelverteidiger zur Saisonhalbzeit. Das erste Saisonfliegen am Kulm sei solide gewesen. „Es waren gute Sachen dabei, kein Ausreißer nach hinten, es war ein guter Start Richtung Oberstdorf.“
Es seien nur Kleinigkeiten, die den Sieger vom 20. trennen, gab er zu bedenken. „Es heißt jetzt einfach arbeiten, um Schritt für Schritt ein Gefühl zu entwickeln, dass ich selber wieder mit meinen Sprüngen zufrieden sein kann. Das war bis dato in dieser Saison einfach noch nicht der Fall“, erklärte der eigenen Angaben zufolge nach einer Verkühlung noch nicht 100 Prozent wiedergenesene Salzburger. „Das sollte mich aber nicht weiter beeinträchtigen.“
Dass nicht viel auf die Spitze fehlt, weiß auch Heinz Kuttin. „Wenn er seine beste Flüge auspackt, kann er ganz vorne mitmischen“, bekräftigte der ÖSV-Cheftrainer und verwies ebenfalls auf die stets im Jänner steigende Formkurve von Kraft. Gold-Favoriten seien diesmal aber andere, eine Medaille im Einzel oder im Team aber natürlich schon das Ziel, so Kuttin. Insgesamt verzeichne seine Mannschafte eine Aufwärtstendenz. „Wir haben wieder Vertrauen getankt. Wir wissen, dass nicht jeder Flug sehr gut war. Aber unsere Tendenz passt“, sagte Kuttin zur APA - Austria Presse Agentur.
Wie schon bei der missglückten Tournee ruhen die Medaillenhoffnungen auch in Oberstdorf auf Kraft alleine. In Abwesenheit des nach wie vor schwächelnden Ex-Weltmeisters Gregor Schlierenzauer und von Manuel Fettner werden der etwas im Aufwind befindliche Michael Hayböck, Manuel Poppinger, Clemens Aigner (Überraschungs-7. am Kulm) und Florian Altenburger die Topstars kaum ärgern können. Hayböck erwartet sich keine Wunderdinge. „Ich weiß allerdings, was ich draufhabe, das möchte ich auch zeigen und mich so Stück für Stück wieder nach vorne arbeiten“, sagte der Oberösterreicher.
Als erste Sieganwärter gelten die Norweger um Kulm-Sieger Andreas Stjernen und Daniel Andre Tande sowie die Deutschen mit Rückkehrer Richard Freitag und Schanzenrekordhalter Andreas Wellinger (238 m). Auch Titelverteidiger Peter Prevc und die am Kulm ebenfalls wiederstarken Routiniers Simon Ammann und Noriaki Kasai sollte man nicht außer Acht lassen. Kamil Stoch will indes den missglückten Auftritt in der Steiermark nicht auf sich sitzen lassen und wieder an seine Tournee-Dominanz anknüpfen.
Eröffnet werden die Titelkämpfe am Donnerstag mit der Qualifikation. Der Einzelbewerb wird in vier Durchgängen am Freitag und Samstag ausgetragen. Zum Abschluss folgt am Sonntag die Team-Konkurrenz. Titelverteidiger ist Norwegen. Österreich hatte 2016 am Kulm mit Kraft, Hayböck, Fettner und Poppinger hinter Deutschland Bronze geholt.