Für Kopf und Tanzbein: Schräger Pop von Superorganism - Popnews
Wien (APA) - *...
Wien (APA) - *
Klare Stimmen? Ach was, die dreht man lieber ordentlich durch den digitalen Fleischwolf. Und gerade Rhythmen? Können sich andere an die Tanzschuhe heften. Im Falle von Superorganism, dieser achtköpfigen und international zusammengesetzten Popformation mit dem Indiehit „Something For Your M.I.N.D.“, kann es eigentlich nicht schräg genug sein. Und doch sind die Songs des in London angesiedelten Kollektivs, das Anfang März sein selbstbetiteltes Debüt auf den Markt wirft, eingängig wie nur was. Es wird geknurrt und gesummt, es knarzt und blubbert, und eigentlich weiß man nie ganz genau, woher der Wind weht. Aber knackige Beats und verträumte Synthieflächen schaffen es meist doch, das eigenwillige Sammelsurium zusammenzuhalten. Am Samstag sind Superorganism übrigens beim (ausverkauften) FM4-Geburtstagsfest in der Wiener Ottakringer Brauerei zu erleben.
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Lange neun Jahre ist es her, dass Ex-Talking-Head David Byrne mit einem Auftritt in der Arena Wien Österreich beehrt hat. Sein neues Album „American Utopia“ erscheint am 9. März, nun hat er die Stationen seiner gleichnamigen Welttournee auf seiner Website www.davidbyrne.com veröffentlicht. Im Wiener MuseumsQuartier, Halle E, schaut der 65-jährige US-Schotte am 26. Juni vorbei. Mit der Ankündigung erlaubte Byrne auch erste Einblicke in sein Showkonzept, das stark an die 1983er-“Speaking In Tongues“-Tour der Talking Heads, die als Konzertfilm „Stop Making Sense“ verewigt wurde, angelehnt ist: Ausnahmslos jedem Musiker wird es möglich sein, sich auf der leeren Bühne völlig uneingeschränkt zu bewegen, und dazu bedarf es einiger technischer Raffinessen. In puncto Setlist verspricht Byrne neben neuem Material auch wohlbekannte Klassiker der New-Wave-Ikonen.
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Ihn muss man nicht mehr vorstellen: Als Hochzeitssänger in seiner Heimat Syrien begonnen, ist Omar Souleyman mittlerweile aus den Clubs dieser Welt nicht mehr wegzudenken. Der Musiker hat in den vergangenen Jahren etliche Alben zwischen den Polen Tradition und Moderne vorgelegt, die mit orientalischen Klängen ebenso vollgestopft sind, wie sie zeitgenössische Elektronik bedienen. Im Vorjahr erschien die Remix-Sammlung „To Syria, With Love“, am 8. Februar ist Souleyman in der Grellen Forelle in Wien zu erleben. Keineswegs nur ein Abend für Heiratswillige.
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Ryan Lott hat wieder Zeit für Son Lux gefunden: Drei Jahre nach dem bis dato letzten Output „Bones“ legt der US-amerikanische Multiinstrumentalist mit seiner Band eine neue Platte vor. „Brighter Wounds“ knüpft dort an, wo der Vorgänger aufgehört hat: träumerische Sequenzen, eine entrückte Stimme und Arrangements, die sich bei der Entstehung schon wieder zu verflüchtigen scheinen. Sukzessive fügen sich dieser Mixtur in den neuen, von einigen einschneidenden Erlebnissen im Leben des Musikers geprägten Songs aber verstörende Sounds hinzu. Erneut aufgenommen als Trio mit Gitarrist Rafiq Bhatia und Drummer Ian Chang, ist „Brighter Wounds“ eine einnehmende Klangreise, die zwar viel Aufmerksamkeit erfordert, aber auch etliche lohnende Seiten offenbart. Am 1. März sind Son Lux in der Wiener Arena zu Gast.
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Einen sehr intimen Zugang hat Hangspieler Manu Delago für seinen neuen Output gewählt: „Metromonk Unplugged“ hält, was es verspricht - fünf Akustikversionen von Stücken seines jüngsten Albums. Dem gebürtigen Tiroler, der bereits mit Größen wie Björk oder Anoushka Shankar zusammengearbeitet hat, gelingt es auf der EP durchaus, neue Facetten von Stücken wie „A Step“ oder „Herzkeks“ zu beleuchten. Letzteres etwa erhält im Akustikgewand eine fast doppelt so lange Spielzeit und lässt sich dementsprechend Zeit, die einzelnen Abzweigungen zu erkunden. Auch live wird Delago mit einem Akustikprogramm unterwegs sein: Am 8. Februar beginnt die Tour in Hard, die ihn in weiterer Folge auch nach Innsbruck (10.2.), Graz (11.2.) und Wien (12.2.) bringen wird.
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Wer fürchtet sich vorm Zeitgeist? Bei der Wiener Band Neuschnee macht er immerhin „Buh“, wie dem Opener des bereits vierten Albums der Gruppe zu entnehmen ist. „Okay“ ist mit sieben Songs in rund 30 Minuten zwar recht kurz ausgefallen, wartet aber mit allerlei Gimmicks und Ideen auf. Da dröhnen die Synthies im ersten Stück (in dem es übrigens auch heißt: „Es ist nie zu spät für ein bisschen mehr Solidarität“), während „It‘s Okay To Feel Lost“ elegisch und anschmiegsam um die Ecke biegt, ganz analog in seiner Melancholie. Sänger und Songwriter Hans Wagner kann mit seinen Kollegen aus dem Vollen schöpfen, die große Geste steht Neuschnee nämlich ebenso gut wie der Dancefloor-Kracher. Was die Stücke zusammenhält? Eine gewisse Ästhetik und dass sie eben mehr sind, als nur „Okay“. Man muss ja nicht jedem Titel Glauben schenken. Vorgestellt werden die Songs am 31. Jänner im Wiener WUK.