Genetik, Genitalhumor und Gott: Palfraders Solo-Debüt „Allein“
Wien (APA) - Mit seinem Solo-Debüt „Allein“ lockte Robert Palfrader, als Kabarettist und Schauspieler bekannt durch zahlreiche ORF-Formate w...
Wien (APA) - Mit seinem Solo-Debüt „Allein“ lockte Robert Palfrader, als Kabarettist und Schauspieler bekannt durch zahlreiche ORF-Formate wie „Wir sind Kaiser“ oder „Braunschlag“, am Mittwochabend zahlreiche Fans und Kollegen in den Wiener Rabenhof. Doch sein zerfahrenes, zwischen Genitalhumor, Genetik und Gott mäanderndes Programm konnte nicht überzeugen.
Stoisch und schutzlos präsentiert sich Palfrader auf der leeren Bühne, als der Vorhang sich zu Beginn der knapp zweistündigen Produktion (inklusive Pause) hebt und startet ganz am Anfang - seiner Zeugung. Seine Schilderungen untermauert er mit eindeutigen Gesten und angewiderten Blicken, bevor er schließlich seinen eigenen Atheismus verteidigt, von unliebsamen Begegnungen mit Fans berichtet oder ordentlich auf Deutsche und Niederösterreicher hinhaut - das funktioniert schließlich immer.
Sich an diesen Kernthemen entlang hangelnd widmet sich der 49-Jährige mal Jesus‘ Vorhaut, dem falschen Glauben an Bitcoins und Homöopathie, parliert mit einem Krankenhauskeim über Schopenhauer und reflektiert über das „Promilächeln“, das er immer wieder aufsetzt, um das Leben des Pöbels ein Stück besser zu machen. Um weiter in die Vergangenheit zu blicken als bis zur Zeugung, habe er auch sein Genmaterial analysieren lassen, das ihn zu fast 20 Prozent als Skandinavier ausweist. Außer einer verständnislosen Grimasse fällt ihm zu dieser Erkenntnis allerdings nichts ein.
Und so erfährt man in weiterer Folge, wie minderbemittelt die gemeine Bevölkerung ist („Wenn Sie ein felsenfest überzeugter Demokrat sein wollen, machen Sie keine Straßenumfragen!“), wie sehr sich beinamputierte Bettler in Wien bereits integriert haben (wenn sie Palfrader als „Gutmenschen-Arschloch“, „linkslinke Drecksau“ und „hirnloses Bobo-Rotfunk-Sprechpuppen-Arschloch“ beschimpfen), wie „fetzendeppert“ alle Religionen doch sind und wie sehr er nach Selfies unter dem Schweißgeruch seiner Mitmenschen leidet, der sich aufgrund seiner geringen Körpergröße bei Umarmungen auf seiner Schulter sammelt. Alles klar? Das Publikum reagierte meist verhalten und stürzte sich punktuell auf besonders derbe Gags, schließlich war man hier, um zu lachen.
Was Palfrader über den gesamten Abend hindurch fehlt, ist ein konsistentes Konzept, eine Botschaft und auch ein gewisses Maß an Selbstironie. Schmerzlich vermisst man einen Sparringspartner (wie etwa bei „Wir sind Kaiser“ oder „Wir Staatskünstler“), der den Ball zurück spielt. Am Publikum prallen so manche Witze ab und verpuffen irgendwo im Raum. Aber die Fans seien ja auch irgendwie selbst schuld, lässt Palfrader immer wieder wissen, und gibt diesen dann noch einen Rat mit auf den Weg. Man möge sich die Dating-App „Tinder“ aufs Smartphone laden, um dem eigenen Verschwinden durch die natürliche genetische Auslese mithilfe von Reproduktion zu entkommen. Oder so. Am Ende des Abends gab es dennoch viel Applaus und Standing Ovations.
(S E R V I C E - „Allein“ von Robert Palfrader im Rabenhof. Weitere Termine: 19., 20., 23., 25., 30. und 31. Jänner sowie am 16. und 17. Februar, 9., 10., 21. und 22. März. Infos und Karten unter www.rabenhof.at)