Tiroler Sinfonieorchester entscheidet online über neuen Chef
Vier Bewerber für den Chefposten des Tiroler Symphonieorchesters waren schon am Dirigentenpult. Die Musiker fungieren als Juroren.
Von Markus Schramek
Innsbruck –Halbzeit im Dirigentencasting für das Tiroler Symphonieorchester Innsbruck (TSOI): Vier von acht Bewerbern für den vakanten Posten des Chefdirigenten durften ihr Können schon unter Beweis stellen. Francesco Angelico, Langzeitmaestro des TSOI und des Tiroler Landestheaters, hatte mit seinem Wechsel an das Hessische Staatstheater Kassel das Kandidatenkarussell so richtig in Schwung gebracht.
Als vierter Anwärter ist diese Woche der Spanier Pablo González im Einsatz. Er hat mit dem TSOI das 3. Symphoniekonzert erarbeitet. Dieses geht heute und morgen im Innsbrucker Congress über die Konzertbühne. Von Mozart bis Verdi und Schumann spannt sich dabei programmatisch der Bogen.
Die 70 Profimusiker des TSOI dürfen sich in dieser Spielzeit über mangelnde Abwechslung nicht beklagen. Technisch-musikalisch wird ihnen ständige neue Kost serviert. Kein Dirigent ist wie der andere. Und die Bewerber zeigen sich von ihrer Schokoladenseite. Denn das Orchester spielt zwar, wie gewohnt, nach den Vorgaben des jeweiligen Dirigenten. Es ist bei der Kandidatenauslese aber auch selbst am Wort: als Juror.
„Die Mitglieder des TSOI bewerten jeden der Dirigenten online und anonym“, berichtet Peter Polzer, Cellist und Sprecher des Orchesters. Die Musikerschaft ist nach seinen Worten in die Entscheidungsfindung direkt mit eingebunden. „Unsere Bewertung ist Basis für die Endauswahl und somit letztlich auch für die Kür des neuen Chefs“, so Polzer. Landestheaterintendant Johannes Reitmeier will seinem Paradeorchester einen neuen Vorgesetzten nicht einfach vor den Latz knallen.
Aziz Shokhakimov, Kerem Hasan, Vassilis Christopoulos (Neujahrskonzerte) und aktuell Pablo González waren die ersten vier Bewerber. Jac van Steen, Ainars Rubikis, Mihkel Kütson und Andris Poga dürfen bis zum Ende der Konzertsaison im Juni noch ans Dirigentenpult. Jeder der Kandidaten leitet das Orchester auch bei einer Oper im Großen Haus des Landestheaters. Einer der Genannten wird dann das Rennen machen – Ainars Rubikis ausgenommen. Der Lette wurde schon von der Komischen Oper Berlin wegengagiert.
Orchestersprecher Polzer schließt nicht aus, dass die Entscheidung schon vor dem Sommer fällt. Es bleibt noch ein Weilchen spannend.